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Numismatische Gesellschaft zu Berlin zog Bilanz und nimmt sich für 2026 viel vor

Am 23. Januar 2026 kam die Numismatische Gesellschaft zu Berlin (NGB) im Studiensaal des Münzkabinetts im  Bode-Museum zusammen, um den Vorstand zu wählen. Der alte Vorstand ist der neue, und sein Vorsitzender Lutz Fahron zog eine positive Bilanz der Arbeit in den beiden vergangenen Jahren. Die Gesellschaft unterhält vier autonome Arbeitskreise, und zwar den Freundeskreis Antike Münzen, den Arbeitskreis Brandenburg/Preußen, den Freundeskreis Medaillenkunst (Berliner Medailleurkreis) sowie den Förderkreis Münzkabinett und wirkt mit ihnen weit über die Landegrenze hinaus. Gut besuchte Vorträge sowie Exkursionen nach Berlin und Greiz fanden statt. Beteiligt war und ist der Verein an Publikationen und Ausstellungen des Münzkabinetts. Im Münzkabinett befindliche Akten und Dokumente der 1843 gegründeten Numismatischen Gesellschaft werden nach und nach gesichtet und ausgewertet.


Der von Lutz Fahron (Mitte) vorgetragene Rechenschaftsbericht und der Kassenbericht wurden von den Mitgliedern der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin zustimmen angenommen, rechts Schriftführer Dr. Michael Kunzel und hinter den Büchern aus der Feder von Andrew Burnett hat Kabinettsdirektor Prof. Dr. Bernhard Weisser Platz genommen.


Die Numismatische Gesellschaft hat sich für 2026 einiges vorgenommen. Sie plant Vorträge zu diesen Themen:  Die Berliner Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen und ihre Medaillen, der bulgarische Tapferkeitsorden von Zar Ferdinand I. Es gibt ein Gespräch mit Olaf S. Gehrke über neue deutsche Gedenkmünzen und ihre Entstehungswege. Ferner wird die Fremd- und Selbstwahrnehmung auf Münzen und Medaillen in den Blick genommen. Behandel wird auch die Vernetzung der spätkeltischen Welt am Beispiel der Münzwirtschaft. Weiter geht es zu Imitation römischer Goldmünzen im Barbaricum, das heißt in den Gebieten in Nord-, Mittel- und Südosteuropa. Vorgestellt wird das Münzkabinett im Historischen Museum Frankfurt am Main und zum Jahresabschluss wird ein Vortrag über die Burg Hasegg in Hall in Tirol gehalten, wo 1486 der Taler aus der Taufe gehoben wurde. Zwischendurch lädt der Arbeitskreis Brandenburg/Preußen zu Exkursionen nach Fredersdorf und Stendal ein. Geplant ist auch das mit Vorträgen und kulinarischen Genüssen verbundene  traditionelle Frühlingsfest beim Vereinsmitglied Michael Gnatzy.


Im vergangenen Jahr erschien die 33. Folge des Jahrbuchs „Beiträge zur Brandenburgisch-Preußischen Numismatik“ mit lesenswerten Beiträgen unter anderem zum vierzigjährigen Jubiläum des Arbeitskreises Berlin/Brandenburg. Zum Jubiläum kam eine von Katrin Fahron gestaltete Gussmedaille mit dem ins Deutsche übertragenen Motto „In Münzen lebt Geschichte“ heraus.


Die Veröffentlichung von mehr als 114.000 griechischen Bronzemünzen im Bestand des Berliner Münzkabinetts hat begonnen und wird sich über 25 Jahre erstrecken, sagte Weisser. Ein herausragendes Ereignis sei ferner die Übergabe der Stempel des Münzfälscher Becker gewesen, und die Veröffentlichung neuer Bücher von Prof. Dr. Bernd Kluge über die Münzen des Ostfränkisch-deutschen Reiches 843 bis 1125 (MODR). Fortgeführt werden die Arbeiten am Interaktiven Katalog des Münzkabinetts (IKMK), der inzwischen mit 18 Jahren volljährig wurde. Dr. Johannes Eberhard berichtete über die erfolgreiche abgeschlossene Ausstellung im Bode-Museum „Ius in Nummis“ und stellte das dazu veröffentlichte Buch vor. Es hilft bei der Entschlüsselung von Medaillenbildern und Inschriften und macht auf wenig beachtete Sammel- und Forschungsgebiet zu Recht und Gerechtigkeit, Verfassungen und ähnliche Gebiete aufmerksam.


Die Mitglieder des der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin wählten den britischen Münzforscher Andrew Burnett, hier in einmemYoutube-Video, zu ihren Ehrenmitglied.


Auch der Direktor des Münzkabinetts Prof. Dr. Bernhard Weiser blickte in der Veranstaltung auf ein erfolgreiches Jahr 2025 und dankte den Mitgliedern der der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin für Hilfe bei Ausstellungen und Publikationen und der Verbreitung neuer Erkenntnisse über Münzen  und Medaillen sowie verwandte Bereiche. Bedauerlicherweise sei den Museen der eintrittsfreie Sonntag, der auch viele Besucher in die Ausstellung des Münzkabinetts führte, verloren gegangen. Es sei zu hoffen, dass dieser  Service wieder eingerichtet wird. Lobenswert sei, dass die Staatlichen Museen wieder dienstags geöffnet haben. Sie feiern bis 2030 ihr 200-jähriges Bestehen, wobei jedes Haus mit besonderer Ausstellungen und Veranstaltungen in einem der nächsten Jahre im Mittelpunkt steht. In seiner Laudatio würdigte Kabinettsdirektor Prof. Dr. Bernhard Weisser den langjährigen Direktor des Münzkabinett am Britischen Museum in London. Andrew Burnett gilt als unermüdlichen Forscher, der sich auf römische Provinzialmünzen vom 3. vorchristlichen bis dritten nachchristlichen Jahrhundert konzentriert hat und zu neuen, die Altertumskunde bereichernden Erkenntnissen gelangte. Weisser sagte, seine Ehrenmitgliedschaft gereiche der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin zur Ehre, was von den Anwesenden mit Beifall quittiert wurde.


Bernhard Weisser stellte einige Bücher des Numismatikers Andrew Burnett vor.


Wichtige Neuerwerbungen des Münzkabinetts sind ein hoch seltener Halbfriedrichsdor von 1755 sowie Gussmedaillen, die Marianne Dietz für den langjährigen Generaldirektor der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Prof. Dr. Hermann Parzinger und die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit der Widmung „Ich bin hier um euch zu warnen.“ gestaltete. Das Münzkabinett schließt mit der Goldmünze eine Lücke. Es bewahrt über 3.573 Münzen und Medaillen aus der Zeit dieses Monarchen und ist, wie Bernhard Weisser betonte, die weltweit größte und bedeutendste Sammlung dieser Art mit zahllosen Seltenheiten, Der Halbfriedrichsdor mit dem Bildnis Friedrichs des Großen und der Jahreszahl 1755 erweckt den Eindruck, als sei er vor dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) geprägt worden.


Der halbe Friedrichsdor von 1755 ist trotz der unverdächtigen Jahreszahl eine Prägung aus dem Siebenjährigen Krieg um Schlesien, der Preußen zwischen 1756 und 1763 mehr als einmal an den Rand des Untergangs führte.


Rückdatierungen waren nichts Besonderes. Die vom Preußenkönig in Auftrag gegebenen so genannten Ephraimiten aus minderwertigem Silber erwecken, um ein prominentes Beispiel zu nennen, auch den Anschein, als seien sie guthaltige „Friedensware“. Tatsächlich entstanden sie zwischen 1758 und 1763. „Die Finanzierung der Kriegskosten erfolgte nicht zuletzt durch eine massive Münzverschlechterung, zu der auch die Verringerung des Goldgehaltes von 21 Karat 9 Grän (906,25/1000) auf bis zu 7 Karat (292/1000) gehörte. Um eine solche Münze handelt es sich hier: „Sie ist rückdatiert, um sich nicht auf ersten Blick als Kriegsprägung zu erkennen zu geben“, erklärte Weisser und fügte hinzu, die preußischen Gesamtkosten für den Siebenjährigen Krieg würden auf etwa 140 Millionen Taler geschätzt. 30 Millionen davon würden auf die Münzverschlechterungen entfallen. Der König nannte dies im Rückblick von 1779 „ein ebenso gewaltsames wie schädliches Mittel, doch unter diesen Umständen das einzige, durch das der Staat sich hochhalten konnte.“


Dr. Philipp Lederer, Münzhändler und Spezialist für antike Münzen, hatte es von seinem Domizil am Kupfergraben in Berlin zum Münzkabinett im Kaiser-Friedrich-Museum, dem heutigen Bode-Museum, nicht weit. Der Stolperstein schräg ruft sein Schicksal in der Zeit des Nationalsozialismus in Erinnerung.


Am 2. Dezember 2025 lud das Münzkabinett zu einer Verlegung eines Stolpersteins aus Messing vor dem Haus Kupfergraben 4 zum Gedenken an den von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegten und ins Exil vertriebenen Numismatiker und Münzhändler Philipp Lederer (1872-1944). Gegenüber dem Kaiser-Friedrich-Museum, dem heutigen Bode-Museum, eröffnete Lederer 1911 seine Münzhandlung. Nach Hitlers so genannter Machtergreifung 1933 entledigte sich die Numismatische Gesellschaft zu Berlin ihrer jüdischen Mitglieder, zu denen auch Lederer gehörte. Unter Zurücklassung seiner Lagerbestände gelang dem Spezialisten für antike Münzen und Initiator für vergleichende Stempelstudien die Flucht in die Schweiz, wo er 1944 starb. Indem ihm ein Stolperstein gewidmet wurde, erhielt er einen ehrenvollen Platz im Orbit der Numismatik.


Text und Fotos: Caspar

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