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Lexikon: Spindelwerk, Kniehebelprägewerk

Spindelwerk, Stoßwerk, Anwurf, Balancier: wichtigstes Prägewerk vom 17. bis zur Mitte des 19. Jh., in dem der Oberstempel durch eine Gewindespindel vertikal bewegt wird. Die Drehbewegung wird durch einen langen, gewichtsbeschwerten doppelarmigen Hebel am oberen Ende der Spindel durch Menschenkraft erzeugt (angeworfen). Die Masse der auf dem Anwurfhebel (Schlüssel) befindlichen Gewichte richtete sich nach der Größe der zu prägenden Münzen bzw. Medaillen und konnte über 50 kg betragen. Je nach der benötigten Verformungsenergie wurden zum Anwerfen zwei bis zwölf Männer eingesetzt. Vorteil des Spindelwerks war ein energiereicher, aber federnder Prägestoß, der auch für große Medaillen ausreichte, so daß die Stücke mit einem Stoß fertiggeprägt werden konnten.



Kniehebelprägewerk: von Diederich Uhlhorn in Grevenbroich bei Köln erfundene und 1817 in die Münzfertigung eingeführte Prägemaschine, die in hervorragender Weise den Forderungen nach

höherer Produktivität entsprach. Kniehebelprägewerke wurden 1820 in der Berliner, 1829 in der

Londoner, 1834 in der Pariser Münze aufgestellt. Das Neue an dieser Maschine war ein Kurbelantrieb, der die rotierende Bewegung eines Schwungrads über einen Kniehebel in eine Vertikalbewegung des

Oberstempels umwandelt. Die Wirkungsweise des Kniehebels ermöglichte eine theoretisch extrem große Verformungskraft, die praktisch nur durch die Festigkeit der Maschinenteile begrenzt wird.


Mit dem Uhlhornschen K. konnten bis zu 70 Münzen je Minute geprägt werden. Die Uhlhornsche Prägemaschine wies einen für die damalige Zeit außergewöhnlichen Mechanisierungsgrad auf:

– selbsttätige Zuführung der in einem Magazin gespeicherten Münzplatten,

– selbsttätiges Ausstoßen der geprägten Münzen,

– selbsttätiges Ausschalten, wenn keine Platte zugeführt wurde,

– Sicherung gegen Überlastung, wenn mehr als eine Platte zugeführt wurde,

– selbsttätiges Zu- und Abführen des Prägerings (Ringprägung),

– geringfügige Horizontaldrehung des Unterstempels, wodurch der Verformungsvorgang wesentlich verbessert wurde,

– sofortiger Stillstand des Prägemechanismus beim Ausschalten der Maschine.


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