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Freude und Belehrung – Nach Themen zu sammeln ist besser als viel zu wollen und nichts zu bekommen

Münzen und Medaillen bieten große Möglichkeiten, um aus ihnen Freude und Belehrung zu empfangen, wie man in der Barockzeit sagte. Um sich nicht zu verzetteln und auch die eigenen Mittel zielgerichtet einzusetzen, sind Sammler gut beraten, sich auf bestimmte Themen, Zeiten, Personen und Regionen zu spezialisieren. Für diese und weitere Motive hält der Münzhandel ein reichhaltiges Angebot bereit. Es müssen ja nicht immer die großen und teuren Raritäten sein, auch preiswerte Belegstücke sind hilfreich. Kostengünstige Prägungen der Gegenwart können Ausgangspunkt einer in die Vergangenheit zurückreichenden Sammlung sein. Solche Themen können historische Gestalten wie Kaiser und Könige, Politiker, Künstler, Wissenschaftler, Militärs und viele andere sein. Da ihr Leben und Werk in der Numismatik reichen Niederschlag fand und vielfach gut erforscht ist, wird man mit einigem Suchen fündig, denken wir nur an die Münzen und Medaillen König Friedrichs II. von Preußen und der römisch-deutschen Kaiserin Maria Theresia. Interessant und lehrreich ist es auch, nach Geprägen eines bestimmten Landes, einer Region oder Stadt zu suchen und anhand dieser Stücke zu Erkenntnissen zu gelangen, um die sich die Geschichtswissenschaft und Kunstgeschichte im Allgemeinen nicht kümmert.

Der Bremer Roland und die Porta Nigra in Trier sind als Symbole der Bundesländer Bremen und Rheinland-Pfalz auf 2-Euro-Münzen von 2010 und 2017 abgebildet. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar]

Als Sammelthemen bieten sich des weiteren Bauwerke, Stadtansichten und Denkmäler auf Münzen und Medaillen an, ferner Tiere und Pflanzen, Schiffe sowie Flugzeuge und die Raumfahrt, aber auch Eisenbahn und Automobile. Die Zahl entsprechender Prägungen ist kaum zu überschauen, und hat man sich einmal in das Thema vertieft, wird man immer neue Objekte entdecken. Das gilt auch für alles, was mit Leben und Sterben, Liebe und Ehe, mit Religion und Glaubenskämpfen zu tun hat. Allein die Zahl der Gedenkmünzen ist fast schon unermesslich, die seit dem 16. Jahrhundert anlässlich von fürstlichen Geburten, Hochzeiten und Sterbefällen, aber auch Huldigungen und Krönungen geprägt wurden. Für das Ziel, die anlässlich der Thronbesteigung römisch-deutscher Kaiser und ihrer Krönung geprägten Gedenkmünzen und Medaillen zusammen zu bekommen, reicht ein ganzes Sammlerleben kaum aus. Manche Sammler spezialisieren sich auf Motive wie Kleidung, Mode sowie Orden und Auszeichnungen auf Münzen und Medaillen und haben alle Hände voll zu tun, passende Stücke in ihren Besitz zu bekommen. Weitere Themen sind Krieg und Frieden, Medizin, Landwirtschaft, Bergbau, Industrie und Technik, Erfinder und Erfindungen, nicht zu vergessen alles, was mit Sport und Olympiade sowie mit Wappendarstellungen aller Art zu tun hat, um hier die Bandbreite anzudeuten.

Der Eichenbaum und das Segelschiff auf Fünfmarkstücken von 1931 und 1927 passen gut in Sammlungen mit Pflanzen und Schiffen, die Adler auf der Rückseite gehören in die Rubrik Wappen auf Münzen und Medaillen. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar]

Ein weites Feld bietet das Thema „Schimpf und Schande“, also Münzen und Medaillen, die andere Personen oder Länder kritisch aufs Korn nehmen. Diese Prägungen mit zeitgenössischen Grafiken und Pamphleten zu vergleichen und gemeinsam in Ausstellungen zu zeigen, ist eine nicht ganz leichte Aufgabe. Da geprägtes Metall auch für Propagandazwecke ge- und missbraucht wurde und wird, gewährt diese Gruppe interessante Einsichten in das vielfach von Konflikten geprägte Zusammenleben von Menschen und Ländern. Bei bestimmten Nominalen wie Groschen und Pfennigen, Talern und Dukaten, ja auch beim Euro und seinen vielen Sonderprägungen öffnet sich ein ausbaufähiges Betätigungsfeld.

Die Medaille von 1763 mit dem Schloss Hubertusburg und einem Friedensengel feiert das Ende des Siebenjährigen Kriegs. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar]

Der Münzhandel bietet regelmäßig thematische Sammlungen an, so etwa reich bestückte Kollektionen mit Münzen und Medaillen, die berühmte Gelehrte und Künstler ehren sowie die Gründungsjubiläen von Universitäten und Akademien feiern. In diese Kategorie fallen Preismedaillen und Belohnungsmünzen, mit denen fleißige Studenten und Schüler ausgezeichnet wurden. In der Freiberger Bergakademie, der Hohen Karlsschule in Stuttgart und an vielen anderen Orten vergebene Prägungen meist aus Silber sind begehrte und gut bezahlte Sammelstücke. Sie und andere aus der Barockzeit stammende Exemplare sind gewöhnlich selten und teuer, doch gibt es auch andere Prämienmedaillen neueren Datums, die anlässlich von Messen und Ausstellungen an preisgekrönte Betriebe vergeben und für Reklamezwecke genutzt wurden.

Mit allegorischen Figuren geschmückt, zeigen die französischen Medaillen aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert, wie die in vielen Geldfabriken eingesetzten Spindelpressen aussehen. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar]

In das Thema Stadt- und Gebäudeansichten gehören Münzen und Medaillen, auf denen markante Bau- und Kunstdenkmale wie Kirchen und Türme, Burgen und Schlösser, Brücken und andere Bauwerke dargestellt sind. Vielfach fungieren das Brandenburger Tor in Berlin, der Dresdner Zwinger, das Schloss Neuschwanstein, der Kölner Dom, die Wartburg und andere Bau- und Kunstdenkmale als Logo einer bestimmten Stadt, Region und geschichtliche Epoche. Solche Prägungen sind auch heute noch recht preiswert zu haben. Manche Stücke wie die 2-Euro-Münzen mit Motiven aus den 16 deutschen Bundesländern klappern in unseren Geldbörsen und könnten Ausgangspunkt einer Sammlung zum Thema „Architectura in nummis“ sein, die man nach und nach mit anderen und älteren Belegstücken auffüllen kann.

Die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft der Bundesrepublik Deutschland und die IAAF-Leichtathletik-Weltmeisterschaft waren 2006 und 2009 die Ausgabe von Gedenkmünzen wert. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar]

Wer sich für die Geschichte der Münztechnik interessiert, um eines von vielen weiteren Themen herauszugreifen, stößt bald auf historische Darstellungen, die Münzanstalten sowie einzelne Prägegeräte zeigen, oder auf Münzen und Medaillen das Gewerbe der Geldhersteller würdigen. Diese Prägungen gehören in das Gebiet „Numismatica in nummis“. Es vereint alles, was sich mit der Münz- und Medaillenkunde, der Anfertigung der Gepräge ebenso wie mit der Erforschung numismatischer Fragen sowie mit Persönlichkeiten befasst, die sich dieser Aufgabe als Sammler oder Wissenschaftler widmen oder gewidmet haben. Auf Münzen und Medaillen mit münztechnischen Bildern sind Münzarbeiter zu sehen, die am Amboss den Prägehammer schwingen und durch einen oder mehrere Schläge auf den gravierten Stempel aus glatten Ronden Geldstücke herstellen. Dargestellt sind auf anderen Stücken die seit der Barockzeit eingesetzten Spindelpressen, auch Anwurf oder Balancier genannt. Hinzu kommen Kniehebelpressen und weitere Maschinen, die seit dem 19. Jahrhundert die Produktivität der Geldfabriken spürbar erhöht haben.

Den Möglichkeiten, spezifisch zu sammeln, sind im Grunde kaum Schranken gesetzt.

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