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„Außen schön, innen schlimm“ - Wie ein Krieg durch minderwertige Sachsenmünzen finanziert wurde

Kriege kosten Geld, sehr viel Geld, und sie sind schwieriger zu beenden als zu beginnen. Als der preußische König Friedrich II., genannt der Große, am 29. August 1756 seine Truppen in Kursachsen einmarschieren ließ, war nicht abzusehen, dass dieser so genannte dritte Schlesische Krieg gegen Österreich, Sachsen und andere Länder sieben Jahre dauern und sowohl Preußen als auch das Herrschaftsgebiet des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II., der sich als König von Polen August III. nannte, an den Rand des Abgrundes bringen würde.


Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen starb 1763. Die Jahreszahlen 1760 und 1755 auf den 18-Groschen-Stücken täuschen Guthaltigkeit vor, es handelt sich jedoch um preußische Ephraimiten.

Für Sachsen begann nun eine schlimme Zeit. Nach damaliger Sitte zwang Friedrich sächsische Soldaten in seine Armee, doch war deren Bereitschaft gering, ihre Haut für preußische Interessen zum Markt zu tragen, und so kam es zu Desertionen und Disziplinschwierigkeiten. Städter und Landbewohner mussten für den Unterhalt der Besatzer aufkommen und wurden bis aufs Blut ausgesaugt. Der König von Preußen ließ die Münzstätten in Dresden und Leipzig besetzen und für sich arbeiten. Hier wurden englische Subsidien, also Hilfsgelder in Form von Gold- und Silbermünzen, eingeschmolzen und in minderwertiges Geld umgewandelt. Geschätzt wird, dass der Monarch seine Kriegskosten zu einem Sechstel bis zur Hälfte aus der Herstellung und dem Vertrieb minderwertigen sächsischen und polnischen Geldes, der so genannten Ephraimiten, bestritten hat.

Der Kriegsgott steckt das Schwert in die Scheide, jetzt wird alles gut, will die Medaille von 1763 auf das Ende des Siebenjährigen Kriegs sagen. Im Schloss Hubertusburg (Sachsen) beendeten Österreich, Preußen und Sachsen 1763 das Ringen um die Habsburg abgerungenen schlesischen Herzogtümer.

Der Preußenkönig, hier ein Porträt von Adolph Menzel, glaubte sich nur von Versagern und Verrätern umgeben. Siege schrieb er nur sich selber zu, Niederlagen stets seinen Untergebenen.


Das übernahm der Berliner Fabrikant Veitel Heine Ephraim, nach dem das Ephraimpalais im Herzen der Hauptstadt benannt ist. Das Volk bemerkte schon bald den Betrug und reimte: „Von außen schön, von innen schlimm. / Von außen Friedrich, von innen Ephraim“, wobei mit Friedrich nicht der König von Preußen gemeint war, sondern sein Kriegsgegner Friedrich August II. von Sachsen, dessen feiste Züge diesen „Ephraimiten“ aufgeprägt waren. Eigentlich stand die Herstellung schlechten Geldes unter schwerer Strafe. Wer sich solche dubioser Machenschaften zuschulden kommen ließ, wurde nach altem Brauch hingerichtet, bestenfalls kam er mit hohen Zuchthaus- und Geldstrafen davon. Doch niemand war da, der den König von Preußen und seine Untergebenen für Münzverbrechen angeklagt hätte.


Friedrich II. erzielte durch Verminderung des Feingehalts der Geldstücke große Gewinne, mit denen er Waffen beschaffte und Soldaten entlohnte. Die Herstellung von Falschgeld war umfangreich und riskant und gereichte dem König von Preußen nicht zur Ehre. Der borussischen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts war das Thema ausgesprochen peinlich. Friedrich II. ließ nicht nur minderwertiges Geld mit dem Bildnis seines Kriegsgegners prägen, sondern zog über Kontributionen die alten guten Taler aus Sachsen, um sie in neues Geld zu verwandeln. Er setzte auch die schon erwähnten Ephraimiten in Umlauf. Statt 12,5 Taler aus der feinen Mark Silber zu knapp 233 Gramm zu gewinnen, ließ der König von Preußen 19 und am Ende sogar 33 Taler schlagen.


Da die Münzen mit 1755, 1757 und 1761 falsch datiert und auf chemischem Weg mit einem feinen Silberüberzug versehen wurden, erweckten sie zunächst Vertrauen, doch blieb der Betrug nicht unentdeckt, wie Walter Fellmann in seiner Biografie „Heinrich Graf Brühl – Ein Lebens- und Zeitbild" schreibt (Verlag Köhler & Amelang, Leipzig 1989) schreibt. Nach dem Krieg wurden fast 5000 Zentner schlechte Münzen eingeschmolzen. Aus der Masse hat man dann so genannte Friedensmünzen produziert.

Der sächsische Taler  und der Dukat (beide von 1757)  würden glatt als authentische Prägungen des Kurfürsten Friedrich August II. durchgehen, gäbe es unter dem sächsisch-polnischen Wappen nicht das Monogramm FR, mit dem sie Geldstücke ihre preußische Herkunft preisgeben.


Im Frieden von Hubertusburg der am 15. Februar 1763 unterzeichnet wurde, hat man festgelegt, dass binnen eines Monats alle besetzten Gebiete zu räumen sind und kein Staat Anspruch auf Entschädigungen durch den anderen hat. Sachsen war hoch verschuldet. Finanzfachleute rechneten mit Verpflichtungen in Höhe von 45 Millionen Taler. Sie glaubten zu wissen, dass dieser Schuldenberg erst in 40 Jahren abgetragen ist. Die Kriegskosten beliefen sich allein für Sachsen auf bis zu 300 Millionen Taler, hinzu muss man noch gigantische Produktionsausfälle, Gebäudeschäden, Zerstörungen bei Plünderungen und Diebstähle rechnen. Die Preußen nahmen aus dem besetzten Sachsen alles mit, was mitzunehmen war. Allein das aus dem Dresdner Lagerhaus für die Tafel des Königs von Preußen geraubte Porzellan dürfte einen Wert von einer Million Taler repräsentiert haben.


Besonders vom Krieg betroffen war Dresden, das nicht nur von den preußischen Truppen ausgeraubt, sondern auch bombardiert wurde, wobei wobei zahlreiche Häuser und auch fünf Kirchen in Schutt und Asche gelegt wurden. Da im Großen Garten, in dem die Preußen ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatten, wertvolle Antiken vergraben waren, blieben sie verschont. Insgesamt büßte Dresden bei drei Belagerungen und weiteren militärischen Aktionen etwa 800 Häuser ein. Damit hatte „Elbflorenz“ die Hälfte seiner Bebauung verloren. Großes Leid fügten die preußischen Einquartierungen den Bewohnern zu. Sie mussten nicht nur ihre Betten räumen, sondern auch für Holz zur Heizung und Lebensmittel sorgen.


Sachsen erholte sich nach dem Siebenjährigen Krieg mit großer Anstrengung von den Folgen der Besetzung. Unter dem jungen Kurfürsten Friedrich August III., ab 1806 König August I., begann eine anstrengende Zeit des Wiederaufbaus. Wie sehr die Schuldenlast drückte, zeigte sich daran, dass der Kurfürst das eigene Tafelsilber und Schätze aus dem Grünen Gewölbe für die Herstellung neuer Münzen einsetzte. Den Münzen und Medaillen aus dieser Zeit sieht man nicht an, unter welchen prekären Bedingungen sie gefertigt wurden. Es lohnt immer wieder, darauf aufmerksam zu machen, denn Münzen und Medaillen zeigen oft mehr als das, was man auf ihnen erkennt.


Text und Fotos/Repros: Helmut Caspar

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