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Mit Kurschwert und Klappmütze: Vor über 500 Jahren präsentierte sich Sachsen auf neuartigen Silbermünzen

Eine der beliebtesten sächsischen Silbermünzen, der so genannte Klappmützentaler, wurde anno 1500 aus der Taufe gehoben. Grundlage war die von Kurfürst Friedrich dem Weisen sowie seinem Bruder Herzog Johann im Einvernehmen mit dem in Dresden residierenden Herzog Georg beschlossene Leipziger Münzordnung. Sie legte fest, dass es neben dem Goldgulden künftig auch Guldengroschen aus Silber geben soll. Zu diesen ungewöhnlich großen Geldstücken kamen Halbstücke sowie kleine Werte vom Schreckenberger Groschen (1/7 Taler) bis hinab zum halben Groschen (1/42 Taler).


Blick in eine sächsische Münzwerkstatt. Holzschnitt von der „Muntz Ordenung“ aus dem Jahr 1534.


Versehen mit dem Porträt des Kurfürsten mit Kurhut, Hermelinmantel und Kurschwert, zeigt die rund 29 Gramm schwere Münze auf der Rückseite die Porträts der Herzöge Albrecht und Johann. Da sie eine mit Ohrenklappen versehene Kopfbedeckung trugen, erhielten sie den volkstümlichen Namen Klappmützentaler. Die Startauflage des ersten besonders sorgfältig geschnittenen und in Annaberg geprägten Prototyps ist sehr selten. Später war man mit der Gravur weniger sorgfältig, denn die Geldstücke wurden zur Massenmünze. Mit ihnen ließ sich das im Erzgebirge geförderte Silber profitabel vermarkten.


Die Klappmützentaler werden auf der Rückseite nur als „Neue silberne Münze der Herzöge von Sachsen“ bezeichnet, hatten also noch keinen spezifischen Namen.


Insgesamt haben Christian A. Kohl und Udo Becker in ihrem Buch „ Sächsische Guldengroschen 1500-1525. Variantenkatalog der Klappmützentaler“ (hrsg. Freiberger Münzfreunde e. V., Freiberg 2020, 360 Seiten, zahlreiche Abb., 49,90 Euro zuzüglich 7 Euro Versandkosten) mehr als 300 Varianten aus den Münzstätten Leipzig, Frohnau, Annaberg und Buchholz festgestellt. Doch halten die Verfasser es für möglich, dass weitere Forschungen bisher unbekannte Versionen zutage fördern könnten. In seiner „Sächsischen Münzkunde“ (Berlin 1974) war Walther Haupt noch von 280 verschiedenen Prägestempeln ausgegangen. Dass von den in 24 Typen untergliederten Klappmützentalern so viele Abweichungen meist in den Umschriften vorkommen, deutet auf die massenhafte Verprägung des erzgebirgischen Silbers, die wegen der schnellen Abnutzung der Prägestempel immer wieder nach neuen Werkzeugen verlangte.


Bei der Ausprägung seiner neuen Guldengroschen orientierte sich Sachsens Kurfürst Friedrich der Weise an Tiroler und süddeutschen Vorbildern. Alsbald nannte man die großen Silbermünzen Taler nach den massenhaft in der böhmischen Bergstadt St. Joachimsthal geprägten Joachimsthalern.


Die Autoren des Variantenkatalogs haben die für die Umschriften benutzten Buchstabenpunzen und Punkte sowie die Zeichen der Münzmeister genau unter die Lupe genommen und abgebildet. Das versetzt Sammler, Händler, Museologen und andere Interessenten in die Lage, ihre Stücke einer bestimmten Münzstätte und einem Münzmeister zuzuordnen und manchmal auch die Herstellungszeit einzugrenzen. Da in vergangenen Jahrhunderten Münzen in großen Mengen eingeschmolzen wurden, blieb nur ein Bruchteil von den Klappmützentaler erhalten. Immer wieder vom Münzhandel angeboten, sind sie, von seltenen und besonders gut erhaltenen Exemplaren abgesehen, zu moderaten Preise erhältlich.


Beliebt waren die Schreckenberger Groschen als Geld des „kleinen Mannes“. Von der hochwertigen Silbermünze, die man nach den als Wappenhalter fungierenden Engel auch Engelgroschen nannte, gingen sieben Stück auf einen Guldengroschen oder, wie man volkstümlich sagte, Klappmützentaler. Im Laufe der Zeit sanken Silbergehalt und damit auch der Wert der Groschen, denen man in der Barockzeit „Groschenkabinette“ genannte Kataloge widmete.


Wer sich für sächsische Münzen interessiert und/oder sie sammelt, ist im Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden an der richtigen Adresse. Die von Herzog Georg dem Bärtigen im frühen 16. Jahrhundert gegründete und danach von Mitgliedern des wettinischen Herrscherhauses systematisch erweiterte Sammlung ist in der zweiten Etage des Georgenbaus am Schlossplatz erhalten. Insgesamt besitzt das Kabinett etwa 300.000 Münzen, Medaillen, Geldscheine, Orden und Ehrenzeichen sowie Prägestempel, Münzgefäße und weitere Objekte.


Die vor einigen Jahren eröffnete Dauerausstellung zeigt einen Querschnitt der von der Antike bis zur Gegenwart reichenden Sammlung, hier mehrfache Dukaten ein kostbares Münzgefäß.


In der Barockzeit zählte die Sammlung zu den bedeutendsten dieser Art in Europa, und es gehört zu den Ruhmesblättern der sächsischen Kunst- und Kulturpolitik, dass das damals im Japanischen Palais untergebrachte Münzkabinett bereits 1786 öffentlich zugänglich gemacht wurde, als andere fürstliche Sammlungen noch dem gelehrten Publikum noch verschlossen waren. Das Dresdner Münzkabinett besitzt eine großartige Fachbibliothek mit Büchern von der Barockzeit bis in die Gegenwart, die Berufs- und Laienforschern offen steht. Bei Bedarf werden ihnen auch Teile der Sammlung zur Ansicht vorgelegt.


In der Bibliothek kann man in die Welt der numismatischen Literatur eintauchen und sehen, wie im 18. Jahrhundert Münzen und Medaillen in aufwändig gestalteten Katalogen publiziert wurden.


Text und Fotos/Repros: Caspar

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