Aus privaten Sammlungen: In Nürnberg zur Schau gestelltes Nashorn auf Medaillen gefeiert (1748)
- Helmut Caspar

- vor 11 Stunden
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Tiere aus fernen Ländern, die sich in unseren Zoologischen Gärten tummeln und nicht selten dort vor dem Aussterben bewahrt werden, waren vor einigen hundert Jahren eine Sensation. Um sie zu bestaunen, nahmen die Leute oft lange Wege in der Kutsche, auf dem Pferd oder zu Fuß in Kauf. In fürstlichen Menagerien lebten Löwen, Tiger, Giraffen, Kamele, Affen, Papageien und andere Exoten, und auch auf Jahrmärkten konnte man sie für einen kleinen Obolus bestaunen. Im Falle eines Nashorns, das in 1748 in Nürnberg gezeigt wurde, hat man sogar Medaillen als Andenken geprägt. Der Numismatiker Hubert Emmerig hat nicht weniger als 18 sehr ähnliche Ausgaben aus Silber und Zinn gezählt, was auf starke Nachfrage deutet.
In französischer Sprache wird auf dieser Medaille von 1748 vermerkt, dass das aus Asien stammend Rhinozeros in Stuttgart 5000 Pfund auf die Waage bringt, pro Tag 60 Pfund Heu und 20 Pfund Brot frisst und 14 Eimer Wasser trinkt.
Die hier vorgestellten Medaillen aus Zinn waren für minderbemittelte Käufer bestimmt. Bei genauem Hinschauen erkennt man auf den Arbeiten, die vom vielbeschäftigten Nürnberger Meister Peter Paul Werner mit P. P. Werner signiert sind, einen kleinen, aus Kupfer gebildeten roten Fleck. Er ist ein Zeichen dafür, dass ein so genannter Kupferstift vor dem Prägen eingesetzt wurde. Damit wurde gezeigt, dass die Medaillen nicht aus Silber, sondern aus dem billigeren Kupfer bestehen. Derartige Stücke gehören in das beliebte Sammel- und Forschungsgebiet „Tiere auf Münzen und Medaillen“, dessen früheste Belegstücke bis weit in die Antike zurück reichen.
In ihrem Buch Medaillen und Schaumünzen auf Ereignisse in der Reichstadt Nürnberg 1521 bis 1806 (Verlag Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 2024) beschreiben Dieter Fischer und Hermann Maué auch die Rhinozeros- oder Nashornmedaillen, die vom Verleger Georg Nikolaus Riedner vertrieben wurden. Sie zeigen das Tier unter der strahlenden Sonne und einem Wolkenhimmel in einer Landschaft mit Palmen. Die achtzehnzeilige Inschrift auf der Rückseite der etwa talergroßen Medaille erklärt: „Wahre Abbildung eines lebendigen Rhinoceros, oder Nashorns, so im Jahr 1741, als es drey Jahre alt ware, mit dem Schiff Knabenhof aus Bengalen nach Holland überbracht worden. Es ist solches in Asia in dem Gebiet des großen Moguls. In der Landschaft Asem gefangen worden. Im Jahr 1748. Ist es in Stuttgart gewesen und befunden worden 5 Schuh 7 Zoll hoch. 12. Schuh lang und 12 Schuh dick. Und hat gewogen 5000 Pfund.“
Auf dem Seeweg von Indien nach Europa
Kapitän Douve Janzoon Mout van der Meer hatte das Nashorn von Jan Albert Sichtermann, dem Direktor der holländischen Ostindien-Kompanie für die Region Bengalen erhalten, der es 1738 als junges Tier geschenkt bekommen hatte und es in seinem Anwesen frei herumlaufen ließ, schreiben die Verfasser des Nürnberg-Katalogs. Nach zwei Jahren aber war Nashorn schon so groß, dass es erheblichen Schaden anrichtete. Sichtermann sah sich gezwungen, sich von ihm zu trennen. Der neue Besitzer van der Meer brach das Nashorn auf dem Wasserweg nach Europa und begann 1746 eine mehrjährigen Tour, die ihn nach Danzig, Krakau, Wien, Neapel, Marseille, Paris, Stuttgart, Nürnberg und viele andere Städte führte. Die Reise war umständlich, muss aber recht einträglich gewesen sein, sonst hätte sich der Kapitän und sein Nashorn nicht dieser Mühen unterzogen. Nashörner waren vor 300 Jahren nicht unbekannt, ihr Aussehen wurde auf Flugblättern verbreitet. Zwischen 1515 und 1799 kamen acht dieser Exoten, wie man sagte, nach Europa.

Dass Albrecht Dürer sein Panzernashorn als Holzschnitt verbreitete, hatte einen praktischen Grund, denn vom Holzstock konnte man mehr und schneller und billiger Abzüge herstellen.
Der Nürnberger Maler und Grafiker Albrecht Dürer hat ein solches Tier 1515 gezeichnet und als Holzschnitt verbreitet. Dürer hat es wohl nicht „nach dem Leben“ gezeichnet, denn es hat ihm Panzerplatten angedichtet, die den Eisenrüstungen von Rittern nicht unähnlich sind. Die Beschreibung betont, dass aus Indien stammende, wie ein Ritter gepanzerte Tier könne mit seinem starken Horn einen Elefanten am Bauch aufreißen. Es sei so gewappnet, dass ihm dieser „Todfeind“ nichts antun kann.
Beschwerliche Reisen auf holprigen Straßen
Der Besitzer des Nashorns ließ Werbemedaillen von dem viel beschäftigten und auf zahlreichen Nürnberger Prägungen vertretenen Peter Paul Werner herstellen, um sie als Erinnerungstücke zu verkaufen. Die Beschreibungen auf den Medaillenrückseiten sind in deutscher, französischer und italienischer Sprache abgefasst. Sie nennen als Stationen der Rundreise auch noch Ansbach, Nürnberg, Straßburg und Stuttgart.
Wenn solche Medaillen von Münzhandel angeboten werden, dann sind es zumeist Ausgaben aus Zinn, die silbernen Versionen scheinen selten zu sein.
Transportiert wurde das Nashorn in einem sicheren geschlossenen Wagen, der von zwölf Ochsen oder 20 Pferden gezogen wurde. Nach der Station in Augsburg konnte man das Nashorn 1748 in Nürnberg bestaunen. In Würzburg gab man ihm den Namen „Jungfer Clara“. Zehn Jahre später starb es bei seinem Aufenthalt in London. Dass die Reisen auf holprigen Straßen und die Präsentation vor einer gaffenden Menschenmenge für die Tiere puren Stress bedeuteten, war damals nicht der Rede wert. Heute ist artgerechte Haltung in Zoologischen Gärten obligatorisch, und wenn das im Zirkuswesen und bei Privatleuten nicht der Fall ist, läuten die Alarmglocken.
Helmut Caspar
Technische Angaben:
Herkunft: Nürnberg
Medailleur: Peter Paul Werner
Datierung: ohne Jahr (1748)
Material: Zinn mit Kupferstift
Größe: 40 mm
Gewicht: 20,7 g
Katalog: Dieter Fischer, Hermann Maué: Medaillen und Schaumünzen in der Reichsstadt Nürnberg 1521 bis 1806, Nürnberg 2024, Nrn. 277 und 278












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