• Helmut Caspar

Papstmünzen ohne Papst: Euro-Münzen des Vatikans tragen seit 2017 nur noch das Wappen des Kirchenobe


Die Mitgliedstaaten des Euro-Verbundes prägen ihre Cent- und Euromünzen in großen Auflagen, weshalb viele zum Nennwert zu haben sind und auch in unserem Alltag vorkommen. Hingegen sind die Auflagezahlen bei den Münzen des Vatikans sowie von Monaco und San Marino vergleichsweise gering. Das wirkt sich natürlich auf den Preis aus, und deshalb sind die Münzen dieser Miniaturstaaten die eigentlichen „Renner“ bei den seit nunmehr 15 Jahren ausgegebenen Geldstücken.

Der Vertrag von Maastricht (1992) eröffnete dem Vatikanstaat die Möglichkeit, Euromünzen aus Gold und Silber sowie aus unedlen Metallen zu prägen. Das garantierte dem mitten in Rom gelegenen, nur 0,44 km2 großen Kirchenstaat weiterhin eine wichtige Geldquelle. In Rom und im Vatikan wird man selbst ganz neue Prägungen der Päpste nur schwerlich in die Hand bekommen. Die Stückzahlen sind gering und sie werden, wenn man sie vor Ort ergattern sollte, gern als Andenken beiseite gelegt und nach Hause genommen. Das gilt sowohl für die aktuellen Kursmünzen als auch für die vielen Sonderausgaben in höheren Eurowerten zu he­rausragenden Ereignissen der katholischen Kirche.

Kennzeichen R

Der Vatikan nutzt auch beim Euro sein aus dem frühen Mittelalter stammendes Recht, eigene Prägungen auszugeben. Dargestellt werden auf ihnen die jeweils amtierenden Päps­te, die Umschrift um das Bildnis des Heiligen Vaters lautet CITTÀ DEL VATICANO. Die Münzen werden in der staatlichen italienischen Prägeanstalt in Rom geprägt und sind mit einem R gezeichnet, das auch bei den italienischen Geldstücken verwendet wird. Die Zahl der auf Euro und Cent lautenden Münzen des Vatikan ist Legion, und wer sich nur auf die mit Bildnissen, Gebäuden, biblischen Szenen, Heiligendarstellungen und anderen Motiven geschmückten Geldstücke aus der heutigen und aus früheren Zeiten konzentriert, wird manche Mühe haben und einiges Geld ausgeben müssen, alle zusammen zu bekommen.

nfang März wurde 2017 bekannt, dass Papst Franziskus auf sein Porträt auf den Euromünzen des Vatikans nun verzichtet. Diese Entscheidung des 2013 auf den Stuhl Petri erhobenen Kirchenoberhaupts hat eine längere Vorgeschichte. Seit einiger Zeit erscheint der Heilige Vater nicht mehr auf Medaillen, die anläss­lich seiner Auslandsreisen geprägt und an Gesprächsteilnehmer und andere Personen verteilt werden. An seinem Profil auf solchen Erinnerungstücken ist das Kirchen­oberhaupt nicht interessiert, das sich auf Franz von Assisi beruft, sich als Anwalt der Armen versteht und den Standpunkt vertritt, mit Prunk und Pomp verschaffe man sich keinen Eintritt ins Paradies.

Wappen bleibt Wappen

Der Bescheidenheit predigende und praktizierende Papst stellt nun auch die Umlaufmünzen des Vatikans um. Als vor einem Jahr sein Wille der auch für Briefmarken zuständigen Behörde im Kirchenstaat bekannt wurde, war es schon zu spät, die Prägung anzuhalten und Münzen mit neuem Design auszugeben. So war die letzte vatikanische Euro-Münze mit dem Papstbildnis ein goldener Wert zu 200 Euro mit der Jahreszahl 2016. Ihr wird ganz gewiss große Aufmerksamkeit und eine gewisse Wertsteigerung sicher sein.

Ab diesem Jahr schmückt also nicht mehr der Kopf, sondern nur noch das päpstliche Wappen die Euro-Münzen des Vatikans. Sammler werden sich an diese Umstellung, die mit dem Charakter des katholischen Kirchenoberhaupts zu tun hat, gewöhnen müssen. „Vatikan“ wird aber weiter ein weltweit begehrtes Sammelgebiet sein, auch wenn das Thema eine neue Wendung bekommen hat.

Die neuen Eurostücke von 2017 sind nicht die ersten Münzen aus dem Vatikan, die ohne das Bildnis des Pontifex Maximus auskommen. Schon Paul VI. ließ im Heiligen Jahr 1975 eine Vatikan-Münze in Umlauf bringen, auf der sein Porträt durch sein Wappen ersetzt ist. Auch lange davor ließen Päpste Münzen ohne ihr Bildnis herstellen. Nach Auffassung von Papst Franziskus steht sein Wappen genauso sehr wie sein Porträt für das von ihm ausgeübte Pontifikat. Grundsätzlich gilt: Jeder Papst hat sein persönliches Wappen, das seine Person und sein Lehramt identifiziert, vielleicht sogar besser als ein Porträt es tun könnte. Denn ein Porträt kann dem Papst ähnlich sein oder nicht, aber sein Wappen ist und bleibt sein Wappen mit von ihm bestimmten Bildern und Symbolen.

Auf zahlreichen historischen Münzen sind die Päpste nur mit ihrem Namen und Wappen präsent, hier Pius VI. auf einem goldenen Zehn-Zechinen-Stück aus dem Jahr 1787.

Wenn wir in die Vergangenheit blicken, dann lernen wir zahlreiche mehr oder weniger prunkvoll und spektakulär gestaltete Münzen und Medaillen mit den Bildnissen und Wappen des jeweils herrschenden Heiligen Vaters kennen. Die Anfänge der Serie waren mit flachen Silberdenaren von Papst Hadrian I., der von 772 bis 795 regierte und ein Zeitgenosse von Kaiser Karl dem Großen war, bescheiden. Auf den Silberstücken kann man nur Schriftzeichen erkennen, erst später kamen Bildnisse, Wappen und Symbole hinzu.

Jahresangaben nach dem Pontifikat

Höhepunkte in der numismatischen Geschichte der Päpste sind die prächtigen Gepräge aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, auf denen die ja immer heiß umstrittenen und häufig in politische und militärische Bedrängnis geratenen Nachfolger Petri ihre Macht und ihre Ansprüche mit Bildnissen, Wappen und religiösen Darstellungen demonstrierten. In das Gebiet fallen auch die Papstsiegel, meist aus Blei. In ihrer schlichten, über die Jahrhunderte unveränderten Gestalt stets mit den Köpfen der Apostel Petrus und Paulus unterstreichen diese Tradition und Kontinuität des Papsttums.

Päpstliche Münzen und Medaillen trugen lange Zeit keine Jahreszahlen, aber die Angaben über die Dauer der Pontifikate legt die Entstehungszeit dieser bei Sammlern heiß begehrten Gepräge offen. Da nicht jedem bekannt war, wann ein Pontifikat begonnen hat, wurden sicherheitshalber auf neueren Stücken sowohl das betreffende Jahr der päpstlichen Regentschaft als auch das aktuelle Jahr nach Christi Geburt angegeben. In Veröffentlichungen über die Inhaber des Stuhls Petri kann man die Zeit ermitteln, wann die Päpste amtiert haben. Die Identifizierung der römischen Ziffern dürfte keine Schwierigkeiten bereiten. Jeder kennt die I, V, X, L, C, D und M, also die 1, 5, 10, 50, 100, 500 und 1000, die sich mühelos zusammen zählen lassen.

Die wechselvolle Geschichte des Kirchenstaates, aber auch die Sedisvakanzen zwischen dem Tod eines Papstes und der Wahl eines neuen Pontifex Maximus kommen auf zahlreichen Münzen zum Ausdruck.

Auch Siegel wie diese Bleibulle von Leo X. aus dem frühen 16. Jahrhundert sind interessante Sammelgegenstände. Wer sie zu den Papstmünzen legen kann, darf sich glücklich schätzen. (Fotos/Repros außer 2: Caspar)

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