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Zu schön, um echt zu sein: Manchen Fälschern ging die Fantasie durch

Seit es Münzen gibt, werden sie auch gefälscht, und seit sie gesammelt werden, versuchen Betrüger mehr oder weniger erfolgreich, seltene Stücke nachzuahmen und auf den Markt zu werfen. Wer Münzen und Medaillen sammelt, steht dann und wann vor der Frage, was echt und was falsch ist. Einer, der sich mit der Nachahmung römischer Kaisermünzen schon im 16. Jahrhundert hervor tat, war der in Padua tätigen Stempelschneider Antonio Cavino. Der Herkunftsort gab seinen Arbeiten den Namen Paduaner.



Großen Unfug richtete der hannoversche Kupferstecher und Münzfälscher Nikolaus Seeländer mit seinen Machwerken an. Etwa 300 falsche Brakteaten gehen auf sein Konto. Seeländer publizierte die mittelalterlichen Blechmünzen in einem Buch, das 1743 in Hannover erschien, und wurde etwa ein Jahrhundert später als numismatischer Hochstapler entlarvt.


Aus Silber oder Bronze bestehend, waren die Nachbildungen schon in ihrer Zeit begehrt. Von dem Gelehrten Antonio Bassiano beraten, mühte sich Cavino nicht wie Fälscher späterer Zeit, seinen Arbeiten den Anschein zu verleihen, als seien sie echt und alt. Dazu waren sie zu schön und zu perfekt geprägt oder gegossen. Es kommen auffällige Abweichungen bei den Metallen vor, so die Verwendung von Silber statt Bronze, und auch bei den Inschriften mühte sich der Meister nicht, sie ganz und gar den Originalen anzugleichen.



Die Taler aus Kurbrandenburg und Ostfriesland existieren nur als geprägtes Fantasiegebilde aus dem 18. Jahrhundert beziehungsweise als Abbildung in einem alten Münzbuch.


Viele Fantasiemünzen wurden zur Täuschung der Sammler, aber auch aus politischen Gründen angefertigt. Wer an ihnen Gefallen hat, findet im Bereich der französischen Probe- und Sonderprägungen ein weites Betätigungsfeld. Eine Flut von Probemünzen aller Art ergoss sich auf die Franzosen im 19. Jahrhundert, etwa als Bonapartisten nicht genehmigte Münzen mit dem Bildnis Napoleons II., des niemals auf den Thron gelangten Sohns von Napoleon I., herstellten und damit für die Ablösung der 1814/15 wieder an die Macht gelangten Bourbonen warben. Nach dem Sturz von Kaiser Napoleon III. wurde Frankreich am 4. September 1870 erneut Republik, gleich nach der Niederlage seiner Armee in der Schlacht von Sedan. Daraufhin änderte man die Münzbilder und gab parallel zu den offiziellen Geldstücken auch solche mit abweichenden Marianne-Köpfen und anderen Motiven heraus. Monarchisten warben mit Probeprägungen für Thronprätendenten aus den ehemaligen Herrscherfamilien Bourbon und Bonaparte sowie für machtbewusste Politiker und Militärs, von denen die Wiederherstellung von Frankreichs altem Glanz und Gloria erwartet wurden.


Zwei von französischen Bonapartisten favorisierte Thronprätendenten sind auf Silbermünzen zu fünf Francs von 1816 und 1874 abgebildet, die als Essai (Versuch) ausgewiesen sind. Dargestellt sind Napoleon II., der kleine Sohn von Napoleon I., sowie und Napoleon IV., der im englischen Exil lebende Sohn des 1870 entmachteten Kaisers Napoleon III.


Dafür gibt es weitere Beispiele aus Frankreich. Der Enkel des 1830 abgedankten Königs Karl X. von Frankreich, wurde 1830 von französischen Monarchisten als Henri V. zum König ausgerufen. Der Elfjährige hatte keine Chance, den französischen Thron zu besteigen. Dennoch wurde ihm ein Fünf-Francs-Stück gewidmet, das mit seinem Porträt und dem Lilienwappen geschmückt ist. Maurice, Graf von Mac-Mahon und Herzog von Magenta, war Marschall der Dritten Republik und von 1873 bis 1879 auch ihr Präsident . Der Versuch von Anhängern der Bourbonen, unter seinem Schutz die Monarchie wiederherzustellen, blieb erfolglos. Die Münze von 1874 mit seinem Kopf und einem Fantasiewappen ist ein Kuriosum, denn sie ist zwar mit REPUBLIQUE FRANÇAISE ausgewiesen, zeigt aber alle Merkmale einer königlichen, zudem von der katholischen Kirche beschützten Prägung.



Zu den Fantansy-Crowns gehören die Ausgabe von 1798 mit der am Meer sitzen den Britannia und das Silberstück von 1835 mit dem Kopf von König Georg IV. und drei Grazien, die das Motto „Zier und Schutz“ versinnbildlichen.


Gefälschte Münzen und Medaillen und Fantasieprägungen leisten als Vergleichsstücke für Originale gute Dienste. In der numismatischen Literatur werden sie erwähnt. Ab und zu bietet der Münzhandel englische Prägungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert an, die  e n t f e r n t  an originale Silbercrowns erinnern. In Forrers „Biographical Dictionary of Medallists“ (Band VI, S. 41f.) finden wir den Hinweis auf den englischen Münzgraveur und Münzhändler William Joseph Taylor, der 1850 den Nachlass von Matthew Boulton, dem Besitzer der Soho Mint, erwarb. Darunter befanden sich originale Prägewerkzeuge von Münzen und Medaillen aus der Zeit  von 1797 bis 1843. Taylor bearbeitete die Stempel und brachte so genannte Retro-Prägungen heraus. Nach seinem Tod im Jahr 1885 ging die Firma an seine Söhne, die auch die Werkzeuge 1908 weiter verkauften.

Das Vier-Dukaten-Stück von 1905 ist ein übles Fantasieprodukt. Bildnis und Titel von Zar Alexander II. passen nicht zur Jahreszahl, denn in dieser Zeit war Nikolaus II. an der Macht.


Die fantasievoll gestalteten Münzen mit dem Brustbild von König Georg III. sollen zwischen 1862 und 1880 hergestellt worden sein. Schaut man sie genauer an, dann kann man unschwer Unterschiede zu den Originalen feststellen. Da der Münzhandel sie als Nachbildungen ausweist, richten sie keinen Schaden an. Das gilt auch für russische Fantasiemünzen, ebenso für Prägungen mit dem Kopf des deutschen Diktators Adolf Hitler, die nach dem Ende des NS-Regimes und des Zweiten Weltkrieges hergestellt wurden und wie unzählige Nazi-Devotionalien ihre Käufer in der Bundesrepublik fanden und wohl auch heute finden.



An dem nach einem bekannten Rebellenführer des 18. Jahrhunderts benannten so genannten Pugatschow-Rubel mit der Jahreszahl 1771 stimmt ebenfalls nichts. Die Uniform und Achselklappen verweisen auf das 19. Jahrhundert.



Russland-Sammler kennen und schätzen die Novodely wie den Rubel aus der Zeit vor Peter dem Großen und das Fünf-Kopeken-Stück von 1757, die ab und zu auch in Auktionen angeboten werden.


Wenn russische Münzen angeboten werden, ist da und dort zu entscheiden, ob es sich um ein Original etwa des 18. Jahrhunderts oder eine Anfertigung für gut betuchte Sammler aus dem 19. Jahrhundert oder ein ganz neues Produkt handelt. Aufgrund guter Beziehungen zum Hof des Zaren und zur Münzverwaltung versorgten sich Sammler mit nachgeprägten, manchmal auch fantasievoll neu erfundenen Münzen. Dazu wurden alte beziehungsweise neu geschnittene Stempel verwendet.  Die Nachprägungen sind als Novodely (etwa: die „Neugemachten“) bekannt. Der Brauch, alte Münzen neu herauszubringen, geht auf den Zaren Peter III. zurück, der 1761 zumindest mit Duldung seiner Gemahlin Katharina II., einer aus dem winzigen deutschen Fürstentum Anhalt-Zerbst stammenden Prinzessin, umgebracht wurde. In Peters III. Ukas 170 von 1762 bestimmte der Kaiser: „Jede Privatperson ist berechtigt, beim St. Petersburger Münzhof nicht nur eine beliebige Anzahl aus dem Verkehr gezogener Münzen, sondern ganze Sammlungen von Münzen aus den verflossenen Jahren, die bereits aus dem Verkehr gezogen sind, zu bestellen.“ Wo keine alten Stempel vorhanden waren, durften neue nach alten Vorbildern geschnitten und verwendet werden, und wo diese nicht existierten, hat man seine Fantasie spielen lassen. Manche Novodely werden wegen ihrer besonderen Entstehungsgeschichte sehr hoch bezahlt.


Fotos/Repros: Caspar

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