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Zu Gast im Zürcher MoneyMuseum: Gespräch mit Dr. Jürg R. Conzett

Im Internet war ich immer wieder auf das MoneyMuseum gestoßen, das auf seiner Website zahlreiche Publikationen zur Geschichte des Geldes eingestellt hatte: "Das MoneyMuseum ist ein Ort des Dialogs und intensiven, begleiteten Austauschs. Hier können sich Interessierte über die kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergründe, Zusammenhänge und Veränderungen von Geld informieren und über dessen Einfluss auf ihr persönliches Leben austauschen." Was diese wenig konkrete Umschreibung im Einzelnen bedeutet, erschloss sich mir jedoch nicht. Ich meldete mich für eine Führung bei Ursula Kohler vom MoneyMuseum an. Sie erklärte mir, dass der Museumsgründer Dr. Jürg Conzett eine private Münzsammlung mit dem Schwerpunkt "Leitwährungen" aufgebaut habe.


Versteckter Zugang


Im Frühjahr 1999 gründete er die Sunflower Foundation und ging mit einem der ersten Museen für Geld- und Währungsgeschichte online. Im März 2002 erwarb die Foundation an der Hadlaubstrasse in Zürich eigenen Ausstellungsräume für das MoneyMuseum, das ein Jahr später am gleichen Ort eröffnet wurde. Im Jahr 2003 wurde Dr. Conzett wird für seine Verdienste zugunsten der Numismatik mit dem Otto-Paul-Wenger-Preis ausgezeichnet, den der Verband Schweizerischer Münzenhändler verleiht. Fünf Jahre später lag der thematischer Schwerpunkt der umfangreichen Hauptausstellung auf der jüngeren Schweizer Geldgeschichte. Daneben waren neue Prägemaschinen und im Eingangsbereich chinesische Geldformen sowie traditionelle Zahlungsmittel ausgestellt. Die Sonderausstellung Highlights aus der Sammlung MoneyMuseum im kleinen Raum präsentierte besonders schöne Münzen aus antiker Zeit und führte durch die neuere Geldgeschichte ausgesuchter europäischer Länder.


Ursula Kohler mit Schauobjekten

aus der Münzsammlung


Mein aktueller Rundgang mit Ursula Kohler zeigte ein ganz anderes Konzept. Im Erdgeschoss erläuterte Kohler mir einige vormünzliche Zahlungsmittel, die in einer Vitrine ausgestellt sind. Im hallenartigen Untergeschoss, das 2017/18 von der Architektin Till Theus renoviert wurde, befindet sich nun eine Bibliothek mit Veranstaltungsflächen. Von der einstigen Ausstellung ist nur noch der "kleine Raum" geblieben. Ursula Kohler zeigte mir mehrere historische Bücher, die aus der Anfangszeit des Buchdrucks stammen, und die Manesse-Bibliothek der Weltliteratur. Sie erläuterte, dass Dr. Jürg Conzett seine numismatische Sammlung von Münzen mit bibliophilen Schätzen verbinde. Aus dem Internet erfuhr ich, dass Jürg Conzett seine Münzsammlung zum Teil verkauft hat, um andere Projekte zu finanzieren. Schon seit längerer Zeit gehe es ihm nicht mehr vordergründig um Münzen, sondern um Geldgeschichte insgesamt, insbesondere die Zukunft des Geldes betreffend. Ein Museum als Diskussionsforum: "Es ist alles in Veränderung, alles im Fluss". Auf der Veranstaltungsfläche des Museums, aber auch im Internet, soll nun diskutiert werden. Ich befragte Dr. Conzett zum Wandel des Konzeptes:



Münzen-Online: Wann haben Sie damit begonnen, eine Münzsammlung zusammenzutragen?


Jürg Conzett: Als ich sieben Jahre alt war, hat ein Freund der Familie mir seine Sammlung von Zürcher Talern geschenkt. Vielleicht studierst du mal Geschichte, sagte er zu mir. Das war der Anfang. Meine Eltern arbeiteten damals für UNICEF und sind viel gereist. Von diesen Reisen brachten sie mir Münzen aus vielen verschiedenen Ländern mit.


Münzen-Online: Was haben Sie gemacht, als Sie erwachsen wurden?


Jürg Conzett: Als Jugendlicher wusste ich nicht, welchen Beruf ich ergreifen sollte. Mein Vater sagt, zuerst gehst du in die Schule und machst eine Matura. Dann kommt das Militär, wo du Offizier wirst. Es folgt ein Abschluss an der Universität. Damit kannst du nach Amerika gehen. Er hat gesagt, ich finanziere dir alles. Das war sehr großzügig, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Tatsächlich habe ich dann Geschichte studiert, in Stanford zwei Jahre Betriebswirtschaftslehre angeschlossen. Ich blieb zunächst dort. Die First National City Bank of New York suchte einen Analysten. Nach einigen Jahren wechselte ich nach Tokio. Erst siebe Jahren später bin ich mit meiner Frau in die Schweiz zurückgekehrt und wurde Anlageberater.


Münzen-Online: Haben Sie sich in dieser Zeit weiterhin mit ihrer Münzsammlung beschäftigt?


Jürg Conzett: Einbrecher hatten meine erste Sammlung gestohlen. So habe ich mir während des Studiums und danach im Ausland kaum noch Gedanken über Münzen gemacht. Als ich zurück nach Zürich kam, entstand jedoch der Wunsch, das Hobby wiederzubeleben, diesmal auf professionellem Niveau. Ich fragte eine frühere Kommilitonin, ob sie mit mir eine Münzensammlung aufbauen würde. Als Thema hatte mir Leitwährungen ausgesucht, also Dollar, Pfund, Franc. Das haben wir dann sehr lange gemacht: Publikationen, Ausstellungen, Referate.


Münzen-Online: So entstand das MoneyMuseum. Was war Ihre Idee dabei?


Jürg Conzett: Die Idee hat sich gewandelt. In den neunziger Jahren ist das Internet aufgekommen. Zum ersten Mal war es möglich, das Wissen über Münzen und die zugehörigen Bilder einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das war die Idee. Für die Umsetzung haben wir verschiedene Leute kontaktiert, in Norwegen, Russland und Deutschland. Mit den Berlinern haben das digitale MoneyMuseums dann im Jahr 1999 online gestellt. Ich wollte also nicht nur den stationäres Ausstellungsbetrieb hier haben. Das ganze Wissen über Münzen sollte auch ins Netz kommen, nicht nur Münzbilder, auch die zugehörigen Texte.


Münzen-Online: Das Konzept des Museums hat sich verändert. Warum?


Jürg Conzett: Das Konzert der Ausstellung hatte sich überlebt. Wir hatten alles einmal ausprobiert. Dann waren wir am Ende. Sollen wir nun wieder anfangen und den ganzen Zyklus erneut abspulen? Entweder wir schließen das Museum oder wir machen etwas anderes, haben eine neue Idee! Da habe ich eine Architektin gefunden, die gut zugehören konnte und meine Anliegen umsetzen. Ich bin mit Büchern aufgewachsen, insbesondere der Manesse-Bibliothek. Sie waren alle im Keller. Wo kann ich die aufstellen? Daraus ist dieser Raum mit einer umlaufenden Täfelung aus Holz entstanden. So ist aus dem Museum eine Bücherei und Bibliothek geworden. Auf die Fragen, die wir uns stellen, können die Bücher helfen, Antworten zu geben.


Münzen-Online: Spielen Münzen in diesem Kosmos überhaupt noch eine Rolle?


Jürg Conzett: Für mich waren die Münzen ein Fenster in die Vergangenheit. Wenn man Geschichte studiert hat, lernt man, dass die Schlacht bei Sembach im Jahr 1386 stattfand. Das ist so drin, aber es nützt eigentlich nichts, wenn ich die Jahreszahl weiß. Münzen sind da anders. Die kann ich nebeneinander aufreihen, damit entsteht ein Bild von Geschichte. Die Münzen sind ein Mittel, ums die Vergangenheit plastisch werden zu lassen. Dieses Mittel steht für mich heute aber nicht mehr im Zentrum des Interesses. Heute stelle ich mir andere Fragen, solche zur Zukunft. Über die möchte ich mit den Besuchern des Museums in einen Austausch kommen, mit einem Referat oder einer Diskussion. Es sind ja meistens Dialoge, die weiterbringen.


Ursula Kohler in der Bibliothek

Bibliophile Schatzkammer

Veranstaltungs- und Diskussionsbereich


Zur weiteren Beschäftigung mit dem Anliegen des Museums empfahl mir Ursula Kohler die Schriften von Dr. Conzett. In Das Geld von Aristoteles bis Bitcoin (MoneyMuseum 2022) schreibt Conzett im Vorwort: "Ich habe schon einige Hundert Bücher über Geld gelesen. Manchmal ist dies schön verwirrend. Eine Geldtheorie wird da dringend benötigt. (...) Unter den vielen Geldbüchern mit ihren Details gibt es meiner Meinung nach ein Werk, dem die Gesamtschau über Geld gelungen ist. Es liest sich wie Prosa, das heißt, es ist leicht lesbar, verlangt aber zum Verständnis das Fallenlassen von Vorurteilen." Das Buch, das Conzett empfiehlt, heißt Das Geld von Eske Bockelmann (Berlin 2020). Ursula Kohler übergab mir ein Exemplar. Auf dem Rückweg las ich darin. Die Krise, insbesondere die Klimaerwärmung, zeige die Grenzen des Geldes: "Einige wenige Leute versuchen sich deshalb bereits an einem Leben jenseits des Geldes . Sehr viel stärker jedoch ist die entgegengesetzte Reaktion, nicht die intensive Suche danach, wie das Geld zu überwinden, sondern danach, wie das Geld zu retten und zu bewahren wäre. (...) Diese Welt, diese schöne Welt - nur ohne Geld kann sie überleben." Das Credo des Buches erinnert an das gescheiterte Experiment der Kommunisten, von dem ich schon als Kind in der DDR hörte, nämlich ohne Geld auszukommen, stattdessen alle Konsumartikel nach Bedürfnissen zu verteilen.


Numismatische Ausstellungsfläche


Deshalb fällt es mir auch schwer, der Logik von Dr. Jürg Conzett zu folgen, der sagt, dass sich immer mehr Menschen ein Leben ohne Geld wünschen: "Die Auswirkung auf die Psyche dieser Menschen erstaunt mich immer wieder - sie fühlen sich plötzlich frei und unbeschwert." Das Experiment der Kommunisten, die den Menschen ein Leben für die Gesellschaft aufzwingen wollten, ganz ohne Geld, ist kläglich gescheitert. Warum sollte es unter ökologischen Vorzeichen besser klappen?


Text und Fotos: Dietmar Kreutzer

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