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Sonderausstellung im Schweizer Finanzmuseum: KUNST MACHT GELD

Hier ist die Welt der Finanzen zu Hause. Das Schweizer Finanzmuseum in Zürich-West bietet eine multimediale Dauerausstellung, die nicht nur die Ursprünge des Wirtschaftssystems, sondern auch die große Bedeutung des Finanzmarkts illustriert. Die aktuelle Sonderausstellung KUNST MACHT GELD beleuchtet den Kunstmarkt, in dem beträchtliche Summen bewegt werden. Denn Kunst macht Geld, ob zur Anlage, in Sammlungen oder als Museumsstücke. Kunst hat nämlich nicht nur einen immateriellen Wert, sondern längst auch einen materiellen. Für den Erwerb werden mitunter immense Summen bewegt. Im Jahr 2024 betrug das globale Verkaufsvolumen mehr als 64 Milliarden Dollar. Das teuerste je versteigerte Kunstwerk, mutmaßlich von Leonardo da Vinci, erzielte 2017 einen Preis von 450,3 Millionen Dollar. Parallelen zum Auktionsgeschäft im Münzmarkt drängen sich auf, in dem auf internationalen Auktionen oft ebenfalls Gebote in Millionenhöhe abgegeben werden.


Auftakt der Dauerausstellung zur Finanzgeschichte

Foto: Dietmar Kreutzer


Die Ursprünge des Kunstmarktes liegen in der Antike. Bereits um 1500 v.Chr. handelten ägyptische und griechische Händler mit Götterbildern und anderen Kunstgegenständen. Im Mittelalter stand die Kunst im Dienst von Adel und Kirche. Mit der Renaissance kamen Galerien und Kunsthandlungen auf, ab dem 18. Jahrhundert entstanden die Auktionshäuser - damit wurde der moderne Kunstmarkt begründet. Seit der Jahrtausendwende gibt es vielfältige Möglichkeiten, in Kunst zu investieren. Neben dem Direktverkauf von Kunstschaffenden oder über Galerien und Auktionen gibt es auch Investmentfonds, die in verschiedene Kunstwerke investieren und so Risiken streuen. Der Kunstmarkt ist nicht immun gegen Schwankungen und Krisen, aber er reagiert oft anders als die Finanzmärkte. Sowohl nach dem Börsencrash am Schwarzen Freitag vom 19. Oktober 1987 wie auch nach der durch Lehman Brothers ausgelösten Finanzkrise 2008 war eine Flucht in die Kunst erkennbar.


Bildquelle: Youtube, daris big shabo


Im Kunstmarkt wird zwischen zwei Arten von Sammelnden unterschieden. Private Personen sammeln zumeist aus Leidenschaft und persönlichem Interesse. Oft steht der Aufbau einer bleibenden und bedeutenden Sammlung oder die Förderung von aufstrebenden Kunstschaffenden im Vordergrund. Andere betrachten Kunst als Anlageklasse, die potenziell hohe Renditen bieten kann und sammeln aus finanziellen Beweggründen. Häufig kommt es zu Überschneidungen, da einige Sammler sowohl aus Leidenschaft als auch aus Investmentgründen Kunst kaufen. Seit der Jahrtausendwende wird Kunst zunehmend als Anlageklasse betrachtet. Investoren erwerben Kunst nicht primär wegen ihrer Ästhetik, sondern mit dem Ziel, dass ihr Wert im Laufe der Zeit steigt. Meistens sind diese Personen bereits mit großen Teilen ihres Vermögens in klassischen Anlagen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien investiert und erhoffen sich von der Kunst eine Diversifizierung dieses Portfolios.


Bildquelle: Youtube, Schweizer Finanzmuseum


Den stärksten Auftritt im Kunstmarkt haben die USA mit 42 Prozent aller Verkäufe weltweit, was etwa 27 Milliarden Dollar entspricht. Mit deutlichem Abstand folgen China, das Vereinigte Königreich und Frankreich. Die Anleger haben klassischen Sammler, die Kunst vordergründig aus persönlichem Vergnügen sammeln, aber nicht verdrängen können. Die Motivation zum Sammeln gilt immer noch der Kunst, dicht gefolgt allerdings von finanziellen Interessen. Eine Studie der Schweizer Großbank UBS sowie der Art Basel aus dem Jahr 2003 zeigt diese Rangfolge auf: Von 100 Personen sammeln 37 Personen aus intrinsischer Motivation und Freude an der Kunst. Es geht also darum, eine Tätigkeit um ihrer selbst willen auszuüben, weil sie Freude, Sinn oder Befriedigung bereitet. 28 Personen kaufen Kunst als Wertanlage. Vierzehn sammeln aus sozialen Gründen oder um Beziehungen zu pflegen, weitere 14 kaufen Kunst aus Leidenschaft. Vier Personen sammeln, um Traditionen zu erhalten und nur drei Personen aus wohltätigen Motiven den Kunstschaffenden gegenüber.


Ausstellungsfläche des Finanzmuseums

Bildquelle: Schweizer Finanzmuseum


In einem Video in der Ausstellung erläutert Simone Töllner, Chefredakteurin von finnews.art und Art Consulterin, welche Themen den Kunstmarkt der Zukunft verändern werden. Auffällig ist, dass der Kunstmarkt immer globaler wird, immer internationaler. Asien hat extrem an Bedeutung gewonnen. Im Jahr 2023 wurde China zum zweitgrößten Kunstmarkt. Die Palette an Künstlern und Sammlern wird immer breiter. Töllner umschreibt auch, was Kunst zur Wertanlage macht:


Kunst funktioniert unabhängig von traditionellen Finanzmärkten. Das bedeutet, dass in Krisenzeiten Kunstwerke oft nicht diesen starken Schwankungen unterliegen, je nach dem Wert des Kunstwerks. Kunstwerke dienen auch dazu, Portfolios zu diversifizieren und eben teilweise Risiken zu mindern. Ein gutes Beispiel hierfür, was ich immer erwähne, ist Picasso. Ein Werk von Picasso wird selten im Wert weniger, auch wenn der Markt schwankt. Ein anderer wichtiger Faktor sind die Herkunft und das Renommee eines Künstlers. Je seltener ein Kunstwerk ist, desto teurer ist es oftmals auf dem Markt. Und zu guter Letzt muss man davon ausgehen , dass auch der Kunstmarkt Spekulationen unterliegt. Das heißt, es wird auch auf dem Kunstmarkt spekuliert, nach Wertsteigerungen von Kunstwerke gesucht. Allerdings wäre meine Empfehlung, Kunst eher aus Leidenschaft zu kaufen und nur, wenn es ins Budget passt. Wenn es am Ende eine Wertsteigerung gibt, hat man doppelt gewonnen.


Die Ausstellung ist bis zum 11. Dezember 2026 im Schweizer Finanzmuseum in der Pfingstweidstr. 110 in Zürich-West zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr.


Dietmar Kreutzer



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