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Vom Europino zum Euro: Die Gemeinschaftswährung hätte auch anders heißen können

Vorläufer für den Euro gibt es schon aus den frühen fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, nur hieß er etwas anders, nämlich Europino. Sie entstand in einer Zeit, als in Westeuropa die Trommel für die wirtschaftliche und politische Vereinigung des Kontinents gerührt wurde, sofern er nicht unter kommunistischer Vorherrschaft stand. Berühmt wurde der Ausspruch des französischen Finanzexperten Jacques Rueff, der 1950 erklärte: „Europa entsteht über das Geld, oder es entsteht gar nicht“.


Der von einem Münzhändler in Hamburg als Medaille ohne Zahlungsfunktion geprägte Europino von 1952 war eine heute von Sammlern gut bezahlte numismatische Eintagsfliege.


Belgien setzte 1987 dem römisch-deutschen Kaiser Karl V. mit der ebenfalls nicht umlauffähigen Silbermünze zu fünf ECU ein interessantes numismatisches Denkmal.


Zwei Jahre später wurden versuchsweise in der Hamburger Münze Silberstücke zu „5 Europino“ in einer Auflage von nur eintausend Stück geprägt. Die Schrift um zwei Schwerter mit darum gewundenen Zweigen appelliert mit EUROPA FOEDERATA an die Einigung Europas. Das Bild will sagen, dass der Frieden den Krieg besiegt und die Waffen zum Schweigen gebracht hat. Die Europino-Münzen blieben Eintagsfliegen und stellen heute große numismatische Raritäten dar. Sollten sie im Münzhandel auftauchen, sind ihnen stattliche Preise sicher.


Talerförmige Silbermünzen nannte man in Frankreich Ecu. Um sie zu unterscheiden gab es noch Zusätze wie „aux trois couronnes“ (mit drei Kronen) oder „aux palmes“ (mit Palmenzweigen).


Der Vertrag von Maastricht (1992) sprach vom ECU als einheitliche Währung, benannt als Abkürzung für European Currency Unit (siehe Eintrag von Helmut Kahnt in der Rubrik Lexikon). Die Bezeichnung erinnert an talerförmige Silbermünzen der Barockzeit aus Frankreich, deren Name vom lateinischen scudatus = Schild abgeleitet wurde. Nicht durchgesetzt haben sich in den 1990er Jahren diskutierte Bezeichnungen wie Euronit, Euron, Etalon, Pax, Comar und eben auch Europino.


Frankreich widmete dem Philosophen, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes eine Münze zu 70 Ecus beziehungsweise 500 Francs.


Dass sich 1995 der Name Euro gegen Ecu oder Eurogulden durchsetzte, geht auf eine Initiative der Bundesrepublik Deutschland und ihres damaligen Finanzministers Theo Waigel zurück. Hingegen entstand das bekannte Eurozeichen € schon lange vor dem Euro. Bereits 1974 hatte der Grafiker Arthur Eisenmenger das E mit dem Doppelstrich in Anlehnung an den US-Dollar und den japanischen Yen entworfen, deren Abkürzungen auch durchgestrichen sind. Ob das Eurozeichen wirklich von Eisenmenger entworfen wurde, ist umstritten, denn die Europäische Kommission erklärt, es sei von einer vierköpfigen Designergruppe entwickelt worden. Fest steht, dass das €-Logo Ende 1996 zum verbindlichen Zeichen für die neue Gemeinschaftswährung erklärt wurde. Dies wurde damit begründet, dass es sich an den griechischen Buchstaben Epsilon anlehnt und damit auf die Wiege der europäischen Kultur im klassischen Griechenland weist. Die beiden parallel verlaufenden Striche seien als Symbole für die Stabilität der Währung zu verstehen.


Abgewandelt vom Schild (lat. scudatus) hieß der Taler in Italien Scudo. Der undatierte Scudo romano stammt aus dem Jahr 1849, als der Vatikanstaat für kurze Zeit eine Republik war.


Angesichts der Tatsache, dass die Einführung des Euro-Bargeldes im großen und ganzen gut verlaufen ist, mutet es kurios an, das sich deutsche Feuilletons in den frühen 2000er Jahren über die Aussprache und Schreibweise von Cent und Euro ereifert haben. Bei den Nominalen gibt es im Deutschen keine Unterschiede zwischen Singular und Plural. Man sagt also fünf Cent oder zehn Euro, so wie man auch zwei Mark oder 15 Pfennig, ein oder zehn Meter, ein oder hundert Kilogramm sagt. Doch kommt es manchmal vor, dass in der Umgangssprache an Euro und Cent schnell noch ein Plural-s angehängt wird.



Nicht durchgesetzt hat sich die Bezeichnung Krone für das goldene Zehn- und Doppelkrone für das Zwanzig-Mark-Stück, hier seltene Ausgaben von Sachsen Coburg und Gotha von 1886 und 1895 mit dem schmalen und dem auf Weisung von Kaiser Wilhelm II. verbreiterten Reichsadler.


Bleiben wir noch bei experimentellen Münznamen, die sich nicht durchsetzten. Im Jahr 1871, nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs, wurde eine Debatte darüber geführt, wie die deutsche Einheitswährung heißen soll. In damaligen Münzgesetzen ist einiges über die Namensgebung zu finden. Gulden und Kreuzer sollte es nicht mehr geben, weil man sie mit den alten, nach und nach ausgemusterten Geldstücken hätte verwechseln können. Deshalb wählte man die Begriffe Mark für den bisherigen Dritteltaler oder das 35-Kreuzer-Stück süddeutscher Prägung. Indem die nach dem alten Silbergeld norddeutscher Städte und Fürstentümer benannte Mark in 100 Pfennige geteilt wurde, bekannte sich der am 18. Januar 1871 in Versailles  ausgerufene Deutsche Reich zur Dezimalwährung. Abgelehnt wurde die Bezeichnung Groschen für das Zehnpfennigstück, weil er mit älteren, noch überall umlaufenden Kleinmünzen hätte verwechselt werden können. Dafür aber wurde eine neue Schreibweise für Mark und Pfennig verbindlich. So hat man aus 5 M. 3 Gr. und 8 Pf. den Beitrag 5,38 Mark gemacht, so wie wir heute Summen in Euro und Cent ausdrücken.


Text und Fotos: Caspar

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