Zwei-Euro-Gedenkmünzen: Von „Olympia 2004“ zur ausufernden „Wissenschaft“
- Dietmar Kreutzer

- vor 2 Stunden
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Im August 2025 teilte ein User auf numismatikforum.de mit, dass er seit kurzer Zeit die Zwei-Euro-Gedenkmünzen sammelt: "Ich habe gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, den Überblick über Seltenheit und Wert zu behalten. Ich habe verschiedene Kataloge und Online-Listen angeschaut, aber oft widersprechen sich die Angaben oder es ist schwer einzuschätzen, welche Münzen wirklich interessant sind." Der User wollte vor allem Tipps, wie er seine Sammlung sinnvoll erweitern kann. Er wolle nicht alles kaufen, was gerade verfügbar sei. Der Moderator des Forums, ein Mitarbeiter des Wiener Auktionshauses Dorotheum, antwortete ihm: "Was ich schon sehr sinnvoll finde, ist, dass Du nicht planlos alles kaufen willst, sondern Dir vorher schon Gedanken machst und einen für Dich selbst sinnvollen Auswahlprozess überlegst. Ob Du Dich für alle Sportausgaben entscheidest oder nur bestimmte Länder sammeln willst, nur technische Innovationen, Bauwerke oder Personen aus der Kulturszene, musst Du für Dich entscheiden. (...) Ich würde Dir den Tipp mitgeben, die Auswahl eher auf Themen oder Interessen bezogen zu setzen und nicht über die Auflagen und Marktpreise. Eine solche Sammlung wirst Du aus Freude aufbauen, nicht als Geldanlage. Dazu taugen nämlich die allermeisten Euro-Münzen nichts. Manche werden ihren Kaufpreis wieder einbringen, einige wenige sogar einen Gewinn, und sehr viele eher Verluste. Nur: Wie sich welche Münze entwickelt, sieht man immer erst hinterher."

Zwei-Euro-Umlaufmünzen (links: Dresdner Zwinger, Gedenkmünze, Deutschland, 2016)
Bildquelle: PxHere
Aktuell sind insgesamt etwa acht Millionen der Zwei-Euro-Münzen im Umlauf. Es gibt über 600 Motive aus mehr als 20 Ländern. Jede der bimetallischen Münzen wiegt 8,5 Gramm, der Durchmesser liegt bei 25,75 Millimeter. Der Rand ist geriffelt und trägt in jedem Land eine spezielle Inschrift. Auf den deutschen Münzen steht EINIGKEIT UND RECHT UND FREIHEIT. In Frankreich sind es Sterne und die Ziffer 2 als Kennzeichen für den Nennwert. Die Vorderseite zeigt seit 2002 europaweit einheitlich den Nennwert und eine Karte des Kontinents, die inzwischen bereits einmal überarbeitet wurde. Bei den Standard-Umlaufmünzen gibt es für jedes Land ein spezielles Motiv. Ähnlich war es übrigens im deutschen Kaiserreich, in dem die größten Gold- und Silbermünzen eine gemeinsame Wappenseite und eine landesübliche Bildseite hatten. Heute gilt dasselbe für die Ein- und Zwei-Euro-Münzen. Der griechische Standard-Zweier zeigt die Entführung der Europa durch Zeus in Gestalt eines Stieres, nach einem römischen Bodenmosaik aus Sparta. In Irland findet sich eine keltische Harfe. Das Motiv basiert auf der historischen „Brian Boru Harfe“, die im Trinity College in Dublin aufbewahrt wird und seit Jahrhunderten als nationales Symbol gilt. Die italienische Zwei-Euro-Münze trägt ein von Raffel gemaltes Porträt von Dante Alighieri, das in einem für Papst Julius II. gestalteten Teil des Vatikanpalastes zu sehen ist. Jedes Land wählt sein Motiv selbst. Vor einer Prägung muss es allerdings von der Europäischen Kommission genehmigt worden sein. Im Lauf der Zeit kam es in einigen Ländern zu Änderungen des Motivs. In monarchisch regierten Ländern etwa wechselt mit der Thronfolge das Porträt des Monarchen.
2 Euro (Dante Alighieri, Kursmünze, Italien, 2019)
Bildquelle: Historia Hamburg
Seit 2004 dürfen die Euro-Staaten spezielle Zwei-Euro-Gedenkmünzen herausgeben, maximal zwei Münzen pro Jahr. Das Motiv muss ein nationales oder europäisches Ereignis von historischer, kultureller oder wissenschaftlicher Bedeutung würdigen. Die erste derartige Gedenkmünze überhaupt erschien in Griechenland. Sie kam anlässlich der Olympischen Spiele von 2004 in Athen heraus. Außerdem erscheinen gelegentlich noch sogenannte Gemeinschaftsmünzen. Sie werden zu bestimmten Anlässen geprägt, die für die Europäische Union insgesamt von Bedeutung sind. Die erste gemeinsame Ausgabe von 2007 hatte 50 Jahre Römische Verträge zum Anlass. Die jüngste erschien 2022 zum 35-jährigen Bestehen des Erasmus-Programms. In Deutschland gibt es jährlich eine Zwei-Euro-Gedenkmünze aus einer Serie, die wechselnde Motive aus den Bundesländern zeigt. In diesem Jahr ist das Klimahaus Bremerhaven präsentiert worden. Die zweite Ausgabe ist einem aktuellen Anlass gewidmet. In diesem Jahr erschien eine Zwei-Euro-Gedenkmünze zum 150. Geburtstag von Konrad Adenauer. Im aktuellen Katalog von Mario Kamphoff aus dem Battenberg Verlag sind die begehrtesten Sammlerobjekte gelistet: "Die seltensten Zwei-Euro-Gedenkmünzen kommen nicht wie vielleicht erwartet aus den Kleinstaaten Monaco, San Marino oder dem Vatikan, sondern aus Luxemburg." Dies trifft zumindest für die Zwei-Euro-Kursmünzen in der Ausführung Polierte Platte zu, deren Auflage häufig nur bei 1.000 Stück liegt.
2 Euro (Holstentor, Gedenkmünze, Deutschland, 2007)
Bildquelle: ebay, NumisCorner
Die höchsten Preise erzielt eine Gedenkprägung aus Monaco zum 25. Todestag von Fürstin Gracia Patricia aus dem Jahr 2007. Auf einigen Websites wird ihr Wert mit 5.500 Euro angegeben. Tatsächlich sollen derartige Stücke samt Etui vor einigen Jahren zu Preisen in dieser Größenordnung verkauft worden sein. Angesichts der respektablen Auflage von 20.000 Exemplaren wurde lange gerätselt, was der Grund für diese Höhenflüge war. Am plausibelsten schien die Erklärung, dass die Auflage kündstlich verknappt worden sei. Die Hälfte der Münzen sei in die USA gegangen, wo die Fürstin infolge ihrer Hollywood-Karriere noch heute Fans habe. Der Preissprung war ein Paukenschlag, der für Aufsehen sorgte, woraufhin weitere Münzen aus Monaco zum Verkaufsschlager wurden. Inzwischen sind die Preise allerdings wieder etwas zurückgegangen. Noch teurer war lediglich ein Exemplar, der belgischen Zwei-Euro-Münze Waterloo von 2015, die nach einem Protest seitens Frankreich offiziell gar nicht ausgegeben wurde. Für sie sollen Ende 2017 angeblich 6.000 Euro gezahlt worden sein. Bei den insgesamt 36 deutschen Zwei-Euro-Gedenkmünzen ist die erste Ausgabe Holstentor (2006, Auflage: 30 Millionen) mit einem Katalogpreis von sechs Euro ausgewiesen. Die neueste Ausgabe Klimahaus Bremerhaven (2026, Auflage: 30 Millionen) ist mit dem niedrigsten Preis notiert, nämlich 3,50 Euro. Etwas teurer sind die Ausgaben in Spiegelglanz bzw. der Blister mit Ausgaben aller fünf Prägestätten.
2 Euro (Klimahaus Bremerhaven, Original-Revers und Farbfassung, Gedenkmünze, Deutschland, 2016)
Bildquelle: Münzenlager
Das Sammeln von Zwei-Euro-Münzen ist, ernsthaft betrieben, inzwischen zu einer Art von Wissenschaft geworden, die sich dem Laien nicht mehr vollständig erschließt. Da gibt es die Kursmünzensätze, die Sammlerausgaben, Münzen mit Farbauflage und neben den Ausgaben in Spiegelglanz inzwischen auch Reverse-Proof-Ausgaben. Erschwerend kommt eine Fülle der Ausgaben hinzu, die in einigen Staaten nur noch zu unverhältnismäßig hohen Preisen angeboten werden. Im Vorwort zur aktuelle Ausgabe des oben genannten Kataloges schreibt Mario Kamphoff: "Es gibt derzeit sicher so einige Gründe, das Sammelgebiet der Zwei-Euro-Münzen für sich neu zu bewerten. Wahrscheinlich ist nach 22 Jahren nun auch hier das eingetreten, was den Euro-Sammlermarkt schon viel früher ereilte. Eine ausufernde Ausgabenpolitik, überzogene Preise und Spekulationen lassen ein 'Komplettsammeln' mehr und mehr unwahrscheinlich werden. Zumindest der Normalverdiener unter den Sammlern muss sich fragen: Was mache ich noch mit und was nicht mehr?" Damit wird auch die vom User des Numismatikforums oben gestellte Frage nach einer Spezialisierung im Sammelgebiet aufgeworfen. Eine Universalsammlung mag zwar reizvoll sein. Sie verschlingt jedoch schon jetzt viel Geld, in der Tendenz sogar noch steigend. Im Fall einer Veräußerung lässt sich mit den meisten Stücken aber überhaupt nichts verdienen.
Dietmar Kreutzer
















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