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Ulrich Horn. Ein bedeutender Mecklenburg-Strelitzer Numismatiker, Teil I

Aktualisiert: Apr 7

Henning Ihlenfeldt, Neubrandenburger Münzverein e. V.

Das Wappen von Mecklenburg-Strelitz. Bildquelle: Wikimedia, Glasshouse.

Für Sammlerinnen und Sammler Mecklenburg-Strelitzer Münzen war es bis 1994 schwierig, ausführliche Informationen zur Mecklenburg-Strelitzer Münzgeschichte von 1701-1872 zu finden. Zwar gab es seit 1798 die zweibändige „Mecklenburgische Münzverfassung“ mit 994 Seiten von Carl-Friedrich Evers, doch darin sind nur auf 34 Seiten Informationen zu Mecklenburg-Strelitzer Münzen und Medaillen zu finden. Evers beklagte damals in seinem Werk, dass die Registrierung und Aufbewahrung von Münzakten, besonders in den ersten Jahrzehnten des im Jahr 1701 entstandenen Herzogtums Mecklenburg-Strelitz sehr vernachlässigt wurde. Viele Informationen für eine Katalogzusammenstellung waren nicht auffindbar.


Carl Friedrich Evers, Mecklenburgische Münzverfassung, Teil 1, Schwerin 1798.

In der Zeit von 1890 – 1910 wurden immer wieder Münzsammlungen mit einem hohen Anteil Mecklenburg-Strelitzer Münzen verkauft und versteigert (Schlieffen, Pelzer, Beste, Hauer u.a.). Einen Großteil konnte der bekannte Mecklenburg-Sammler Richard Gaettens in seine Sammlung übernehmen. Er musste aber aus wirtschaftlichen Gründen 1931 seine Sammlung versteigern. Dazu wurde ein umfangreicher Katalog erarbeitet, der auch einige neue Textbeiträge zur Mecklenburger Münzgeschichte enthielt. Dieser Katalog ist lange neben Evers als Zitierwerk für Mecklenburg-Strelitzer Münzen verwendet worden.

1979 erschien eine weitere Publikation von Walter Hannemann in der BRD „Die Münzen des Landes Mecklenburg-Strelitz“. Er konnte auch wieder einige münzgeschichtliche Neuigkeiten einarbeiten, da er einen Teil Münzakten von dem Numismatiker Dr. Hans Fündt übernommen und ausgewertet hatte, die dieser vor 1945 in einem Neustrelitzer Archiv gefunden hatte. Aber auch dies hatte noch große Lücken.

Walter Hannemann, Die Münzen des Landes Mecklenburg-Strelitz, Bielefeld 1979.

Bei der Suche nach weiteren Informationen zur Mecklenburg-Strelitzer Münzgeschichte wurden wir 1982 in der Mecklenburg-Abteilung der Bezirksbibliothek in Neubrandenburg fündig. In einem Bestand, der dort seit vielen Jahren lagerte und aus der ehemaligen Mecklenburg-Strelitzer Landesbibliothek stammte. In den 1950-er Jahren wurde die ehemalige Landesbibliothek aufgelöst und der Restbestand, der 1945 nicht vernichtet wurde, auf größere Bibliotheken in Städten aufgeteilt. So sind die Unterlagen nach Neubrandenburg gekommen.

Es handelt sich um etwa 1.200 Seiten handschriftlicher Aufzeichnungen über die Geschichte Mecklenburg-Strelitzer Münz- und Medaillenprägungen, Orden, Geldscheine und Notgeldausgaben von 1701 bis 1912. Dazu sind zu allen Münzen und Medaillen zeichnerische Darstellungen enthalten. Die Münzbeschreibungen sind sehr genau und ausführlich. Dadurch lassen sich viele bisher nicht bekannte Stempelabweichungen erkennen. Gegenüber Evers werden z.B. unter Adolph Friedrich II. (1658-1708) zusätzlich sieben, unter Adolph Friedrich III. (1686-1752) zusätzlich über 100 Münzen in veränderten Stempelvarianten beschrieben. Viele Literaturangaben und Quellen wurden ausgewertet. Aus beiliegenden Briefen in den Aufzeichnungen geht hervor, dass die gesamten Informationen von Ulrich Horn (23.06.1866 – 14.03.1912), Amtsrichter, zuletzt wohnhaft in Neustrelitz in der Elisabethstr. 32, zusammengetragen worden sein müssen.


Wer war Ulrich Horn? Aus dem Buch „Beiträge zur Geschichte der Strelitzer Familie Horn“ von Carl Horn, 1919, geht hervor, dass Ulrich Horn 1866 in Woldegk geboren wurde und bereits 1912 starb. Er legte einen großen Sammeleifer an den Tag. Er wandte sich besonders der Münz- und Wappenkunde zu und trug auf diesem Gebiet eine umfangreiche, sehr wertvolle Sammlung zusammen. Sie führte zu einigen Veröffentlichungen in den Berliner Münzblättern. Auch sein Bruder Carl-Egon war Numismatiker. Er lebte nach 1912 als Bankangestellter in Berlin. Aufgrund Horns frühen Tod ist es nicht mehr zur Veröffentlichung gekommen. So gelangten die Unterlagen in die Landesbibliothek.


Durch Walter Karbe – einem Heimatforscher und großen Kenner der Mecklenburg-Strelitzer Heimatgeschichte – erhielten wir mit dem Buch „Walter Karbes Kulturgeschichte des Landes Stargard von der Eiszeit bis zur Gegenwart“, herausgegeben von Gundula Tschepego und Peter Schüßler, einen Einblick in die Geschichte der Herzoglichen Mecklenburg-Strelitzer Münzsammlung. Diese Sammlung hatte schon um 1890 ca. 12.000 Münzen in ihrem Bestand. Sie zeichnete sich durch eine große Vielfältigkeit aus. Neben einigen antiken Münzen waren alte Bestände, Geschenke anderer Fürsten und abgelieferte Münzfunde vorhanden. Glanzpunkt der Sammlung waren die kompletten Münzserien und Medaillen der Mecklenburg-Strelitzer Herzöge seit 1701.


Die Münzen und Medaillen befanden sich in einfachen Münzschränken mit flachen Schubläden. Die Sammlung war nicht öffentlich, nur namhafte Numismatiker hatten Zugang. Unter dem damaligen Museumsleiter von Buchwald wurde die Münzsammlung vernachlässigt. Dann trat sein Freund Ulrich Horn in Erscheinung. Er wollte nun die gesamt Mecklenburg-Strelitzer Münzgeschichte in ihrer über 200-jährigen Geschichte darstellen. Horn arbeitete jeden Tag in seiner Freizeit an der Erforschung der Münzsammlung. Putzte, verglich mit den bisherigen Katalogen und registrierte jede kleinste Prägeverschiedenheit. Durch seine „Nachspürungen“ entstand ein vielseitiger handschriftlicher Katalog mit über 1.200 Seiten von unerreichter Genauigkeit. Dies waren die Aufzeichnungen, die 1982 in der Neubrandenburger Bezirksbibliothek wiederentdeckt wurden.


Amtsrichter Ulrich Horn und Weinstubenbesitzer Emil Raben, 1910. Bildquelle: Mit freundlicher Unterstützung: Kerbe-Wagner-Archiv, Neustrelitz, Reg.Nr.PAB 126.

Vorerst beachtete von Buchwald die Arbeit Horns kaum. Doch dann erkannte er die Bedeutung der Münzen, die auch einen erheblichen Wertbestand darstellten. Mit einem Konzept, das von Herzog Adolf Friedrich V. (1882-1918) genehmigt wurde, konnte erreicht werden, dass für die Münzsammlung eine öffentliche Dauerausstellung eingerichtet wurde. Finanzielle Mittel, Ausstellungsräume im Schloss und neue Münzvitrinen wurden bereitgestellt. Alle Münzen und Medaillen wurden gereinigt, geputzt und durch Horn bestimmt. Die Ausstellungseröffnung erfolgte durch Herzog Adolf Friedrich V. höchstpersönlich. Die Errichtung dieser Dauerausstellung ist somit auch ein Verdienst von Ulrich Horn. Sie war bis zu ihrem Verlust durch die Kriegseinwirkungen 1945 ein Besuchermagnet. In Walter Karbes Buch finden wir erstmalig auch ein Bildnis von Ulrich Horn.


Lesen Sie nächste Woche den zweiten Teil.

Henning Ihlenfeldt ist Vorsitzender des Neubrandenburger Münzvereins. Wir bedanken uns außerordentlich für die Zusendung dieses am 04. Februar 2020 auf einem Vereinsabend vorgetragenen Referats.


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