Numismatica Genevensis: Nachbericht zu den Auktionen 22 und 23
- Numismatica Genevensis SA
- 14. Jan.
- 8 Min. Lesezeit
2,3 Mio. CHF für die Ikone der spanischen Numismatik: Numismatica Genevensis SA bot in seinen Auktionen 22 und 23 ausgesuchte Münzen an. Deren hohe Qualität spiegelt sich in den Ergebnissen: 29 Lose wurden im sechsstelligen Bereich zugeschlagen. Wie erwartet, entwickelte sich der spanische Centén zum teuersten Los der Auktion und stellte mit 2,3 Mio. CHF Zuschlag einen neuen Rekord auf.
Wer einen Katalog von Numismatica Genevensis SA öffnet, weiß, dass ihn darin Münzen erwarten, wie sie nur in Ausnahmefällen angeboten werden. Ganz gleich ob Seltenheit, historische Bedeutung, Qualität, Provenienz: NGSA ist das Auktionshaus für alle, die das Besondere suchen. Hier wird man fündig, so auch in den Auktionen 22 und 23, die am 24. und am 25. November 2025 stattfanden. Das erkannten Bieter aus aller Welt. Sie gaben mehr als 12.000 Gebote ab. Damit sorgten sie für beeindruckende Ergebnisse. 29 Lose wurden im sechsstelligen Bereich zugeschlagen. Die teuerste Münze, ein spanischer Centén aus dem Jahr 1609, brachte 2,3 Mio. Schweizer Franken. Mit Aufgeld entspricht das heute fast 3 Mio. Euro bzw. fast 3,5 Mio. Dollar.
Die Krone der spanischen Numismatik
Damit stellte NGSA einen neuen Rekord auf. Der Centén ist mit diesem Preis nicht nur die teuerste Münze der spanischen Welt, sondern auch die teuerste europäische Münze, die jemals versteigert wurde. Jedenfalls wenn man Russland nicht zu Europa zählt, wofür es gute Gründe gibt. Damit verdrängt der Centén das 100 Dukaten-Stück des Jahres 1629, geprägt von Kaiser Ferdinand III., vom ersten Platz der teuersten europäischen Münzen der Neuzeit, und das nur einige Tage nachdem dieser Rekord im Rahmen der Auktion eines Teils der Traveller Collection aufgestellt wurde.
Der hohe Preis hat einen guten Grund. Denn der Centén ist nicht nur ein Unikum. Er ist auch von höchster historischer und geldgeschichtlicher Bedeutung. Es handelt sich um die schwerste je geprägte spanische Münze. Es ist das einzige überlebende Exemplar der 100 Stücke von 100 Escudo-Münzen, die Philipp III. erstmals im Jahr 1609 bei seinem Münzmeister in Segovia zu diplomatischen Zwecken in Auftrag gab. Die beeindruckende Goldmünze mit dem Aquädukt von Segovia als Münzzeichen wiegt fast 340 Gramm und wird gerne als Ikone der spanischen Numismatik bezeichnet.
Wie stark der spanischsprachige Sammlermarkt zur Zeit ist, illustriert nicht nur der Preis des Centén. Alle herausragenden Prägungen der spanischen Welt verkauften sich zu außergewöhnlichen Preisen. Wir erwähnen hier das fast unzirkulierte 8 Escudo-Stück von 1611, ebenfalls in Segovia geprägt; die 100 Peseten des Jahres 1871 von Amadeo I., das unike mexikanische 8 Escudo-Stück von 1729/7 aus der Archer M. Huntington Collection; sowie - aus der Half Crown Collection - die 4 Reales von 1813, geprägt während des Unabhängigkeitskrieges vom Nationalkongress.

314 – Spanien. Philip III., 1598-1621. 100 Escudos 1609, Segovia. Erstes 100 Escudos-Stück! Größte Goldmünze des spanischen Königreichs. Aus Sammlung Caballero de las Yndias, Aureo & Calicó 218 (2009), 1863. NGC AU58 (Top Pop). Unikum. Vorzüglich. Startpreis: 2.000.000,- CHF. Zuschlag: 2.300.000,- CHF.
315 – Spanien. Philip III., 1598-1621. 8 Escudos 1611, Segovia. Äußerst selten. Aureo & Calicó 218 (200), 1861. NGC AU58 (Top Pop). Fast unzirkuliert. Startpreis: 300.000,- CHF. 380.000,- CHF.
319 – Spanien. Amadeo I., 1871-1873. 100 Pesetas 1871, Madrid. Sehr selten. Aus Sammlung Caballero de las Yndias, Aureo & Calicó 218 (2009), 2191. Unzirkuliert. Startpreis: 100.000.- CHF. 155.000.- CHF
300 - Mexiko. Philipp V., 1700-1746. 8 Escudos 1729/7, Mexiko. Aus Archer M. Huntington Collection (1870-1955), 25712. Unikum. NGC MS65 (Top Pop). Prägefrisch. Startpreis: 500.000,- CHF. Zuschlag: 600.000,- CHF.
1171 - Mexiko. Unabhängigkeitskrieg. Nationalkongress, 1810-1821. 4 Reales 1813, Mexico City. NGC XF Details cleaned. Startpreis: 300 CHF. Zuschlag: 26.000 CHF.
Griechische Antike: Spitzenpreise für Schönheit und Provenienz
Wie zu erwarten, gab es auch im Bereich der griechischen Antike zahlreiche hohe und höchste Ergebnisse. Sie zeigen, dass Sammler genau wissen, was sie wollen. Heute ist Ihnen nicht nur die Schönheit des Stempelschnitts und die Seltenheit einer Münze wichtig, sondern auch ihre Erhaltung und Provenienz. Nicht umsonst brachte ein Goldstater von Pantikapeion, dessen Pedigree bis 1889 zurückreicht, einen Zuschlag von 300.000 CHF. Ein Stater der Stadt Tarent aus der Sammlung Moretti kletterte von seiner Schätzung mit 20.000 CHF auf einen Zuschlag von 110.000 CHF.
72 – Pantikapeion (Taurische Chersones). Goldstater, ca. 380-370. Äußerst selten und vermutlich das feinste Beispiel in privater Hand. Aus Sammlung Count Albéric du Chastel de la Howardries (1842-1919), Rollin & Feuardent (1889), Nr. 40. Gutes vorzüglich. Startpreis: 200.000,- CHF. Zuschlag: 300.000,- CHF
46 – Amphipolis (Makedonien). Tetradrachme, 365/4. Sehr selten. Vorzüglich. Startpreis: 200.000,- CHF. Zuschlag: 270.000,- CHF
128 - Ägypten. Nektanebo II., 361-343 v. Chr. Stater. Aus einer Europäischen Sammlung, die in den 1950er Jahren entstand. Gutes vorzüglich. Startpreis: 100.000,- CHF. Zuschlag: 190.000.- CHF.
7 - Tarent (Kalabrien). Stater, um 450 v. Chr. Sammlung Athos und Dina Moretti, ausgestellt im Antikenmuseum Basel, publiziert 1988, Nr. 508. NAC 13 (1998), 77. Paramount Collection. Sehr selten. Gutes vorzüglich. Taxe: 20.000,- CHF. Zuschlag: 110.000,- CHF
Der schönste Denar des Augustus und des Galba
Eine Überraschung war die hohe Wertschätzung, auf die ein früher und anonymer Stater der römischen Republik der Jahre 225 bis 212 stieß. Er zeigt, wie römische Legionäre während des Zweiten Punischen Krieges einen Eid leisten. Diese Münze ist wahrscheinlich das besterhaltene Exemplar dieser ikonischen Prägung.
Wie wichtig die Qualität modernen Sammlern ist, zeigt auch die etwas später entstandene Goldmünze zu 40 Assen, von der man heute nur 11 Exemplare kennt, von denen lediglich fünf in privater Hand sind. Der hervorragende Stil ließ die Münze von einer Schätzung von 75.000 CHF auf 190.000 CHF steigen.
Nicht unerwartet war das große Interesse für einen Aureus des Augustus, der wahrscheinlich in Pergamon entstand. Er stammt aus der Sammlung Ponton d'Amécourt und führt damit seine Provenienz ins Jahr 1887 zurück. Der klassizistische Stempelschnitt rückt das Porträt in die Nähe der besten Werke griechischer Bildhauer. Die Rückseite, die das Standbild einer Kuh des Myron zeigt, erinnert an eine spannende Episode der römischen Geschichte. 400.000 CHF bot ein Sammler für dieses einmalige Werk.
Das war nur etwas mehr, als das, was ein Aureus des Galba brachte. Seit der Renaissance sammeln gebildete Menschen die Porträts der zwölf Caesaren - je nach finanziellen Möglichkeiten in Bronze, Silber oder Gold, in mittelmäßiger oder ausgezeichneter Qualität. Der Sammler, der diesen Aureus bei NGSA erwarb und 370.000 CHF dafür bot, hat das schönste Stück gekauft, das es überhaupt zu kaufen gibt.
143 - Römische Republik. Anonym. Stater, ca. 225-212, Rom. Wahrscheinlich das am besten erhaltene Exemplar. Vorzüglich. Startpreis: 200.000,- CHF. Zuschlag: 400.000,- CHF.
148 - Römische Republik. Anonym. 40 Asse, 211-207, Rom. Äußerst selten. Vorzüglich. Startpreis: 75.000,- CHF. Zuschlag: 190.000,- CHF.
153 – Augustus. Aureus, ca. 27-15, Pergamon(?). Aus Sammlung Viscount Gustave Ponton d'Amécourt, Rollin & Feuardent (1887), 74. Eines der schönsten Porträts des Augustus in hellenistischem Stil. Gutes vorzüglich. Startpreis: 300.000,- CHF. 400.000,- CHF.
154 – Galba. Aureus, 68-69. Einer der feinsten Aurei des Galba mit einem wundervollen Porträt in hohem Relief. Prägefrisch. Startpreis: 250.000,- CHF. 370.000,- CHF.
Die Kalima zum ersten Mal auf einer Münze
Numismatica Genevensis SA ist bekannt für seine reiche Auswahl an islamischen Raritäten. Auch diesmal gab es einiges zu sehen. So die berühmte umayyadische Goldmünze, deren Münzbild in engster Verbindung steht mit den byzantinischen Vorbildern. Sie brachte 150.000 CHF. Eine Sammlung aller 56 Dinare der umayyadischen Epoche (77-132 AH, resp. 696-750) kletterte von 250.000 CHF auf einen Zuschlag mit 340.000 CHF.
Ein für den Laien relativ unscheinbarer Dirham des Jahres 81 AH (= 701) aus dem Oman gilt als die erste Münze, auf der die Kalima zu lesen ist. Mit bescheidenen 50.000 CHF war die "sehr schön" erhaltene Münze geschätzt. Mit 300.000 CHF wurde sie zugeschlagen. Ein guter Beweis dafür, dass der arabische Sammlermarkt anders tickt als der amerikanische. Hier zählt noch die historische Bedeutung, nicht ausschließlich die Erhaltung.
184 – Umayyaden. Anonym. Solidus, ohne Münzstätte und Jahr (Damaskus, ca. 72-74 AH = 691/2-693/4). Äußerst selten. Gutes sehr schön. Startpreis: 100.000,- CHF. Zuschlag: 150.000,- CHF
186 – Umayyaden. Anonym. Dirham, Oman, AH81 (= 701). Sehr selten. Sehr schön. Startpreis: 50.000,- CHF. Zuschlag: 300.000,- CHF
Raritäten aus aller Welt
Ganz gleich, was Sie sammeln. Ganz gleich, wofür Sie sich interessieren. Auktion 22 enthielt begehrenswerte Prägungen aus allen Teilen der Welt. Wir zeigen Ihnen an dieser Stelle nur zwei Beispiele und hoffen, dass Sie sich selbst im Internet bei ngsa.ch über Ihr Spezialgebiet informieren.
Der erste goldene Sovereign der britischen Geldgeschichte mit seiner eindrücklichen Provenienz und seiner zentralen historischen Bedeutung wurde mit 750.000 CHF, dem anderthalbfachen seiner Schätzung zugeschlagen.
Ein äußert seltener 10facher Dukat des Jahres 1661 aus Transsylvanien wurde von Johann Kemény geprägt, der nur wenige Monate über Siebenbürgen herrschte. Ein Sammler erwarb diese Rarität für 240.000 CHF.
231 – England. Henry VII, 1485-1509. Gold Sovereign, Typ 1, Cross Fitchee, ohne Jahr (1492), Tower Mint. Aus Sammlung Wigan's Brothers, gekauft 1872 von Rollin & Feuardent. NGC AU50 (Top Pop). Startpreis: 500.000,- CHF. Zuschlag: 750.000,- CHF.
337 - Transsylvanien. János Kemény, 1661-1662. 10 Dukaten 1661, Klausenburg. Äußerst selten. Vorzüglich. Startpreis: 200.000,- CHF. Zuschlag: 240.000,- CHF.
Auktion 23: The Half Crown Collection Teil 2: From India to Zanzibar
2024 versteigerte NGSA den ersten Teil der Half Crown Collection mit immensem Erfolg. 2025 konnte sich der Einlieferer über noch höhere Ergebnisse freuen. Die herausragende Qualität sorgte dafür, dass die "Kleinmünzen" exorbitante Ergebnisse brachten. Wir stellen Ihnen die drei teuersten Stücke der Sammlung vor. Ein weiteres haben Sie bereits in der Sektion Spanien gesehen.
Die teuerste Münze stammt, wie zu erwarten, aus den USA. Nur dort sind Münzen derart gut erschlossen, dass sie wie Aktien als leicht berechenbare Anlagewerte gelten. So darf sich der Einlieferer über einen Zuschlagspreis von beeindruckenden 80.000 CHF für sein 50 Cent Stück von 1807 aus Philadelphia freuen. Das ist das 40-fache der ursprünglichen Schätzung.
Aus Hongkong stammt die zweitteuerste Münze von Auktion 23. Sie wurde mit 46.000 CHF zugeschlagen. Die Prägung ist ein faszinierendes Zeugnis für die Mischung von chinesischer und britischer Kultur, die viele Jahre die Kronkolonie Hong Kong prägte.
Aus der islamischen Welt stammt eine Prägung von Sansibar aus dem Jahr 1299 AH, resp. 1882. Die äußerst seltene Münze, die ein Sultan des Oman in Brüssel prägen ließ, zählt zu den Zeugnissen, wie es intelligenten Herrschern gelang, sich trotz europäischer Übermacht nicht nur zu halten, sondern ihr Land voranzubringen. Das Stück war mit 5.000 CHF geschätzt und wurde auf 44.000 CHF hochgesteigert.
1421 - USA. 50 Cents 1807, Philadelphia. NGC MS65. Startpreis: 2.000,- CHF. Zuschlag: 80.000,- CHF.
1007 – Hong Kong. Victoria, 1837-1901. 50 Cents 1866, Hong Kong. PROOF. NGC PF64. Startpreis: 5.000,- CHF. Zuschlag: 46.000,- CHF.
1457 - Sansibar. Barghash Ibn Sa'id, AH 1287-1305 / 1870-1888. 1/2 Riyal AH 1299 (1882), Brüssel. Äußerst selten. NGC AU55 (Top Pop). Startpreis: 5.000,- CHF. Zuschlag: 44.000,- CHF.
Ein Blick auf die Schweiz
Auch wenn Numismatica Genevensis SA Kunden aus der ganzen Welt hat, ist das Stammhaus im Schweizerischen Genf zu finden. Werfen wir deshalb mit ein bisschen Lokalpatriotismus einen Blick auf die Ergebnisse der Schweizer Münzen. Man sieht, dass diese Prägungen ein hohes Potential haben, wenn man die erzielten Preise mit denen vergleicht, die für andere Sammelgebiete realisiert wurden.
327 - Schweiz. Eidgenossenschaft. 1 Franken 1896, Bern. PCGS SP65 (Top Pop). Das beste bekannte Exemplar. Nur 28 Exemplare geprägt. Startpreis: 30.000,- CHF. Zuschlag: 50.000,- CHF.
335 – Schweiz. Zürich. 10 Dukaten ohne Jahr (ca. 1678), Zürich, von H. J. Bulliger. NGC UNC Details edge filing. Gutes vorzüglich. Startpreis: 20.000,- CHF. Zuschlag: 28.000,- CHF.
332 - Schweiz. Genf. Philipp II., 1496-1497. Teston, ohne Jahr, Cornavin. Gutes sehr schön. Startpreis: 5.000,- CHF. Zuschlag: 13.500,- CHF.
Der Katalog ist im Internet unter www.ngsa.ch zu finden. Die gedruckten Kataloge können bestellt werden bei Numismatica Genevensis SA, Rue François-Bellot 4, 1206 Genève, Tel: +41 / 22 / 320 46 40, E-Mail info@ngsa.ch.



























































































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