Modernes Antiquariat: Goldgiganten
- Dietmar Kreutzer

- vor 11 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Im Frühjahr 2011 wurde im Berliner Bodemuseum Goldgiganten: Das große Gold in der Münze und Medaille gezeigt. Die Ausstellung war ein Gemeinschaftsprojekt der Münzkabinette der Staatlichen Museen zu Berlin und des Kunsthistorischen Museums Wien. Im Vorwort des Begleitbandes schrieben die beiden Kabinettsdirektoren zum Zweck der Ausstellung: "Angestoßen durch den gegenwärtigen Run auf das Gold, der den Goldkurs in schwindelerregendeHöhen getrieben und in vielen Ländern als Vermögensanlagen Goldmünzen von bisher nicht gekannter Größe hervorgebracht hat, geht sie einerseits der Rolle des Goldes in der Münzprägung nach und bietet andererseits eine in dieser Fülle und Qualität noch nie gesehene Galerie historischer Goldgiganten der Münze und Medaille."

Goldgiganten: Das große Gold in der Münze und Medaille
Münzkabinett Berlin, 2010
Hardcover, 384 Seiten, 17,5x24,5 cm
Preis: 29,50 Euro
Das Buch bietet einleitend mehrere Essays zur Goldprägung in der Antike, im Mittelalter und in der Neuzeit. Ein Beitrag würdigt das Gold der Medaille, ein weiterer Goldmünzen als Geldanlage. Der umfangreiche Katalogteil stellt zunächst Das kleine Gold vor, die Goldumlaufmünzen von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. Zu jeder mit einer farbigen Abbildung vorgestellten Münze gibt es einige Angaben sowie einen kurzen Text zur historischen Einordnung des Stücks. Das Prinzip setzt sich in den beiden folgenden Katalogteilen fort, die das große Gold des Wiener und des Berliner Münzkabinetts präsentieren. Hier sind die beeindruckendsten Objekte zu finden, darunter auch ein 50-Dukaten-Stück des böhmischen Königs und späteren Kaisers Ferdinand III. Ein Exemplar dieser Ausgabe zu 100 Dukaten ist 2025 bei Numismatica Ars Classica für 1,9 Mio. Schweizer Franken versteigert worden.
Der Katalogteil zum Anlagegold und den Goldgiganten der Gegenwart stellt einige zu Anlagezwecken nachgeprägte Münzen vor, außerdem die international gängigen Standardausgaben. Auch die deutschen Gedenkprägungen zu einer halben Unze sind aufgenommen: "Die Bundesrepublik hat sich an der Ausgabe von Anlagegoldmünzen bisher noch nicht beteiligt. Allerdings wird seit Einführung des Euro im Jahr 2002 jährlich eine Goldmünze im Feingewicht von 1/2 Unze mit einem Nennwert von 100 Euro ausgegeben, deren Auflage pro Münzstätte zwischen 64.000 und 80.000 schwankt." Die abgebildete Münze Würzburger Residenz und Hofgarten (2010) hatte eine Gesamtauflage von 320.000 Stück. Infolge des hohen Goldpreises ist die Auflage inzwischen allerdings drastisch gefallen, nämlich auf 66.000 Exemplare (2025). Auch die Angaben zur größten Anlagemünze, damals 100 kg, sind überholt.
Das "kleine Gold" aus dem Katalogteil ist in der Literatur an vielen Stellen gut beschrieben. Bezüglich des modernen Goldes geschah dies etwa in dem 1967 erstmals erschienenen Goldmünzenkatalog von Hans Schlumberger. Aufgrund der Fülle der sonst nie zugleich präsentierten Stücke des "großen Goldes" ist das Buch für Liebhaber des historischen Goldes dennoch unentbehrlich. Wichtige Stücke, die damals in der Ausstellung nicht zu besichtigen waren, werden ebenfalls in Bild und Text gezeigt. Darunter ist die mit 1000 Dukaten und einem Gewicht von 3,5 kg größte historische Goldmedaille, die Kaiser Karl VI. und seine Gemahlin zur Geburt des Thronfolgers Leopold im Frühjahr 1716 gießen ließen. Der Prinz starb jedoch noch im gleichen Jahr. Die Kaiserin ließ daraufhin die Goldmedaille, von der es heute Abgüsse in Silber und Bronze gibt, einschmelzen und den Erlös unter die Armen der Stadt Wien verteilen.
Dietmar Kreutzer




Kommentare