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Lauer‘sche Prägungen für alle Gelegenheiten

Es gibt kaum eine Münzsammlung, in der nicht auch Fälschungen, Nachprägungen, Kopien, Galvanos und ähnliche Objekte liegen. Sie leisten als Vergleichsstücke und zum Füllen von Lücken durchaus gute Dienste. Nur muss man wissen, dass sie keine Originale sind und bei einem möglichen Kauf oder Verkauf auch nicht den Preis wie diese erzielen. Oft kann man die Frage „Echt oder falsch?“ schon beim ersten Betrachten entscheiden, hingegen muss man bei schwierigen, nach allen Regeln der Fälscherkunst hergestellten Objekten genauer hinsehen und detaillierte Untersuchungen vornehmen. Was da zu beachten ist, wird in numismatischen Ratgebern in Bild und Schrift erläutert, außerdem hilft der Münzhandel, knifflige Fragen zu klären.

Mit dieser Medaille aus dem späten 19. Jahrhundert warb die Nürnberger Gravier- und Prägeanstalt L. Chr. Lauer für sich und ihre Erzeugnisse. Sie sind in vielen Sammlungen vertreten, und auch der Münzhandel bietet das eine oder andere Stück an. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Die von der Nürnberger Gravier- und Prägeanstalt Lauer hergestellten Marken und Medaillen machten die alte Reichsstadt, die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts mit eigenen Münzen glänzte, als Prägezentrum weltweit bekannt. Das Unternehmen brachte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Medaillen mit Bildnissen bekannter Persönlichkeiten hervor, allen voran Kaiser Wilhelm I. und dessen Reichskanzler Otto von Bismarck, die in vielen Sammlungen vertreten sind. Wichtige tages- und militärischpolitische Ereignisse wurden von der Nürnberger Firma ebenso auf Medaillen verewigt wie solche zur Erinnerung an Ereignisse und Gestalten der deutschen und ausländischen Geschichte.

Die Lauer‘schen Nachprägungen, wie hier ein preußischer Ordenstalers von 1707, richten keinen Schaden an, aber sie erfüllen als preiswerte Anschauungsobjekte ihren Zweck. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Ernst Ludwig Siegmund Lauer gründete 1790 die Prägefirma „Nürnberger Medaillenmünze“. Ludwig Christoph Lauer gründete 1860 die bekannte und überaus produktive Münzprägeanstalt L. Chr. Lauer, die von seinen drei Söhnen Johann, Ludwig und Wolfgang weiter geführt wurde und später auch eine Niederlassung in Berlin hatte. Neben der Prägerei gab es eine Gürtlerei, eine mechanische Werkstätte sowie die Emaillier-, Modellier- und Gravieranstalt. Lauer fertigte Medaillen, Plaketten und Münzen, aber auch Orden sowie Vereinsabzeichen an. Aus Nürnberg gingen tausende Jetons, Marken und Medaillen in die Welt.

In vielen Sammlungen führen Spielmarken wie die aus der Lauer‘schen Prägeanstalt ein Mauerblümchendasein, dabei kann man manche interessanten Dinge entdecken. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Münz- und Medaillensammler kennen die so genannten Lauer‘schen Nachprägungen von alten Talern. Sie können keinen Schaden anrichten, denn sie unterscheiden sich im Metall, Machart und in vielen Details klar von den Originalen. Man kann an ihnen sein Auge üben, wenn man die echten und alten Münzen neben die Nachbildungen legt und sie miteinander vergleicht. Dann fallen die Unterschiede am besten auf. Die oft aus Messing oder Kupfer gefertigten Lauer‘schen Taler bemühen sich nicht, mit den Vorbildern in Konkurrenz zu treten. Meist kommen diese Stücke nur versilbert vor, und bisweilen sieht man, dass die hauchdünne Schicht abgegriffen ist und das Buntmetall darunter zum Vorschein kommt.

Die von Lauer geprägte Medaille auf die Internationale Metallausstellung 1883 in Nürnberg setzt nicht nur der ehemaligen Reichsstadt, sondern auch dem Kunstgießer Peter Vischer sowie den Goldschmieden Wenzel Jamnitzer und seinem italienischen Kollegen Benvenuto Cellini ein eindrucksvolles Denkmal. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Für die Nachprägungen muss es einen Markt gegeben haben, sonst hätte Lauer sie nicht in größerer Zahl hergestellt, was übrigens auch für Stücke aus anderen Quellen aus Zinn oder Blei gilt. Wahrscheinlich haben sich diejenigen Sammler für sie interessiert, die sich die echten alten Taler und weitere historische Geldstücke nicht leisten konnten, aber Lücken in ihren Kollektionen schließen wollten. Man kann auch davon ausgehen, dass Lauer‘sche Taler und kleinere Werte als Schmuck von Trachten und als Behang von Schützenpokalen verwendet wurden und auch heute noch werden. Ob man nach den Stücken systematisch Ausschau hält, muss jeder Sammler selbst entscheiden. Viele Werkzeuge der Firma Lauer und auch ihre Produkte gingen bei Umzügen und anderen Gelegenheiten verloren. Schwer wurde das Unternehmen im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe getroffen. Nur ein Teil der Stempel konnte nach 1945 aus den Trümmern geborgen werden.

Mit der Plakette auf einen Betriebsbesuch von Graveuren und Ziseleuren 1909 schuf die Firma Lauer ein eindrucksvolles Zeugnis ihrer Kreativität und Leistungsfähigkeit. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

In vielen Sammlungen liegen Münzen und manchmal auch Medaillen, die alles andere als echt und alt sind. Meistens kennt man diese Stücke, und sie werden separiert von den Originalen aufgehoben. Im Angebot sind offizielle Nachprägungen etwa von alten Talern und Reichsgoldmünzen. Da sie klare Unterscheidungsmerkmale gegenüber den Originalen aufweisen, wie etwa ein leicht abweichendes Gewicht, ein veränderter Durchmesser oder eine andere Legierung, aber auch untilgbare Jahreszahlen, Feingehaltsangaben und Buchstaben, sind sie als unproblematisch einzustufen. Solche Nachprägungen eignen sich nicht zur Geldanlage und haben auch nicht diesen Anspruch. Wer sich die preiswerten Stücke zulegt, weiß, dass er beim Verkauf für sie nicht viel bekommt. Wenn man aber diesen Aspekt beiseite lässt, dann können auch die Kopien Freude machen und Belehrung bieten.

In der Staatlichen Münze Berlin werden ganz offiziell und gesetzeskonform historische Münzen und Medaillen nachgeprägt. Wie diese Stempel für einen preußischen Friedrichsd’or von 1750 zeigen, sind diese Repliken mit der untilgbaren Jahreszahl 2012 versehen. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

In der numismatischen Literatur werden Münzen beschrieben und abgebildet, die es niemals gegeben hat. So findet man in einem Buch über sächsische Münzen aus der Barockzeit Bilder und Beschreibungen von Talern aus dem 15. Jahrhundert, die es nicht gibt, mit denen sich aber der Verfasser als Endecker von numismatischen Seltenheiten in Szene setzen konnte. Viel Unfug richtete der hannoversche Kupferstecher und Münzfälscher Nikolaus Seeländer mit seinen Machwerken an. Etwa 300 falsche Brakteaten und weitere Erfindungen gehen auf sein Konto. Er publizierte die mittelalterlichen Blechmünzen in einem Buch, das 1743 in Hannover erschien, und wurde etwa ein Jahrhundert später als numismatischer Hochstapler entlarvt. Da die Stücke bekannt sind und sich stark von den Vorlagen unterscheiden, wird kaum jemand auf sie herein fallen. #Nürnberg #Lauer #Medaillen #Münzen #Nachprägungen #Imitationen #Marken #Spielmarken #Fälschungen #NikolausSeeländer #LudwigChristophLauer #HelmutCaspar

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