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König Ludwig II.: Flügeladjutanten, Bodyguards, Geheimdienste

Im Jahr 2021 entdeckte der Sammler Sepp Schleicher den Nachlass eines ehemaligen Flügeladjutanten von König Ludwig II. und konnte ihn erwerben. Es handelt sich um 185 Briefe von Major Karl Theodor von Sauer, die er wischen 1863 und 1872 an seine Frau schrieb. Darin berichtete er er vor allem über seine Tätigkeit. In zweijähriger Arbeit entzifferte Schleicher die Briefe, in das Alltagsleben des Königs gut nachzeichnen. Das daraus entstandene Buch gibt nun zahlreiche neue Einblicke in das Leben des sagenumwobenen Bayernkönigs.


Alfons Schweigert, Sepp Schleicher: König Ludwig II.

Flügeladjutanten, Bodyguards, Geheimdienste

Der phantastische Briefschatz des Karl Theodor von Sauer

Bayerland Verlag 2025

160 Seiten

ISBN 978-3-89251-551-7

Preis: 19,90 Euro


Zunächst werden die verschiedenen Flügeladjutenanten vorgestellt. Deren erster war Paul von Thurn und Taxis (1864-1866), der zum Zeitpunkt seines Dienstantritts gerade einmal 21 Jahre alt war: "Es entwickelte sich eine enge Freundschaft mit homoerotischen Verhaltensweisen wie Küsse, Umarmungen, Treue- und Liebesschwüre. Doch im 19. Jahrhundert wurden Treueschwüre, Umarmungen, Händchenhalten und sogar Küsse zwischen Männern durchaus als normal angesehen. Ludwig II. scheute sich allerdings, seine Homosexualität, genauer Homoerotik, auszuleben, da seine Ansprüche an sich selber und an das Königtum von Gottes Gnaden sehr hoch waren." Zum nachfolgenden Flügeladjutanten Karl Theodor von Sauer war das Verhältnis weniger romantisch. Der verheiratete Mann suchte in Ludwig schließlich weniger einen Freund als ein pekuniäres Auskommen. In einem Brief an seine Frau freute er sich im Dezember 1867, mit seiner Beförderung zum Major auf ein Jahreseinkommen von wenigstens 2.900 Gulden zu kommen. Mindestens ebenso freute sich des Königs "Seelenverwandter" Richard Wagner über finanzielle Zuwendungen: "Fast wäre es dem Komponisten gelungen, dass Ludwig seine Forderung, das ganze Kabinett auszuwechseln, erfüllt hätte, nachdem ihm eine hohe Sondergratifikation nicht in Scheinen, sondern säckeweise in Silbermünzen ausbezahlt worden war, was ihn zutiefst erboste." Als neue Zuschüsse lockten, zeigte sich Wagner allerdings versöhnt. Der König war mit fortschreitendem Alter dagegen immer weniger versöhnlich. Als das Geld für seine teuren Schlösser zur Neige ging, wollte er das Ministerium entlassen: "Am 28. Januar 1886 fordert er seinen Flügeladjutanten Graf Dürckheim-Montmartin schriftlich auf, das benötigte Geld notfalls mit Gewalt zu beschaffen." Als ihm Dürckheim erklärt, dass in Bayern gar niemand strafbare Handlungen begehen dürfe, befahl der König, beim nächsten Mal, "zur Regulierung seiner Finanzen den Landtag einzuberufen. Dieser und das Volk müssten für seine Schulden aufkommen".


Gulden (Bayern, 1866, 900er Silber, 10,6 Gramm, 31 mm)

Bildquelle: Katz Auction 138, Los 203


Beim Lesen des Buches, das fast den gesamten Lebensweg des "Märchenkönigs" abdeckt, verfestigt sich der Eindruck, dass Ludwig wenig Märchenhaftes an sich hatte. Er war vielmehr ein launisches, verstörtes Individuum, das im Leben nichts anderes als einen echten Freund suchte. Auf dieser Suche sah er sich jedoch immer wieder enttäuscht. Auch zu seinen Flügeladjutanten versuchte er, einen freundschaftlichen Kontakt aufzubauen. Als Ludwig die Hoffnung auf den "Richtigen" aufgegeben hatte, zog er sich in die Traumwelt seiner Schlösser zurück. Einen Mann von der Straße, der solche Allüren zeigte, hätte man längst vergessen. Der bizarre König mit seinen Schlössern dagegen wurde zu einem Mysterium, das bis heute fasziniert, zumindest in Bayern. Und so erfährt der geneigte Leser, dass der Sammler Sepp Schleicher sogar ein virtuelles Museum für seine 3.000 Exponate ins Leben gerufen hat: "Das Ludwigseum soll ein lebendiger Treffpunkt für Menschen werden - ein beispielloser Ort, an dem Besuchern das Herz aufgeht. Das Ludwigseum soll ein Erlebnisraum werden, um ganz in die Welt König Ludwigs II. eintauchen zu können."


Dietmar Kreutzer

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