Jahrbuch der Kölner Münzfreunde (6. Jahrgang, 2025)
- Dietmar Kreutzer

- vor 5 Tagen
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Zum Jahreswechsel haben die Kölner Münzfreunde erneut ein gut gefülltes Jahrbuch veröffentlicht. Die sechste Ausgabe vereint auf 268 Seiten elf Aufsätze und Nachrichten aus dem Verein. Athens Tetradrachmen: Vier Antworten auf vier nicht gestellte Fragen ist ein umfangreicher Beitrag von Werner Schäfke überschrieben, dem ehemaligen Leiter des Kölnischen Stadtmuseums. Man sollte meinen, dass über die Tetradrachmen inzwischen alles gesagt sei. Für Schäfke bleiben aber vier Fragen offen. Erstens: Der Wechsel vom frontal zum im Profil gesehenen Auge Athenas wird durchaus erwähnt, aber nie wird gefragt: Warum schaut uns Athemas Auge zuerst frontal gesehen an und seit wann dann im Profil gesehen weg? Zweitens: Teuer bezahlt, aber nie hinterfragt: Warum ist auf Athens Tetradrachmen vor dem "Neuen Stil" ein vollständiger Helmbusch so selten? Absicht oder Unfähigkeit? Drittens: Warum war etwa 165 in der mediterranen Geldwirtschaft Raum frei, die Athemer Tetradrachmen neu zu gestalten und auf das traditionelle, so errfolgreicheErscheinungsbild zu verzichten? Viertens: Nie gefragt: Warum sind wir mit Athener Tetradrachmen zufrieden, die kerinevier Drachmen wiegen? Und warum waren die Athener und ihre Kunden damit zufrieden? Zu dieser letzten Frage darf verraten werden, dass das Untergewicht auf einbehaltene Produktionskosten zurückzuführen ist, also etwas mit dem Aufwand, den Investitionen vom Abbau des Erzes bis zur Prägung der Münzen zu tun hat.

Rainer Pudill kennt man von seinen Büchern Schicksalsjahre eines Kaisers. Hadrian in Ägypten im Spiegel numismatischer Quellen und Göttlicher Antinoos: Ein Idealbild jugendlicher Schönheit (beide Regenstauf 2017). Sein Beitrag beleuchtet einen neuen Aspekt seines Spezialgebietes. Stadtrömische Medaillons und medaillonartige Prägungen Kaiser Hadriansaus Asia Minor. Zunächst äußert sich Pudill zum Unterschied von Medaillons und Münzen der römischen Kaiserzeit. Das hohe Gewicht, das keinem geläufigen Münzstandard entspricht, ist ein Unterscheidungsmerkmal, außerdem sind die Qualität des Exemplares bedeutsam, die künstlerische Ausführung, die Wahl unüblicher Rückseitenmotive und bersondere Gestaltung des Randes: Die außergewöhnliche Ausführung, die teils aufwändige Gestaltung und die kleine Auflage der Medaillons lassen darauf schließen, dass sie in der Regel nicht als Zahlungsmittel dienten, sondern als Geschenke für verdiente Personenkreise bzw. Persönlichkeiten gedacht waren oder auch zu besonderen Anlässen von Honoratioren der Stadt gestiftet wurden.
Auf den Seiten 89/90 etwa sind Exemplare aus Smyrna abgebildet, wo der Stratege Antonius Polemon geboren wurde. Er war ein Freund von Hadrian: Wie später prachtvolle Medaillen für Antinoos , hat Polemon auch weitere Münzen der Stadt in Medaillengröße - z.B. mit Zeus auf dem Revers - seinem kaiserlichen Freund gestiftet und die Kosten für die Herstellung übernommen.

Der Kurzbeitrag Zum Kölner Gewicht von Henner R. Meding verspricht Aufklärung zur Kölnischen Mark zu geben, die in numismatischen Abhandlungen so häufig zitiert wird. Beginnend mit der Reichsmünzordnung von 1524 sollte mithilfe dieses Gewichtes das Münzwesen im zersplitterten Reich standardisiert und vereinheitlicht werden. Ausgangspunkt dient der Kölner Pfennig. Die Mark als Gewichtsmaß ist in Köln seit Mitte des 11. Jahrhunderts anzutreffen. Als Kölnische Mark hat sie damals 210,42 Gramm auf die Waage gebracht. Aus ihr wurden 144 Denare geschlagen: Nach Untersuchungen von Kruse unter Einbeziehung des Bopparder Münzvertrages von 1282 zwischen König Rudolf und Erzbischof Siefried von Köln ergab sich eine legierte raue Mark mit 233,8123 Gramm. Aus ihr wurden nun 160 Denare geschlagen. Der nächste Schritt kam am 26. Novembner 1385 mit dem Abschluss eines Münzvertrages der Kurfürsten von Trier, Köln, Mainz und der Pfalz über die Prägung von Gold- und Silbermünzen zustande. In ihm wurde die Mark auf 233,856 Gramm gesetzt. Mit diesem Gewicht wurde sie in die Reichsmünzordnung von 1524 als Münzgewicht-Standard für den rheinischen Gulden übernommen. Mit der Festlegung des Zollpfundes verlor sie ihre Bedeutung.
Text und Fotos: Dietmar Kreutzer




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