Presse: Die Themen der MünzenRevue im März 2026
- Dietmar Kreutzer

- vor 10 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Die neue MünzenRevue bietet diesmal einen besonders spannenden Mix aktueller Meldungen aus der Welt der Numismatik und historisch inspirierenden Themen. Es geht unter anderem um den preußischen Prinzen Heinrich, der in Gesellschaft von Männern auftaute, unterschlagene Goldmünzen aus einem Schatzfund und einen Zwergenstaat, von dessen Existenz heute kaum noch jemand etwas weiß.
Helmut Caspar würdigt in der Titelgeschichte mit journalistischer Bravour den vor 300 Jahren geborenen Prinz Heinrich von Preußen (1726-1802), den kleineren Bruder des großen Friedrich, der immer nur die zweite Geige spielen durfte: Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten würdigt einen Prinzen, der fast König von Polen geworden wäre, hätte Friedrich II. dagegen nicht sein Veto eingelegt, während Heinrich vom Anerbieten, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, vorsichtshalber selbst Abstand nahm. Bevor Caspar die wenigen Medaillen, die auf den Prinzen geprägt wurden vorstellt, zeichnet er gekonnt ein Bild des zu Unrecht fast Vergessenen: Prinz Heinrich war ein bedeutender Feldherr und Diplomat, gern gesehener Gast an den Höfen in Paris, Sankt Petersburg und Stockholm, ein Förderer der Künste und mehr als ein habes Jahrhundert Herr über den Theinsberger Musenhof. (...) Heinrich konnte charmant und liebenswürdig sein, wenn er junge Männer um sich hatte. Doch wenn es um die eigene Gemahlin Wilhelmine von Hessen-Kassel ging, ließ er ähnlich wie Friedrich II. im Verhältnis zu seiner Gattin Elisabeth Christine jede Contenance fahren und konnte sehr ungnädig sein.

Gleich drei neue Sammlermünzen aus Deutschland werden im Heft präsentiert, zwei silberne und eine 100-Euro-Münze aus Gold. Die 35-Euro-Sammlermünze 150 Jahre Richard Wagner-Festspiele Bayreuth ist in der grafischen Gestaltung vielleicht die gelungenste. Über den Gewinner Ulrich Böhme aus Stuttgart heißt es im Protokoll der Preisgerichtssitzung: Der siegreiche Entwurf verbindet im zentralen Münzbild das Porträt Richard Wagners in leichter Dreiviertel-Ansicht gekonnt mit einem Querschnitt des Festspielhauses auf dem Grünen Hügel. Die handwerklich hervorragend ausgearbeitete Profilansicht greift auf die visionär blickende, ikonische Darstellung Wagners mit Samt-Barett zurück. Erläuternd wird dem Bildnis eine Plakette mit dem Namenszug des Komponisten beigegeben. Das dem Blick des Betrachtenden geöffnete Festspielhaus besticht nicht nur durch seinen hohen Grad an Detailtiefe, sondern auch durch die Idee, eine architektonische Schnittzeichnung des gesamten Festspielhauses mit Zuschauersaal, Bühnenturm, legendärem Bayreuther Klang-Raum-Orchestergraben und Hinterbühne abzubilden. Die moderne Komposition aus Porträt und Architektur ruht auf einem monumentalen Schriftsockel, der in serifenbetonterSchrift den Ausgabeanlass nennt. Die mit der Bildseite vortrefflich harmonisierende Wertseite greift die Monumentalität durch die blockhafte Anordnung der Aufschriften auf. Über dem Schriftbild thront mit aufgespanntem, vorhanggleichem Federkleid ein würdevoller Adler, der in seiner vertikalen Ausrichtung auf den Gebäudequerschnitt der Bildseite antwortet. Angesichts der immer wiederkehrenden Kritik an den Münzbildern sowie dem jüngsten Theater um Nennwert und Legierung der deutschen Silbermünzen ist diese Münze immerhin ein echter Lichtblick!

Der Artikel Otto von Bismarck - Eine umfassende Medaillensammlung auf den "Eisernen Kanzler" lenkt den Blick auf ein ungewöhnliches Sammelgebiet: Am 1. April 2026 versteigert die Münzenhandlung Harald Möller in ihrer Auktion 87 die Sammlung Ostermann, eine Otto von Bismarck gewidmete umfassende Spezialsammlung mit über 1500 Medaillen, dabei sogar eine Auswahl von Medaillen auf das Schlachtschiff "Bismarck". Diese Sammlung ist selbst ein monumentales Denkmal auf Bismarck, das wegen der Vielzahl der Motive, der Künstler, der Präge- und Gussanstalten, der Stile und natürlich des hohen politischen und künstlerischen Stellenwerts die Beachtung der Sammler, Numismatiker und Historiker verdient. Beeindruckend, was für Bilder von diesem Sammelgebiet gezeigt werden!

Bildquelle: Münzenhandlung Möller
Matthias Hommel schreibt über Die Triestiner Lira - Realität oder Fiktion? Über das Freie Territorium Triest, einen Zwergenstaat an der Adria hatte ich noch nie etwas gehört. Wie es zu seiner Gründung kam, erfuhr ich aus dem Artikel allerdings auch nicht. Nachdem ich ihn gelesen hatte, schlug ich im ZEIT-Lexikon nach. Dort heißt es, dass das italienische Triest im Jahr 1943 zunächst von deutschen Truppen und zwei Jahre später von jugoslawischen Partisanen besetzt worden sei und damit zum Streitobjekt zwischen Italien und Jugoslawien wurde: Noch 1945 wurde Triest mit westlichem und nördlichem Umland einer Zone A (unter angloamerikanischer Besatzung) zugeteilt, die zusammen mit der Zone B im Süden der Stadt (unter jugoslawischer Besatzung) gemäß dem Pariser Frieden 1947 einen Freistaat unter Aufsicht der UN bildete nach dem Londoner Abkommen von 1954 wurde die Stadt Triest mit dem Großteil der Zone A an Italien zurückgegeben, während die erweiterte Zone B bei Jugoslawien (Slowenien) verblieb. Der Beitrag beschäftigt sich vor allem mit den Zahlungsmitteln, die in den beiden Zonen umliefen. Spannende Episoden, die den Alltag der Menschen damals zugänglich machen, sucht man vergebens. Dafür gibt es eine Fülle an schwer lesbaren Informationen: Die Ausgaben der Gospodarska Banka für Istrien, Rijeka und das Slowenische Küstenland werden in verschiedenen Veröffentlichungen als "Triestiner Lira" aufgeführt, korrekterweise müsste sie aber als "Istrische Lira" bezeichnet werden, da sie nie in Triest bzw. der Zone A von Julisch-Venetien zirkulierte.
Bildquelle: Numista, Heritage Auctions
Eine größere Zahl von Lesern dürfte interessieren, wie die chinesischen Anlage- und Sammlermünzen mit dem Panda entstanden, die in den letzten Jahrzehnten die halbe Welt eroberten. Vom Großen Panda als Tier gibt es weltweit nur etwa 2000 Exemplare. Dennoch ist er vor allem bei kleinen Kindern beliebt, manchmal sogar sehr großen. Als dem Münchner Tierpark Hellabrunn jüngst ein Paar Riesenpandas angekündigt wurden, gestand der bayerische Ministerpräsident Söder im Januar des Jahres, wie "knuffig" er die Tiere finde. In seiner neuen Münzgeschichte erzählt Rainer Albert von den Anfängen der Münzen mit dem Panda. Unter der Führung von Deng Xiaoping wollte sich China vor über 40 Jahren der Marktwirtschaft öffnen. Dafür den Freihandel mit dem Westen wurden aber Devisen gebraucht: China schuf 1982 mit den Panda-Münzen eine Alternative zu etablierten internationalen Anlagemünzen wie dem südafrikanischen Krügerrand, dem kanadischen Maple Leaf und dem US-amerikanischen Gold Eagle. (...) Peter Anthony vermutet in seinem Standardwerk "The Gold and Silver Panda Coin Buyer's Guide", dass die Wahl dieses ikonischen Panda-Motivs auf den amerikanischen Dokumentarfilmer Gary Bush zurückzuführen sei, der den Film "Save the Panda" über die Tiere gedreht und die chinesische Münzprägeanstalt dazu gedrängt habe, den Panda auf die nationalen Münzen zu bringen.
Dietmar Kreutzer
Eine Leseprobe der neuen MünzenRevue und die Möglichkeit, das Heft zu bestellen, finden Sie hier.








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