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Kopf & Kragen: Schlaglichter der Sonderausstellung des Wiener Münzkabinetts

Autorenbild: Dietmar Kreutzer
Dietmar Kreutzer
vor 3 Stunden
3 Min. Lesezeit

Waren die Herrscherporträts auf Münzen und Medaillen bis ins 18. Jahrhundert von wechselhaften Moden gekennzeichnet, dominieren heute betont sachliche Porträts. Das zeigt die aktuelle Sonderausstellung des Wiener Münzkabinetts einerseits am Beispiel von der Prägungen von Kaiser Joseph II. und andererseits an modernen Darstellungen.


Zugang zur Sonderausstellung im Münzkabinett

Foto: Kreutzer


Noch bis auf weiteres wird im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums die Sonderausstellung Kopf & Kragen: Münzen machen Mode gezeigt. Im Text zur Einführung heißt es: "Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung gilt den symbolträchtigen Kopfbedeckungen. Die Münzporträts antiker römischer Kaiser und der englischen Königin Elisabeth II. haben eines gemeinsam: einen Lorbeerkranz als Symbol für Sieg und göttliche Legitimation. Seine Darstellung zieht sich wie ein roter Faden durch die Münzgeschichte und verbindet Epochen und Geschlechter. Prunkvolle Kaiser- und Königskronen, traditionelle Kopfbedeckungen indigener Völker, imposante Hüte und kostbare Schleier spiegeln höfischen Glanz und gesellschaftliche Rollenbilder wider." Bei einem Besuch des Kunsthistorischen Museums gelang es mir, die in der Ausstellung präsentierten Münzen und Medaillen, die zur Zeit von Kaiserin Maria Theresia und ihres Mannes geprägt wurden, näher in Augenschein zu nehmen.


Familienmedaillon (Österreich, 1759 (1958), 900er Silber, 104,5 g, 60 mm)

Bildquelle: NumisDeal, Kendro


Originalstempel der Medaille

im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums

Foto: Kreutzer


Wenige Jahre vor der Frankfurter Krönung von Joseph II. zum deutschen König wurde im Jahr 1759 die Nachkommenschaftsmedaille von Franz I. Stephan und Maria Theresia geprägt, von der unter anderem der Oberstempel ausgestellt ist. Sie zeigt auf der Rückseite ein Porträtmedaillon des künftigen Kaisers, umgeben von den Porträts seiner Geschwister. Bereits hier fällt als Standesmerkmal die Allonge-Perücke mit Zopf auf, ebenso eine Uniform, die überdeckt wird von einem Mantel, der im Wind zu wehen scheint. Die Vorderseite mit den einander zugewandten Porträts von Kaiser Franz I. Stephan und seiner Frau Maria Theresia sind mindestens ebenso eindrucksvoll. In die wallende Haarpracht des Kaisers ist ein Lorbeerkranz geflochten, in die hochgesteckte Frisur der Kaiserin eine Perlenkette. Die Uniform des Kaisers mit Ordenskette ist ebenso von einem "fliegenden" Mantel umwunden wie das dekolletierte Kleid der Kaiserin. Zu sehen ist damit eine für die Zeit typische Bildsprache!


Krönungsmedaille (Joseph II., 1764, Gold, Avers) von Martin Krafft mit Detail des Porträts

Foto: Kreutzer


Zur Krönungsmedaille von Kaiser Joseph II. (1741-1790) im Frankfurter Dom, die fünf Jahre später stattfand, heißt es in der Ausstellung: "Die Reichskrone gehört zu den bedeutendsten Schätzen der Kaiserlichen Schatzkammer in der Hofburg. Gefertigt aus Gold, Emaille, Perlen und Edelsteinen war sie über Jahrhunderte hinweg das zentrale Symbol der Macht bei den Krönungen der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Sie blickt auf eine lange, ereignisreiche Geschichte zurück, die tief in die europäische Vergangenheit hineinreicht. Begleitend zu den Krönungsakten wurden kostbare Medaillen ausgegeben, die vor allem den höchsten Mitgliedern der kaiserlichen Familie sowie ranghohen Würdenträgern vorbehalten waren. Ein herausragendes Beispiel ist die Medaille zur Krönung Josephs II. im Jahr 1764 in Frankfurt am Main. Die Ausgabe in Gold, von der in der Ausstellung die Vorderseite zu sehen ist, wird als Medaille zu 49 Dukaten ausgewiesen. Von der Ausgabe in Silber wird die Rückseite. mit der Krönungsszene im Frankfurter Dom Sankt Bartholomäus gezeigt.


Krönungsmedaille (Joseph II., 1764, Silber, Revers) mit Detail der Krönungsszene

Foto: Kreutzer


Waren es im 18. Jahrhundert noch Kronen und Allonge-Perücken sowie besondere Kleidungsstücke, mit denen königliche Macht und Würde verdeutlicht wurde, änderte sich das Herrscherbild im 19. Jahrhundert von Grund auf. Mit der Französischen Revolution kamen die verzopften Perücken aus der Mode: "E ine antikisierende Kurzhaarfrisur setzte sich durch - inspiriert von römische Kaiserdarstellungen. Das kurze gelockte Haar wurde als Seitenscheitel oder nach vorne gekämmt getragen." Die herrschaftlichen Attribute der Kleidung wichen vielfach einem nackten Halsanschnitt. An dieser zurückhaltenden Art der Darstellung, mit welcher der Charakter der Abgebildten in den mittelpunkt gerückt wird, hat sich bis heute nicht viel geändert. Das lässt sich an den britischen Monarchen nachvollziehen: "Die großen modischen Umbrüche, die Münzen im 16. oder 17. Jahrhundert widerspiegeln, werden heute auf dem Münzbild nicht mehr abgebildet."


Dietmar Kreutzer

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