Ausstellung und Magazin "Kopf & Kragen. Münzen machen Mode"
- dietmarkreutzer4
- vor 11 Stunden
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Das Münzkabinett im Kunsthistorischen Museum Wien zeigt seit einigen Wochen die Ausstellung Kopf & Kragen. Münzen machen Mode. Auf der Website des Museums heißt es:
Münzbilder zählen zu den kleinsten Porträts der Welt. Auf engstem Raum zeigen sie detailgetreue Brustbilder - meist im Profil. Die Kleinheit der Münzporträts erfordert nicht selten eine symbolhafte Bildsprache. Die darstellten Frisuren, Kleidungsstücke und Accessoires sind mehr als ästhetisches Beiwerk. Sie sind ein Spiegel des Zeitgeistes und ein Fenster in die Kultur vergangener Epochen. Kopf und Kragen präsentiert über hundert Münzporträts aus kulturhistorischer Perspektive und zeigt Fashion und Lifestyle aus mehreren Jahrtausenden.

Als Modetrendsetterin der frühen Neuzeit gilt die französische Königin Maria de’ Medici. Ihre Medaillen (siehe Abbildung, dort mit einem für die Ausstellung farblich herausgehobenem Kragen) zählen zu den Höhepunkten der Graveurkunst: Darin entfalten ihre voluminösen Spitzenkrägen eine beinahe dreidimensionale Wirkung. Diese fächerförmigen Stehkrägen, Ende des 16. bis ins frühe 17. Jahrhundert sehr en vogue, wurden schließlich sogar nach ihr benannt und sind als „Medici-Krägen“ bekannt.
Auch Frisuren waren Ausdruck von Macht und Modebewusstsein. Männliche Herrscher trugen ihr Haar gerne kinnlang, ein Jahrhundert später hingegen kurz – dafür zählten spitze Kinnbärte zu den Must-haves. In der Ausstellung begegnen Besucherinnen und Besuchern etwa dem Mailänder Herzog Ludovico Maria Sforza mit seinem charakteristischen zazzera-Haarschnitt – dem Renaissance-Bob – und König Ludwig XII., der auf Münzen modische Kopfbedeckung und französische Lilienkrone vereinte.
In der Renaissance wurden Hüte zu wahren Modestatements. Wer Rang und Namen hatte, trug Barett oder Myllan Cap – gefertigt aus Brokat, Samt oder feinem Filz. Diese kunstvollen Kopfbedeckungen verrieten Stand, Bildung und Haltung. Adelige Frauen zeigten sich mit aufwendigen Flechtfrisuren und reich bestickten Hauben. An den europäischen Höfen des Barock ließen sie sich ihre Haare zu künstlerischen Hochsteckfrisuren kämmen, die Fürsten trugen überdimensionale Lockenperücken.
Die Kleinheit der Münzporträts erfordert eine symbolkräftige Bildsprache. Die dargestellten Frisuren, Kleidungsstücke und Accessoires sind mehr als ästhetisches Beiwerk, sie sind ein Spiegel des Zeitgeistes und ein Fenster in die Kultur vergangener Epochen. Die Ausstellung Kopf & Kragen zeigt, dass Mode und Macht seit jeher untrennbar verbunden sind. Porträts dienten der Inszenierung und Selbstdarstellung. So bieten Münz- und Medaillenporträts Einblicke in die Modegeschichte.




Zu der Ausstellung ist ein überraschend moderner Katalog erschienen, der wie ein Modemagezin. gestaltet ist. Im Vorwort dieses Kataloges schreibt Jonathan Fine, dem Generaldirektor des Kunsthistorischen. Museums:
Wer denkt, dass Münzen nur trockene Materie für Expert*innen sind, wird beim Blättern in diesem Magazin überrascht sein. Denn das Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums beherbergt nicht nur eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen seiner Art - es ist auch ein Schatzkästchen voller Gesichter, Geschichten und großer Gesten auf kleinstem Raum.
Die Ausstellung Kopf & Kragen. Münzen machen Mode zeigt, wie viel Stil in Metall steckt. Auf Münzen finden sich die kleinsten Porträts der Welt, sie offenbaren auf wenigen Millimetern nicht nur das Aussehen und das Prestige von Herrscher*innen, sondern auch ihre modischen Ansprüche - und manchmal sogar ihren Eigensinn. Über 100 Münzporträts von der Antike bis in die Neuzeit geben Einblicke in Mode, Macht und Selbstinszenierung. Halskrausen, Kronen, Locken und Bärte erzählen von Status und Stilbewusst- sein ihrer Zeit - sie bilden den Kragen zum Kopf. Die Ausstellung stellt somit Fashion und Lifestyle aus mehreren Jahrtausenden vor.
Wir zeigen symbolträchtige Kopfbedeckungen, Frisuren und Barttrends als Statussymbole und selbstbewusste Selbstdarstellungen auf kleinstem Format. Um die Rolle der Mode in diesem Zusammenhang noch besser zu veranschaulichen, haben wir mit zwei Meisterklassen der Wiener Schule KunstModeDesign Herbststras- se zusammengearbeitet, deren Arbeiten ebenfalls im Rahmen der Ausstellung präsentiert werden. Passend dazu haben wir für diese Begleitpublikation bewusst die Form eines Modemagazins gewählt - elegant, visuell opulent, überraschend anders.
Die Ausstellung ist bis zum Herbst 2026 im Münzkabinett des Kunsthistorschen Museums Wien am Maria-Theresien-Platz zu sehen. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr, donnersgags bis 21 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 22 Euro.
Dietmar Kreutzer




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