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Gott erhalte unseren Silberberg: Sammelthema Ausbeutemünzen sehr beliebt

Auf vielen Münzen und Medaillen ist vermerkt, woher das Silber, manchmal auch das Gold stammt, aus dem sie bestehen. Diese Stücke mit Aufschriften wie „Der Segen des Bergbaues“ oder „Gott erhalte unseren Silberberg“ sind ein beliebtes Sammelthema, das in den Angeboten des Münzhandels und auch auf Münzbörsen reichlich vertreten ist. Die so genannten Bergwerk- oder Ausbeutemünzen sind in Katalogen und Abhandlungen wissenschaftlich aufgearbeitet, so dass sich Spezialsammler gut orientieren können.


Die Ausbeute der braunschweigischen Grube Lautenthal wird auf dem vierfachen Lösertaler von 1685 gefeiert. Das Bild der auf einer Schnecke stehenden Frau mit der Laute bezieht sich auf den Namen der Grube.


Der sächsische Doppeltaler von 1786 feiert die Ausbeute der Grube „Beschert Glück“ bei Freiberg.


Dass man Gottes Segen für alles erbat und beschwor, was mit dem Bergbau sowie der Verhüttung und Verarbeitung des Silbers, manchmal auch des in Bergstollen und Flüssen gewonnenen Goldes erbat, kann man gut nachvollziehen. Denn vielfach hing der Wohlstand eines Landes davon ab, ob es über Edelmetall-Ressourcen verfügte oder nicht. Fürstentümer in günstigen Lagen wie Anhalt, Braunschweig, Henneberg, Mansfeld, Reuß, Sachsen oder Stolberg waren begünstigt, während andere Territorien wie Mecklenburg oder Brandenburg sowie viele mit dem Münzrecht ausgestattete Städte das für die Geldherstellung benötigte Edelmetall teuer ankaufen mussten und aus dem Münzgeschäft weniger Erlöse erhielten.


Bilder zum Thema Bergbau gingen im 16. Jahrhundert von Hand zu Hand. Dieser Holzschnitt lässt ahnen, unter welchen Gefahren und mit welch einfachen Werkzeugen Schätze den Bergen abgerungen wurden.


Unter den braunschweigischen Silbermünzen gibt es manche Riesen. Die im 16. und 17. Jahrhundert geprägten Lösertaler in Werten von 1 ¼ bis zehn und mehr Talern sind groß, schwer und unhandlich. Sie verdanken ihre Entstehung dem Wunsch von Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, dass jeder braunschweigische Untertan silberne „Notpfennige“ besitzen soll. Er wollte, dass das im Land geförderte Edelmetall dort bleiben und nicht ins Ausland abwandern oder im Schmelztiegel landen soll. Auf den sehr seltenen Juliuslösern von 1574 und folgenden Jahren ist das Brustbild von Herzog Julius in Rüstung mit einer Streitaxt dargestellt, umgeben von einem doppelten Rahmen mit Tierkreiszeichen und einem doppelten Schriftkreis ganz außen. Die deutsche Inschrift besagt, dass es sich um das „Newe Muntz Geprege zu Heinrichstadt nach des Reiches Schrot und Korn genannt Brunswigs. Julius Löser am Wert X (10) Taler“ handelt. Ergänzt wird diese Angabe durch den lateinischen Wahlspruch „Aliis inserviendo consumor“, was so viel bedeutet wir „Anderen zu dienen zehre ich mich auf.“


Die zum Kurfürstentum Hannover gehörende Grube "Güte des Herrn" zeigt sich auf dem Talern von 1740 von ihrer schönsten Seite.


Dass sich der Herzog im Dienst für sein Volk förmlich aufopfert, ist zwar ein schönes Bild, das aber nicht stimmt, denn die Vermarktung des Grubensilbers geschah in ureigenem Interesse und auf persönliche Rechnung des Landesherrn. In seinem „Handwörterbuch der gesammten Münzkunde für Münzliebhaber und Geschäftsleute“ (Halle und Berlin 1811) schreibt Carl Christoph Schmieder, der Herzog habe diese Stücke von der Ausbeute seiner Silbergruben prägen lassen, „von welchen jeder Hauseigentümer einen nach Verhältniß seines Standes einlösen mußte, daher der Name Löser. Adlige nahmen ganze zu 10, der Mittelstand halbe zu 5 und der gemeine Mann Viertel zu 2 ½ Species. Auf Verlangen musste Jeder seinen Löser vorzeigen, den er wohl im Nothfall versetzen, aber nicht verkaufen durfte. Vermöge dieser Anordnung konnte der Herzog immer wissen, wie viel baares Geld er im Lande habe, das man im Falle der Noth eingefordert und in kleine Münze verwandelt haben würde. Sie sind aber nie eingefordert worden und, wie viel deren überhaupt geschlagen wurden, weiß man nicht. Sie sind aber sehr selten geworden, nachdem sie sich in alle Welt zerstreut haben und viele gewiss von Goldarbeitern eingeschmolzen wurden.“


Um Edelmetall vom Bergwerk zur Weiterverarbeitung in einer Münzstätte sicher transportieren zu können, wurde bewaffneter Begleitschutz eingesetzt, wie auf der Illustration aus dem 19. Jahrhundert zu sehen ist.


Obwohl es einige römische und mittelalterliche Münzen gibt, auf denen die Herkunft des Metalls vermerkt ist, sind Ausbeutemünzen im engeren Sinn eine „Erfindung“ der Neuzeit, als man auf Münzen und Medaillen ganze Bergbaulandschaften und Erzgruben darstellte oder auch jene Bergknappen in ihrer Arbeits- und Festkleidung zeigte, die unter schwierigen, oft lebensgefährlichen Bedingungen den Gruben das begehrte Metall abgewannen und dafür geringen Lohn erhielten. Münzbilder zeigen oft in der Vogelperspektive beziehungsweise in einem Durchschnitt von oben nach unten, wie die Erzgruben beschaffen sind und wie dort gearbeitet wird. Zu erkennen sind Schächte und Seilwinden, Leitern und Loren sowie Röhren zur Be- und Entlüftung und andere technische Einrichtungen. Bergleute sind dabei, mit Wünschelruten nach versteckten Erzgängen zu suchen. Außerdem werden die Berglandschaften durch allegorische Darstellungen, Wappenschilder und weitere Motive bereichert. In das Sammelgebiet gehören auch Münzen, auf denen Bergknappen in Arbeits- und Festkleidung als Schildhalter fungieren.


Nachdem die Grafschaft Mansfeld 1815 an Preußen gefallen war, haben dessen Könige aus der silbernen Ausbeute der dort befindlichen Gruben eine reiche Talerprägung entfaltet. Dieser Ausbeutetaler von 1830 verzichtet auf traditionelle Bergbaumotive.



Der Ausbeutetaler aus Henneberg von 1698 zeigt auf der Rückseite, wie die Arbeit unter Tage aussieht. Die Henne auf dem Berg ist das redende Wappen der Grafschaft.


Die Ausbeutemünzen unterstreichen, wie stolz die Landesherren auf den Besitz solcher Gruben waren. Dabei kam es nicht darauf an, ob diese viel oder wenig Edelmetall hergaben. Da die Metallausbeute oft gering war und hohe Kosten verursachte, ist die Auflage vieler dieser mitunter aus Prestigegründen hergestellten Prägungen oft gering, was sich auf den Preis auswirkt. Während numismatische Bergwerksdarstellungen im 17. und 18. Jahrhundert zu hoher Blüte gelangten, ging man im 19. Jahrhundert zu einfachen Schriftlösungen über und notierte nur noch, dass die betreffenden Geldstücke aus dem Segen des Mansfelder Bergbaues oder aus anderen Quellen bestehen.


Fotos/Repro: Caspar

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