• Helmut Kahnt

Ausbeutemünze

Aktualisiert: Juli 8

Münze, die aus dem Metall eines bestimmten Bergwerks oder aus den Gruben eines einzelnen Bergbaugebiets hergestellt wurde. Auf die Herkunft des Metalls wird auf den Prägungen ausdrücklich hingewiesen. Neben den In- und Umschriften, die sich darauf beziehen, zeigen auch die Münzbilder häufig direkte Bergbaumotive (Grubenansichten, Bergknappen oder Markscheider bei der Arbeit u. a.).


Herkunftshinweise auf das betreffende Münzmetall gibt es schon auf – allerdings wenigen und seltenen – römischen (z. B. METALLI PANNONICI) und karolingischen Münzen. Als Ausbeutemünzue im engeren Sinn werden entsprechende Gepräge ab dem 16. Jh. bezeichnet. Die frühesten sind die Andreas-Münzen (erster Taler 1533) der Grafen von Hohnstein im Harz. Seit dem 17. Jh. ließen die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg (verschiedene Linien) auch Ausbeutelöser (Mehrfachtaler) prägen. Von den Braunschweiger Herzögen (Welfen) stammt generell die variantenreichste Palette von Ausbeutemünzen. Im 18. Jh. wurden die Hinweise auf die betreffenden Gruben teilweise nur auf den Rändern der Welfentaler als Randschrift angebracht, während normale Taler-Stempel für Vs. und Rs. verwendet wurden, z. B. ANDRE MONTA- NI LUDOVICI HAEC MUNERA VENAE (Die Erzgänge der Grube Ludwig senden diese Geschenke [die Taler]), eine Randschrift auf Talern Georgs II. von Braunschweig-Lüneburg (Hannover) (1727–1760). Münzinschriften lauteten häufig so: „Die Grube ... kam in Ausbeut im Quartal ... 17...“.


Sächsischer Ausbeute-Doppeltaler 1786 der Grube „Beschert Glück“ bei Freiberg. Unter der Ansicht des Zechenhauses auf der Rückseite steht im Abschnitt die Inschrift: „KAM IN AUSBEUTE IM QUARTAL CRUCIS 1786“. Darunter steht die Gewichtsangabe des Doppeltalers im Konventionsfuß: „1/2 MARCK FEIN / SILBER“. Bildquelle: Bildquelle: Helmut Kahnt, Das Große Münzlexikon, Regenstauf 2005, S. 34.

Auf den meisten kursächsischen Ausbeutemünzen befindet sich seit 1756 die Inschrift DER SE(E)GEN DES BERGBAUES, auf den preußischen Ausbeutetalern des 19. Jahrhunderts die Inschrift DER SEGEN DES MANSFELDER BERGBAUES (so auch schon auf den Ausbeutetalern des Königreichs Westphalen). Die Umschriften auf den Stolberger Ausbeutemünzen drückten wohl den innigen Wunsch der Grafen aus: GOTT SEEGNE U. ERHALTE UNSERE BERGWERKE. Ausbeutetaler werden daher auch häufig Bergsegentaler genannt. Zu den goldenen Ausbeutemünzen zählen z. B. Eulen-Dukaten, Harzgold-Dukaten, Guinea-Dukaten und Flußgold-Dukaten, obwohl die beiden letzteren keine Verbindung zur Ausbeute aus Bergwerken haben.


Ausbeutetaler 1767 von Fürstenberg aus der Ausbeute der Grube „St. Wenceslaus“ im Schwarzwald. Die Inschrift im Abschnitt auf der Rückseite lautet: „DIE GRUB S. WENCESLAUS BEY WOLFFACH KAM IN AUSBEUTH IM QUARTAL REMINISCERE 1767“. Bildquelle: Bildquelle: Helmut Kahnt, Das Große Münzlexikon, Regenstauf 2005, S. 34.

Die Mehrzahl der Ausbeutemünzen stammt aus deutschen Territorien; es gibt jedoch auch Ausbeutemünzen von anderen europäischen Staaten und den USA.


Deutsche Ausbeutemünzen sind z. B. bekannt von Anhalt (verschiedene Linien), Baden, Bayern, Böhmen, Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth, Braunschweig- Lüneburg (verschiedene Linien), Fürstenberg, Hanau-Münzenberg, Hannover (Königreich), Hatzfeld, Henneberg, Hessen (verschiedenen Linien), Hildesheim (Bistum), Hohnstein, Kurköln, Kurpfalz, Kurtrier, Nassau-Weilburg, Pfalz-Neuburg, Preußen, Reuß, Haus Habsburg / Österreich, Sachsen (verschiedene Linien), Sayn-Hachenburg, Schlesien-Liegnitz-Brieg und Schlesien-Münsterberg-Öls, Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen, Schwarzenberg, Solms-Braunfels, Stolberg (verschiedene Linien), Wied-Neuwied und Wied-Runkel, Württemberg und Ysenburg-Büdingen.


Nach Müseler („Bergbaugepräge“) sind Ausbeutemünzen im eigentlichen Sinn nur solche Prägungen, die zur Zahlung der Ausbeute, also des Überschusses der Förderung nach Abzug der Kosten, verwendet wurden. Von Sammlern und Händlern wird meistens jedoch kein Unterschied zwischen „Ausbeute“ und „Ausbringen“ aus einer Grube gemacht. Das Ausbringen ist die Förderung ohne Berücksichtigung, ob die Kosten den Ertrag übersteigen, die Kuxinhaber also Zubuße zahlen mußten.


Es gibt sogar Münzen, die als Ausbeuteprägungen gekennzeichnet wurden, obwohl es eine solche Ausbeute nie gegeben hat. Ein schönes Beispiel dafür ist der Hungener „Ausbeutetaler“ von Solms- Braunfels. Die Grafen von Solms wollten damit ihre Prägeberechtigung als Besitzer von Bergsilber dokumentieren. Man könnte es als „Urkundenfälschung“ auf der Münze bezeichnen.


aus „Das große Münzlexikon“