Fünfmal Deutschland: Für Sammler beginnt das „Jahr des Silbers“ am 23. Juli
- Dietmar Kreutzer

- vor 4 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Am 19. März 2026 teilte das Bundesministerium der Finanzen die neuen Ausgabetermine aller Deutschen Sammlermünzen mitgeteilt. In unserem Beitrag Programm der deutschen Sammler- und Gedenkmünzen im 1. Halbjahr 2026 vom 31. Dezember 2025 hatten wir bereits alle geplanten Neuerscheinungen vorgestellt. Wegen des mehrfach veränderten Nennwerts und letztlich auch der Legierung haben sich jedoch die Ausgabetermine der Sammlermünzen aus Silber verschoben. Die zuletzt für den 26. März 2026 geplanten Ausgabe der ersten Sammlermünze des Jahres mit dem Porträt von Elisabeth Schwarzhaupt beispielsweise ist nun auf den 26. Januar 2027 verlegt worden. Nachfolgend finden Sie die für das Jahr 2026 geplanten deutschen Sammlermünzen aus Silber samt der neuen Ausgabetermine. Die regulären Sammlermünzen zu 35 Euro bestehen aus 500er Silber, die beiden Weihnachtsmünzen zu 50 Euro aus 625er Silber. Die unten beigestellten Abbildungen sind bezüglich des Nennwertes, der Legierung bzw. des Ausgabejahres noch nicht durchweg auf dem neuesten Stand gebracht worden. Das bitten wir zu entschuldigen.

Am 23. Juli 2026 erscheint die 35-Euro-Sammlermünze 150 Jahre Richard-Wagner-Festspiele Bayreuth.
Das Jubiläum der Bayreuther Festspiele ist ein bedeutendes Ereignis in der Welt der klassischen Musik und der Oper. Die Festspiele wurden 1876 von Richard Wagner ins Leben gerufen, um seine eigenen Werke in einem speziell dafür errichteten Festspielhaus afzuführen. Dies war eine revolutionäre Idee. Die Festspiele sind heute ein bedeutendes Ereignis im internationalen Kulturkalender. Den Wettbewerb zur Gestaltung der Münze gewann Ulrich Böhme. Im Wettbewerbsprotokoll steht: "Der siegreiche Entwurf verbindet im zentralen Münzbild das Porträt Richard Wagners in leichter Dreiviertel-Ansicht gekonnt mit einem Querschnitt des Festspielhauses auf dem Grünen Hügel. Die handwerklich hervorragend herausgearbeitete Profilansicht greift auf die visionär blickende, ikonische Darstellung Wagners mit Samt-Barrett zurück. Erläuternd wird dem Bildnis eine Plakette mit dem Namenszug des Komponisten beigegeben. Das dem Blick des Betrachtenden geöffnete Festspielhaus besticht nicht nur durch seinen hohen Grad an Detailtiefe, sondern auch durch die Idee, eine architektonische Schnittzeichnung des gesamten Festspielhauses mit Zuschauersaal, legendärem Bayreuther Klang-Raum-Orchestergraben und Hinterbühne abzubilden."

Am 17. September 2026 erscheint die 35-Euro-Sammlermünze 125 Jahre Wuppertaler Schwebebahn. Der Bau der Schwebebahn, der 16 Millionen Goldmark kostete, begann im Sommer 1898. Am 24. Oktober 1900 unternahmen Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria eine Testfahrt von Döppersberg bis Vohwinkel. Es war die erste Passagierfahrt, noch vor der offiziellen Eröffnung im folgenden Jahr. Seither wurde die Bahn ausgebaut und erneuert. Zehn Künstler beteiligten sich am Wettbewerb. Im Februar 2025 entschied eine Jury, dass der erste Preis an Heinz Hoyer (Berlin) geht: "Der Siegerentwurf zeigt einen Gelenktriebwagen der aktuellen Baureihe bei der Ausfahrt aus der Schwebebahnstation Hauptbahnhof. Wir sehen die Bahn aus der Untersicht, in Form einer raffinierten Einpunktperspektive. Dadurch ist das Bahnhofsgebäude flächenparallel zum Bildhintergrund angeordnet, der herausfahrende Zug hingegen zieht dynamisch über die Köpfe der Passanten hinweg. Die stählernen Gerüststützen ordnen die Münze zu einer festen Dreieckskomposition. Der Bahnhofsvorplatz wird dezent, aber maßstabsprägend von kleinen Menschengruppen besetzt, die die monumentale Struktur lesbar machen." Der kleine Elefant am unteren Bildrand erinnert an ein dramatisches Ereignis aus der Geschichte der Bahn. Die Zusatzfarbe Blau unterstützt die "schwebende" Wirkung.

Am 17. Oktober 2026 erscheint die 35-Euro-Sammlermünze 100 Jahre Friedensnobelpreis für Gustav Stresemann und Aristide Briand. Am 10. Dezember 1926 wurde der Friedensnobelpreis an den deutschen Außenminister Gustav Stresemann und seinen französischen Amtskollegen Aristide Briand verliehen. Gewürdigt wurde damit insbesondere ihr Engagement für die deutsch-französische Verständigung. Den Wettbewerb zur Gestaltung der Sammlermünze entschied Ulf Schüler (Schwielowsee) für sich. Aus dem Protokoll zur Preisgerichtssitzung: "Umgeben von der Aufschrift STRESEMANN . FRIEDENSNOBELPREIS . 1926 . BRIAND sind die Büsten der Staatsmänner gekonnt ins Münzzentrum gesetzt. Die fein modellierte Darstellung zeigt links Gustav Stresemann und rechts Aristide Briand, die Betrachtenden fokussiert anblickend. Im unteren Bereich ist mittig ein Anschnitt der Friedensnobelpreismedaille platziert, der die Verbindung zwischen den Geehrten und dem Anlasss praktisch vor Augen führt. Die Darstellung der Menschen im gemeinsamen Schulterschluss und die Umschrift sind der originalen Medaille, die zu diesem Anlass verliehen wurde, eng nachempfunden."

Kurzfristig ins Ausgabeprogramm 2026 aufgenommen wurde eine zusätzliche Gedenkmünze zu Ehren von Margot Friedländer, der sicherlich bekanntesten Holocaust-Zeitzeugin. Sie war am 9. Mai 2025 im Alter von 103 Jahren verstorben. Die Ausgabe der Münze ist für den 5. November 2026 geplant. Als Zeitzeugin und Überlebende des Holocaust hat sich Margot Friedländer unermüdlich für Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit eingesetzt und dafür, dass das, was Millionen von Menschen ihrer Generation angetan wurde, nie wieder passieren darf. Sie ist nicht müde geworden, jungen Menschen zu begegnen und ihnen zu sagen: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschehen ist. Aber dafür, dass es nie wieder geschieht.“ Der Entwurf der Münze stammt von der Künstlerin Anna Steinmann aus Berlin. Die Bildseite fokussiert auf die Bernsteinkette, die Margot Friedländer von ihrer Mutter vor deren Verschleppung erhalten hatte und die sie zeitlebens begleitete. Die im Entwurf wie zufällig abgelegte, gewundene Kette wird durch das Zitat SCHAUT AUF DAS WAS EUCH VERBINDET zu einem sprechenden Bild komplettiert. Im Zentrum des Münzrundes sind die Lebensdaten 1921 – 2025 zu sehen. Die Aufschrift MARGOT FRIEDLÄNDER ist in das obere Münzrund gesetzt und wird von Punkten im unteren Bereich zu einer ringförmigen Struktur ergänzt.

Am 5. November 2026 erscheint in der Serie Weihnachten die 50-Euro-Sammlermünze "Heilige Drei Könige". Diese Münze sollte ursprünglich bereits zu Weihnachten 2025 erscheinen. Die Heiligen Drei Könige sind untrennbar mit der Geburt Jesu verbunden. Im Matthäus-Evangelium werden sie als Sterndeuter bezeichnet. Im Mittelalter beginnt die legendarische Verklärung - im Kölner Dom liegen ihre Gebeine in einem prachtvollen Reliquienschrein. Am Wettbewerb für die Gestaltung der Münze beteiligten sich zehn Künstler. Am 25. Oktober 2024 entschied eine siebenköpfige Jury, dass der erste Preis an Christian Dögerl (Marquartstein) geht. Auch hier ein Auszug aus dem Protokoll der Preisgerichtssitzung: "Interessant bei diesem Entwurf ist die Dreigliederung des Motivs in verschiedene technische Vorgehensweisen - die Könige und das Jesuskind sind in filigraner Weise ausmodelliert, die beifden Dromedare im Hintergrund sind flächenhaft gehalten und suggerieren dadurch räumliche Distanz. Der am Himmel schwebende Stern mit seinem Schweif ist linear gearbeitet und behauptet so seine Bedeutung. Die Gesamtkomposition bestivcht durch die filigrane Ausarbeitung, die trotz der Fülle der Darstellung nicht überladen wirkt."

Am 26. November 2026 erscheint in der neuen Serie Weihnachtslieder die 50-Euro-Sammlermünze "Stille Nacht, heilige Nacht". Die Serie ist auf fünf Münzen ausgelegt. Die erste Münze ist einem der weltweit bekanntesten Weihnachtslieder gewidmet, das gleichzeitig als Inbegriff des Weihnachtsbrauchtums im deutschen Sprachraum gilt. Im Gestaltungswettbewerb setzte sich Bodo Broschat (Berlin) durch. Im Wettbewerbsprotokoll heißt es: "Der Siegerentwurf ist, ähnlich einer Votivtafel, annähernd symmetrisch komponiert. Der Liedtitel ist in die zwei Wortgruppen Stille Nacht links und Heilige Nacht rechts verteilt. Als größte architektonische Form finden wir die Krippendarstellung als gotischen Schrein. Maria und Josef sitzen auf einer Art Chorgestühl. In ihrer Mitte befindet sich das Kind in einem geometrisierten Futtertrog. (...) Über dem Giebel des Schreins sehen wir ein stilisiertes alpenländisches Panorama, ein Verweis auf den Entstehungsort des Liedes im Salzburgischen. Der Schrein selbst wird rechtseitig zum ehemaligen Kirchturm von Oberndorf. Die linke Giebelspitze integriert den Stern von Bethlehem. Die Grundfläche der Krippendarstellung ist in den Segmentbogen einer Weltkugel eingefügt. Die Kugel versinnbildlicht die weltweite Heils- und Friedensbotschaft, sowie die internationale Verbreitung des Liedes."
Dietmar Kreutzer




Kommentare