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Die Protagonisten der zweiten Tetrarchie

Durch die Einführung der Tetrarchie im Jahr 293 konnte Diokletian das römische Imperium sowohl außen- wie auch innenpolitisch stabilisieren. Innerhalb dieser „Viererherrschaft“ war Diokletian als „Senior Augustus“ der einflussreichste Herrscher. Nachdem Diokletian und sein Co-Augustus Maximian am 20. November 303 in Rom ihr 20-jähriges Regierungsjubiläum gefeiert hatten, dankten beide Augusti eineinhalb Jahre später, am 1. Mai 305, in Rom bzw. in Nikomedia ab. Dies war in der römischen Kaisergeschichte ein einmaliger Vorgang. Im Zuge der Abdankung der beiden Augusti rückten die bisherigen Caesares als Augusti nach, gleichzeitig wurde ihnen von Diokletian und Maximian jeweils ein neuer Caesar beigegeben.


Abb. 1 4 AV, 305 - 306, Siscia, RIC VI Siscia Nr. 148


Beginnen wir mit Constantius I., uns besser bekannt unter dem Namen Constantius Chlorus, der aus uns unbekannten Gründen zum neuen „Senior Augustus“ erhoben wurde. Sein Porträt ist auf dem Gold-Multiplum in Abb. 1 sehr schön abgebildet. Die in Siscia geprägte Münze entspricht mit ihrem Gewicht von 20,78 g einem Wert von vier Aurei zu 1/60 römischen Pfund. Das durch die kurze Umschrift „CONSTANTIVS P F AVG“ (Constantius Pius Felix Augustus - Constantius, der fromme und glückliche Kaiser) benannte Münzbildnis zeigt die nach rechts gerichtete Büste des Constantius mit Lorbeerkranz. Der Kaiser ist mit einem reich verzierten Festgewand bekleidet. Nur bei genauem Hinsehen ist die nahezu unscheinbare rechte Hand des Constantius zu erkennen, die ein kurzes Adlerzepter hält, dessen Adler auf einem Globus sitzt. Das Bildnis des Constantius entspricht dem tetrarchischen Bildnisstil: auf einem massigen Hals sitzt ein nahezu quadratischer Kopf. Haarkappe und Bart bestehen aus fein ziselierten Strähnen. Das Gesicht ist wenig modelliert, während Augenbraue, Nasenrücken und der untere Bartansatz sich scharf von der Umgebung absetzen. Die Reverslegende „CONCORDIA AVGG ET CAESS“ (Concordia Augustorum et Caesarum - die Eintracht der Kaiser und der Caesares) beschwört die Eintracht zwischen den beiden Augusti und den beiden Caesares. Im Münzbild sind dementsprechend ein Augustus und ein Caesar dargestellt. Beide sind mit einer reich geschmückten Toga bekleidet, deren Ränder wohl mit Perlbändern bestickt sind. Beide tragen das ihrem Stand zukommende Schuhwerk. Ihr Haupt ist mit Lorbeer bekränzt. Beide Togati halten mit ihrer linken Hand ein Zepter, während sie auf ihrer Rechten gemeinsam einen Globus tragen. Zwischen den beiden Togati ist noch ein großer Lorbeerkranz zu sehen, in dessen Mitte die Zahl „XX“ zu lesen ist. Diese Zahl bezieht sich sicherlich auf die Vicennalia, das 20jährige Regierungsjubiläum, von Diokletian und Maximian. Daher muss eine klare Benennung der beiden Togati offenbleiben, es könnten Maximian und Constantius Chlorus oder auch Constantius Chlorus und sein neuer Caesar Severus abgebildet sein. Die Buchstabenkombination „SIS“ im Abschnitt bezieht sich auf die Münzstätte Siscia.


Abb. 2 AV, 305 - 307, Treveri, RIC VI Treveri Nr. 620 b


Den neuen, dem Constantius Chlorus zugeordneten Caesar Flavius Valerius Severus, meist auch als Severus II. bezeichnet, sehen wir auf dem Aureus in Abb. 2 abgebildet. Der nach rechts gerichtete Kopf mit Lorbeerkranz sitzt wiederum auf einen überaus massigen Hals, der nur leicht vom Kinn überragt wird. Während Haarkappe und Vollbart nur leicht strukturiert sind, zeigen Stirn, Gesicht, Nase und Mund doch sehr feine Modellierungen. Die Legende „SEVERVS NOB CAES“ (Severus Nobilissimus Caesar - Severus, der vornehmste Caesar) benennt den Dargestellten mit seinem neuen Titel. Auf dem Revers ist ein unbekleideter, nahezu frontal stehender Herkules abgebildet. Anhand der beigefügten Attribute Keule, Bogen mit Köcher und dem von der linken Schulter herabhängenden Löwenfell ist Herkules eindeutig zu identifizieren. Die Reverslegende „HERCVLI CONSER AVGG ET CAESS N N (Herculi Conservatori Augustorum et Caesarum Nostrorum - für Herkules, den Beschützer unserer Kaiser und unserer Caesares) bezieht sich zum einen auf den abgebildeten Herkules in seiner Funktion als „Conservator“, zum anderen zeigen Bild und Umschrift die Zugehörigkeit des Severus zur Dynastie der „Herculier“, zu der auch Maximian und Constantius Chlorus gehörten. Im Abschnitt ist noch das „T“ von „TR“ als Kennmarke der Münzstätte Trier zu lesen. Wir kennen weder das Geburtsdatum des Severus noch seine genaue Herkunft. Wie seine Kollegen in der Tetrarchie stammte er aus Illyrien und machte beim Militär Karriere.

Abb. 3 AV, 305 - 306, Serdica, RIC VI Serdica Nr. 6 b


Der Nachfolger Diokletians war dessen ehemaliger Caesar Galerius Valerius Maximianus, uns besser bekannt nur unter dem Namen Galerius. Sein Porträt sehen wir auf dem Aureus in Abb. 3 abgebildet. Der nach rechts gerichtete Kopf trägt den Lorbeerkranz. Insgesamt schließt sich das Münzporträt an die anderen Münzbildnisse der Tetrarchen an, deren Merkmale auch hier wiedergegeben sind: Kurzhaarfrisur, Vollbart, massiger Hals, quadratische Kopfform und wenig individuelle Züge. Die Averslegende „IMP MAXIMIANVS P F AVG (Imperator Maximianus Pius Felix Augustus) macht durch den Namen „Maximianus“ eine Verwechslung mit Maximianus, dem Co-Augustus des Diokletian, leicht möglich. Hier ist dann das Münzporträt zur exakten Identifizierung des Dargestellten ausschlaggebend. Denn auch das Rückseitenmotiv unseres Aureus würde auf den ersten Blick eher für Maximianus als für Galerius sprechen, ist hier doch wiederum Herkules dargestellt, jetzt aber, wie die Umschrift „HERCVLI VICTORI“ besagt, in seiner Eigenschaft als der siegreiche bzw. der siegbringende Herkules. Der nach rechts gerichtete Herkules stützt sich mit seiner Rechten auf eine am Boden aufstehenden Keule. Über dem linken Arm liegt das Löwenfell, und in seiner linken Hand hält der Heros die Äpfel der Hesperiden. Im Abschnitt stehen die Buchstabenkombinationen „SM“ und „SD“. „SM“ steht für „signata moneta“, was soviel heißt wie „geprägtes Geld“, bei den Buchstaben „SD“ handelt es sich um ein Kennzeichen der Münzstätte Serdica. Das „Σ“ links im Feld scheint sich auf den Gewichtsstandard des Aureus zu einem 1/60 libra (römisches Pfund) zu beziehen.


Abb. 4 AV, 305 - 306, Serdica, RIC VI Serdica Nr. 8 b


Galerius erhielt als Caesar seinen Neffen Maximinus Daia zugeteilt, dessen offizieller Name Galerius Valerius Maximinus lautete. Dieser stammte ebenfalls aus Illyrien und war niederer Herkunft. Wie alle anderen Tetrarchen diente sich auch Maximinus Daia beim Militär hoch. Ansonsten wissen wir von diesem Herrscher sehr wenig. Der in Serdica geprägte Aureus in Abb. 4 zeigt auf seiner Vorderseite den nach rechts gerichteten Kopf des Maximinus Daia mit Lorbeerkranz. Das Münzporträt zeigt wie das des Galerius eine sehr weiche Modellierung und Linienführung, was wohl mit der Münzstätte Serdica zusammenhängt. Die Gesichtskontur erscheint in die Länge gezogen. Auffallend ist das große Auge und die tief eingegrabene Nasolabialfalte. Die Legende „MAXIMINVS NOB CAES“ benennt das Bildnis und nennt den neuen Titel des Maximinus Daia. Auf der Rückseite sehen wir ebenfalls Maximinus Daia dargestellt. Dieser steht nach links gerichtet in militärischer Tracht mit weit über den Rücken herabfallenden Paludamentum. In seiner vorgestreckten rechten Hand hält Maximinus Daia einen Globus, während sich seine Linke auf einen langen Speer stützt. Rechts bzw. hinter dem Caesar stehen zwei Feldzeichen. Die Legende „PRINCIPI IVVENTVTIS (dem Anführer der Jugend) nennt einen weiteren Titel des neuen Caesar. Mit dem Titel „princeps iuventutis“ wurden seit Augustus die potentiellen Nachfolger im Amt des Kaisers bezeichnet. Die Buchstaben links im Feld und im Abschnitt entsprechen denen auf dem Aureus in Abb. 3.


Die beiden Caesares wurden von ihren jeweiligen Augusti adoptiert. Zugleich wurden die Herrschaftsbereiche ähnlich wie bei der ersten Tetrarchie unter den vier Machthabern aufgeteilt. Constantius Chlorus behielt seine bisherigen Gebiete Gallien und Britannien, zusätzlich eventuell noch Spanien. Severus übernahm von Maximian Italien und Afrika. Galerius beherrschte weiterhin Illyrien, Thrakien und Bithynien, während Maximinus Daia den gesamten Osten übernahm. Die zweite Tetrarchie hatte allerdings nur ein knappes Jahr Bestand.


Abb. 5 AV, 311 - 313, Thessaloniki, RIC VI Thess. Nr. 44c


Am 25. Juli 306 starb Constantius Chlorus während seines Britannien-Feldzuges in Eburacum, dem modernen York. Noch am gleichen Tag wurde sein Sohn Constantin I. (Abb. 5), der spätere Constantin der Große, von den Truppen zum Augustus ausgerufen. Dadurch wurde das schöne System der Tetrarchie so kräftig durcheinander gerüttelt, dass trotz aller Rettungsversuche letztendlich diese „Viererherrschaft“ zum Scheitern verurteilt war. Aber dies ist eine andere Geschichte.


Horst Herzog

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