top of page

Die Blitze schleudernde Athena auf Silberstateren von Phaselis

Phaselis, an der lykischen Ostküste im Süden Kleinasiens gelegen, (siehe Karte, Abbildung 1) wurde dem Mythos zufolge nach der Zerstörung Trojas (um 1200 v. Chr.) vom griechischen Helden Mopsos gegründet. Wie viele griechische Helden damals, so soll auch er nach Kriegsende nicht nach Hause zurückgekehrt, sondern von der Westküste Kleinasiens durch das Taurosgebirge in den Süden Kleinasiens gezogen sein.

Abb. 1: Karte Kleinasiens in der Antike.

Quelle: E. und W. Szaivert: Griechischer Münzkatalog, Bd. 2: Asien, S. 59


Die historische Gründung von Phaselis, so die Quellen, erfolgte allerdings um 690 v. Chr. durch rhodische Siedler aus Lindos unter der Führung eines gewissen Lakios aus Lindos. Möglicherweise befand sich an der Stelle, an der Phaselis gegründet wurde, eine ältere phoinikische Vorgängersiedlung.

Da Phaselis auf einer Halbinsel mit drei natürlichen Häfen am Pamphylischen Meer lag, entwickelte es sich schon im 6. Jh. v. Chr. zu einer bedeutenden Hafenstadt mit Handelsbeziehungen bis nach Ägypten. In Naukratis in Ägypten unterhielt es ebenso Handelsniederlassungen wie Rhodos, Knidos und Halikarnassos. Die wichtigsten Exportprodukte von Phaselis waren Schiffbauholz, Holzkohle, Pech und Teer, die allesamt aus den Wäldern Ostlykiens stammten. Seit der Mitte des 6. Jh. v. Chr. stand es jedoch unter persischer Herrschaft. 469 v. Chr. eroberte der Athener Kimon die Stadt und nötigte sie zum Eintritt in den Attisch-Delischen Seebund. Zwar wurde die persische Herrschaft im 4. Jh. v. Chr. wieder hergestellt, doch erreichte Phaselis durch einen Vertrag mit dem karischen Satrapen Maussollos einen autonomen Status.


Abb. 2: Ruinenlandschaft von Phaselis

Bildquelle: Wikimedia, Dedyukhina


Im Winter 334–333 v. Chr. überwinterte die Flotte Alexanders des Großen unter Admiral Nearchos in Phaselis. Von 309 bis Ende des 3. Jh. v. Chr. wurde die Stadt von den Ptolemaiern beherrscht. Nach der Eroberung Lykiens durch Antiochos III. (197 v. Chr.) fiel Phaselis jedoch an die Seleukiden. „Nach einer kurzen Phase der Autonomie wurde Phaselis im Frieden von Apameia 188 [v. Chr.] mit Lykia Rhodos unterstellt.“ (Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Bd. 9, Sp. 757) Im Jahre 167 v. Chr. entzog Rom den Rhodiern aber die Herrschaft über Lykien und erklärte letzteres für frei, woraufhin sich der Lykische Städtebund zum Schutz dieser Freiheit bildete. Phaselis trat diesem Bund aber nur zögerlich und erst um 138 v. Chr. bei, da die Bürger von Phaselis Griechen und keine Lykier waren.

Bereits die rhodischen Siedler aus Lindos hatten den Kult der Athena Lindia nach Phaselis gebracht und diese Athena zur Hauptgöttin und Schutzherrin der Stadt (auch Athena Poliás genannt) gemacht. Doch ebenso wichtig wie der Kult der Athena Lindia war der Kult Apollons für Phaselis.

So dass man sich dann auch nicht wundern braucht, wenn diese beiden Gottheiten im 2. Jh. v. Chr auf den silbernen Stateren von Phaselis auftauchen. (Abb. 3)



Abb. 3: Phaselis (Lykien). Stater (167–130 v. Chr.), Silber, 11,16 g, Ø [Höhe, Vs.] 27 mm, Münzstätte Phaselis. Quelle: F. R. Künker, Auktion 402 (14. März 2024), Los 267


Betrachtet man die abgebildete Münze etwas eindringlicher, erkennt man vorderseitig den Kopf des jungen Apollon im Lorbeerkranz nach rechts hin und rückseitig die vorkämpfende Athena (Athena promachos) auf dem Bug eines Kriegsschiffes stehend, mit wurfbereitem Blitzbündel (Donnerkeil) in ihrer erhobenen Rechten. Links von ihr erscheint der Buchstabe Φ, den Numismatiker als Kürzel für Φ[ασηλιτων] (Ph[aseliten]) auflösen, rechts von ihr eine Schlange und im Münzabschnitt der Name des Magistrats ΑΓΥΙΑΡΧΟΣ, der für die Prägung verantwortlich zeichnete.

Nun ist der Schiffsbug kein zufällig gewähltes Motiv, sondern eins, das als Wappen von Phaselis interpretiert wird, zumal er alle Münzen von Phaselis ziert und zwar schon die ersten Silbermünzen vor 520 v. Chr. Im übrigen war Phaselis sehr stolz auf seine „schnittigen und schnellen“ Schiffe, die seine Flotte auszeichneten.

Was die Schlange angeht, die sich vor Athena ringelt, so soll es sich hierbei um die Erechthonios-Schlange handeln. Eine Schlange also, die den athenischen Urkönig Erechthonios repräsentiert und schon immer mit Athena Poliás in Verbindung gebracht wurde.

Aber war das Blitzbündel (der Donnerkeil) nicht das Attribut des Göttervaters Zeus? Sicherlich, allerdings gab Zeus dieses seiner Tochter Athena, als sie während der Gigantomachie (der Schlacht zwischen Göttern und Giganten) an der Seite der Götter gegen die Giganten kämpfte.

Übrigens, der in Abb. 3 gezeigte Silberstater stammt aus der Sammlung Dr. Kaya Sayar und wurde am 14. März 2024 in der 402. Auktion bei F. R. Künker versteigert. Die Schätzung für diesen Stater betrug 1.250,– Euro. Der Zuschlag erfolgte jedoch erst bei 11.000,– Euro.


Michael Kurt Sonntag



Literatur: Peter Robert Franke, Max Hirmer: Die Griechische Münze. München 1964; Eva und Wolfgang Szaivert nach David R. Sear: Griechischer Münzkatalog. Bd. 1: Europa. München 1980. Bd. 2: Asien und Afrika. München 1983; Oliver D. Hoover: Handbook of Greek Coinage Series. Bde. 2 und 9, Lancaster, London 2009, 2012; Wilhelm Müseler: Lykische Münzen in europäischen Privatsammlungen. Istanbul 2016; F. R. Künker: Auktionskatalog 402 (14./15. März 2024); Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Hrsg.): Der neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, 16 Bde., Stuttgart, Weimar 1996–2003.


Den in den Bildunterschriften erwähnten Quellen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

Kommentare


www.muenzen-online.com | Regenstauf

© 2025 Battenberg Bayerland Verlag GmbH

bottom of page