Aphrodite und Eros
- Michael Kurt Sonntag

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Folgt man dem fünften Gesang der homerischen Ilias, dann ist die Liebesgöttin Aphrodite die Tochter des Zeus und der Dione. Bei Hesiod dagegen, der ihren Namen vom griechischen Wort „aphros“ = Schaum ableitet, ist sie die schaumgeborene Göttin, die aus der Verbindung des abgeschnittenen Genitals des Uranos und dem Wasser des Meeres hervorgeht und vor Kypros (Zypern) dem Meer entsteigt. Was den Ursprung dieser Göttin angeht, so dürfte er wohl orientalisch bzw. phoinikisch gewesen sein. „Für die Griechen kam die Göttin aus dem Orient (Hdt. 1,105; Paus. 1,14,7), und sie gaben ihr in der Literatur gerne den Namen Kypris, die <Zypriotin>. Die doppelte Genealogie zeigt, dass sie Aphorodite zugleich als Griechin und Fremde empfunden haben, …“ (Der neue Pauly, Enzykopädie der Antike, Bd. 1, Sp. 839)
Der griechischen Mythologie zufolge heiratet Aphrodite, auf Initiative der Hera, den hinkenden Gott des Feuers und der Schmiedekunst Hephaistos, betrügt diesen aber schon bald mit Göttern und sterblichen Menschen. Aus ihrer Liebesbeziehung zum Kriegsgott Ares (lat. Mars) entspringen die Sprößlinge Eros, Harmonia, Phobos, Deimos und Anteros. Aus der Liebschaft mit Dionysos stammt der Priapos und aus ihrer Beziehung zu Hermes der Hermaphroditos. Mit dem Trojaner Anchises dagegen zeugt sie Aineias (lat. Aeneas), den trojanischen Helden und mythischen Stammvater der Römer. Ihre Liebschaft mit dem schönen Adonis endet jedoch tragisch, da dieser vom eifersüchtigen Ares in Gestalt eines Ebers während einer Jagd getötet wird.
Hesiod allerdings zählt Eros nicht zu den Söhnen der Aphrodite, sondern sieht in ihm eine der Urmächte, die Aphrodite nach ihrer Geburt begleiten. „Reiz und Liebesbegehren, Eros und Himeros, folgten, als sie [gemeint ist Aphrodite] neugeboren zur Schar der Götter emporstieg.“ (Albert von Schirnding [Hrsg. u. Übers.]: Hesiod: Theogonie, 201f.)
Übrigens, als Eris, die Göttin der Zwietracht, im Gegensatz zu den olympischen Göttern, nicht zur Hochzeit des sterblichen Peleus und der Meeresgöttin Thetis eingeladen worden war, erschien sie dennoch dort und warf trotzig einen goldenen Apfel unter die Hochzeitsgäste, auf dem die Widmung geschrieben stand: „Der Schönsten“. Bald darauf stritten die Göttinnen Hera, Athena und Aphrodite darum, wer die Schönste von ihnen sei. Zeus, der als Brudergemahl der Hera, nicht selbst Richter sein wollte, bestimmte den jungen verstoßenen Trojanerprinzen Paris, der in der Fremde als Hirte lebte, zum Richter. Nachdem Hera diesem im Vorfeld Macht, Athena Kampfkraft und Aphrodite die schönste Frau, Helena, versprochen hatte, überreichte Paris der Aphrodite den goldenen Apfel und kürte diese damit zur Schönsten.
Zu den Tierattributen der Aphrodite gehören der Ziegenbock, vor allem aber die Taube und bisweilen auch die Schildkröte. Die Lieblingspflanzen der Göttin sind Äpfel, Blumen und Myrte.
Aphrodite und Eros in der antiken Numismatik
Nun sind Porträtmünzen der Aphrodite keine Seltenheit, schließlich finden sie sich im ionischen Phokaia, dem mysischen Kyzikos und dem karischen Knidos ebenso wie im kypriotischen Salamis und Paphos oder im kilikischen Nagidos. Darstellungen von Aphrodite und Eros dagegen sind schon deutlich seltener, wenngleich auch sie auf Münzen von Sizilien, Kilikien und Paphlagonien vorkommen. Zu den ältesten Geprägen mit Aphrodite und Eros gehören zweifellos die silbernen Tetradrachmen aus dem sizilischen Eryx. Bei Eryx handelt es sich aber nicht um eine Griechenstadt, sondern um eine einheimische elymische Siedlung auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges im äußersten Nordwesten Siziliens. Wegen seiner hervorragenden strategischen Lage wurde es schon früh von Karthago eingenommen und blieb in der gesamten vorrömischen Zeit ein karthagischer Stützpunkt. Ob die mythische Gründung von Eryx auf den gleichnamigen Heros zurückgeht, der ein Halbbruder des Trojaners Aeneas gewesen sein soll oder doch auf Aigestes, den Sohn der Trojanerin Aigeste und des Flussgottes Krimisos, der auch die elymischen Städte Segesta und Entella gründete, ist in der Fachwelt immer noch umstritten. Bei der Göttin, die im Tempel der Elymer verehrt wurde, soll es sich ursprünglich um eine elymische Gottheit gehandelt haben, die dann mit der karthagischen Tanit und später mit Aphrodite gleichgesetzt wurde. Doch auch wenn die Elymer keine Griechen waren und ursprünglich vermutlich aus Kleinasien stammten, so ist „die Münzprägung, die um die Mitte des 5. Jh.s v. Chr. einsetzt, rein griechisch, analog der mit Eryx verbundenen Stadt Segesta.“ (H. A. Cahn et al [Hrsg.]: Antikenmuseum Basel + Sammlung Ludwig. Griechische Münzen aus Grossgriechenland und Sizilien, S. 87)
Interessant und bemerkenswert ist, dass die frühesten Tetradrachmen von Eryx vorderseitig von den Didrachmen aus Segesta entlehnt sind und ebenso wie diese einen Jagdhund nach rechts hin zeigen. Hinter dem Hund finden sich zudem drei aufragende Getreideähren und unter ihm die retrograde Legende [ΕΡ]ΥΚΑΖΙΒ. „Ein fremdes Element ist die unerklärte Silbe ZIB, die dem Stadtnamen angehängt ist; sie ist vielleicht stammverwandt mit dem <sys> der Münzen von Panormos.“ (H. A. Cahn et al., wie a. a. O., S. 116) Rückseitig erscheint jedoch die eigenständige Darstellung der auf einem Stuhl (Diphros) nach links sitzenden Aphrodite im langen, kurzärmeligen Chiton mit Taube auf der Hand sowie dem vor ihr stehenden nackten geflügelten Eros, der seine Rechte in Richtung Taube ausstreckt. (Abb. 1)

Abb. 1: Eryx (Sizilien), Tetradrachmon (um 412/10–400 v. Chr.), Silber, 16,66 g, Ø [Höhe Vs.] 24 mm. Münzstätte Eryx. [Quelle: Classical Numismatic Group / Numismatica Ars Classica / Freeman & Sear, Triton 1 (2. Dezember 1997), Los 203]
Ein paar Jahre später verausgabte Eryx einen „halbneuen“ Tetradrachmentyp; eine Münze also, deren Rückseite das Aphrodite-Eros-Motiv unverändert beibehielt, die Münzlegende aber in ΕΡΥ[ΚΙΝΟΝ] ([Münze) der Erykiner) abänderte und deren Vorderseite statt des Jagdhundes eine nach rechts galoppierende Quadriga zeigt, über der Nike fliegt, die im Begriff ist, den Wagenlenker zu bekränzen. Ein Motiv, das den gleichzeitig in Segesta umlaufenden Tetradrachmen entlehnt wurde. (Abb. 2)

Abb. 2: Eryx (Sizilien), Tetradrachmon (um 390–385 v. Chr.), Silber, 17,01 g, Ø [Höhe Vs.] 24 mm. Münzstätte Eryx. [Quelle: Nomos AG, Auktion 8 (8. Mai 2012), Los 12]
Ein völlig anderes Aphrodite-Erosmotiv begegnet uns dann auf einem kilikischen Silberstater aus Nagidos. Anders als bisher erscheint die Göttin hier nämlich vor einem Altar sitzend und aus einer Phiale opfernd, während ihr Sohn Eros sie von hinten bekränzt. Die Rückseite schmückt der stehende Dionysos, der sich mit seiner Linken auf einen langen Tyrsos stützt und in seiner Rechten eine riesige Weintraube hält. (Abb. 3)

Abb. 3: Nagidos (Kilikien). Stater (um 374-365 v. Chr.), Silber, 10,83 g, Ø [Höhe Vs.] 23,7 mm, Münzstätte Nagidos. [Quelle: F. R. Künker (Sonderliste März 2002), G 4]
Auf einem nur kurze Zeit später ebenfalls in Nagidos geprägten Silberstater erscheint Aphrodite zwar wieder nach links sitzend und im Begriff aus einer Phiale zu opfern, doch fehlt diesmal der Opferaltar vor ihr und steht auch Eros nicht länger hinter siner Mutter mit einem Kranz, um sie zu bekränzen, sondern fliegt mit einem solchen von vorn auf sie zu. (Abb. 4)

Abb. 4: Nagidos (Kilikien). Stater (um 360–333 v. Chr.), Silber, 9,97 g, Ø [Höhe Vs.] 23,6 mm, Münzstätte Nagidos. [Quelle: Auctiones AG, Auktion 29 (12. Juni 2003), Los 729]
Die Münzlegende aber lautet unverändert auf beiden Münzen (Abb. 3 und 4) ΝΑΓΙΔΕΩΝ ([Münze] der Nagider).
In Paphlagonien hatte die Königin Amastris, die ehemalige Nichte des Perserkönigs Dareios III., die von 324–322 v. Chr. mit Alexanders General Krateros, dann von 322–306 v. Chr. mit Dionysios dem Tyrannen von Herakleia Pontike und von 302–300 v. Chr. mit dem Diadochen Lysimachos verheiratet gewesen war, um 300 v. Chr. die nach ihr benannte Stadt Amastris gegründet, indem sie die Siedlungen Sesamos, Kytoron, Kromna und Tios zusammengelegt hatte. Auf diese Weise hatte sie die Herrschaft in Herakleia Pontike, ihrem inzwischen erwachsenen Sohn Klearchos überlassen, mit dem es im Vorfeld Spannungen und Rivalitäten gegeben hatte, ohne allerdings die Oberherrschaft über Herakleia gänzlich aufzugeben. In Amastris jedoch regierte sie fortan als Alleinherrscherin. Wie groß der Alleinherrschaftsanspruch und das Selbstbewußtsein dieser Königin waren, beweist nicht zuletzt ihre Münzprägung. (Abb. 5)

Abb. 5: Amastris (Paphlagonien). Stater (um 300–285 v.u.Z.), Silber, 9,67 g, Ø [Höhe Vs.] 22 mm, Münzstätte Amastris. [Quelle: Gerhard Hirsch Nachfolger, Auktion 275 (22. September 2011), Los 3674]
Betrachtet man den silbernen Stater aus Abb. 5, erkennt man schnell, dass die Münzen eine Königinnen-Titulatur tragen. Lautet doch die Legende auf ΒΑΣΙΛΙΣΣΗΣ ΑΜΑΣΤΡΙΟΣ, was soviel heißt wie [Münze] der Königin Amastris. Damit war Amastris übrigens die erste hellenistische Königin, die ihre Münzen mit einer eigenen Königinnen-Titulatur versah. Wer allerdings die vorder- und rückseitig Dargestellten sind, darüber ist in der Vergangenheit lange kontrovers diskutiert worden. So hielt der Numismatiker Otto Morkholm beispielsweise den Kopf der Vorderseite für den des persischen Gottes Mithras mit phrygischer Mütze und die Thronende der Rückseite für die persische Göttin Anaitis (Anahita) oder die Tyche der Stadt Amastris. David R. Sear dagegen hielt den vorderseitigen Kopf für den der Königin Amastris selbst und die rückseitig Thronende für Amastris als Aphrodite mit Eros auf der Hand. Andere wiederum sahen in dem Kopf die phrygischen Gottheiten Attis oder Mên. Folgt man der bisher aktuellsten Inerpretation von Oliver D. Hoover von 2012, so handelt es sich vorderseitig um den Kopf des Mên mit belorbeerter phrygischer Mütze und rückseitig um Aphrodite mit Eros auf der Hand. Oberhalb von Eros findet sich zudem ein kleines strahlendes Heliosköpfchen. Laut Hoover handelt es sich aber auch bei den anderen Varianten dieses Münztyps bei der Thronenden um Aphrodite, wenngleich jene dort nicht Eros, sondern Nike auf ihrer Hand hält.
Bemerkenswert ist, dass das Bildmotiv von Aphrodite und Eros im Späthellenismus, von Monarchen wie der ptolemaiischen Königin Kleopatra VIII. (VII) beispielsweise, wiederbelebt und für eigene propagandistische Zwecke „ausgeschlachtet“ wurde. Als Kleopatra VIII. im Jahre 47 v. Chr. mit Caesars Hilfe erneut Königin geworden war, konnte sie die Münzstätten Zyperns für ihre Bedürfnisse nutzen. Dies tat sie dann auch einige Zeit nach der Geburt ihres Sohnes Kaisar und ließ auf Zypern, vermutlich in Paphos, eine bronzene Gedenkmünze auf die Geburt von Kaisar prägen. Darauf erscheint sie in diademierter Büste als Aphrodite mit geschultertem Zepter und Kaisar in ihren Armen als Eros. Rückseitig zeigt sich ein doppeltes Füllhorn mit Bandschmuck, rechts unten ein Monogramm aus den Buchstaben ΚΥΠΡ (für Kypros = Zypern) sowie die Legende ΒΑΣΙΛΙΣΣΗΣ ΚΛΕΟΠΑΤΡΑΣ ([Münze] der Königin Kleopatra). (Abb. 6)

Abb. 6: Kleopatra VIII. mit ihrem Söhnchen Kaisar als Aphrodite mit Eros. Gedenkmünze (um 47 v.Chr.), Bronze, 16,86 g, Ø [Höhe Vs.] 28 mm, Münzstätte Paphos (Zypern). [Quelle: Classic Numismatic Group, Auktion 105 (10. Mai 2017), Los 456]
Betrachtet man die Münze Kleopatras etwas eindringlicher, so erkennt man darauf nicht bloß das intimste und innigste Aphrodite-Eros-Verhältnis von allen bisher gezeigten Münzmotiven mit Aphrodite und Eros, sondern empfindet es darüber hinaus auch erstaunlich vertraut. Erinnert es doch auf den ersten Blick ungemein stark an die sehr viel späteren christlichen Darstellungen von Maria mit dem Jesuskind.
Aprodite und Eros in der Kunst
In der bildenden Kunst wurde die Liebesgöttin Aphrodite recht häufig dargestellt. Doch war sie nicht immer nur alleine künstlerisches Objekt der Begierde, sondern trat bisweilen sowohl in der griechisch-römischen Antike als auch in späteren Jahrhunderten gemeinsam mit ihrem Sohn Eros bzw. Amor/Cupido in Erscheinung.
Eine der frühesten antiken Darstellungen der beiden findet sich auf einer kleinen als „Idol“ bezeichneten Gruppe aus Korinth aus dem 4. Jh. v. Chr. (Abb. 7)

Abb. 7: Aphrodite und Eros. Idol aus Korinth (4. Jh. v. Chr.). [Quelle: Tilemathos Efthimiados, Athen. Wikimedia Commos]
Hierauf sehen wir Aphrodite mit niederem Polos (Kopfbeckung), Chiton und Tuchmantel, der wie ein Schleier über ihr Hinterkaupt gezogen ist, zusammen mit ihrem nackten geflügelten Söhnchen Eros von vorn stehend.
In der frühen römischen Kunst, insbesondere der pompejanischen Freskokunst aus dem 1. Jahrhundert erscheint Aphrodite meistens nicht alleine, sondern häufig zusammen mit ihrem Geliebten Ares [Mars] und ihrem Sohn Eros [Amor/Cupido]). So sitzt sie beispielsweise auf einem dieser Fresken fast völlig nackt neben Ares, der sie mit einer Hand an ihrer Schulter anfasst und mit der anderen, ihren Tuchmantel hoch hält. Im Hintergrund lehnt der Schild des Ares und darüber erscheint der kleine nackte geflügelte Eros mit dem Schwert des Kriegsgottes in der Hand. Zu den Füßen der beiden Götter findet sich ein weiterer nackter Erote, der sich ganz keck den Helm des Ares aufsetzt. (Abb. 8)

Abb. 8: Aphrodite, Ares und Eros. Fresko aus dem Haus des Mars und der Venus in Pompeji (1. Jahrhundert). Standort: Museo nazionale di Napoli. [Quelle: Oliviero, Wikimedia Commons]
Aber auch in der Kunst späterer Jahrhunderte scheinen Aphrodite und Eros immer noch interessante Sujets gewesen zu sein, auf die die bildenden Künstler gerne zurückgriffen. So begegnen wir der Liebesgöttin und ihrem Söhnchen z.B. in dem Gemälde „Venus bringt Helena dazu, sich in Paris zu verlieben“ (1790) von Angelica Kauffmann (1741–1807). (Abb. 9)

Abb. 9: „Venus bringt Helena dazu, sich in Paris zu verlieben“ (1790). Gemälde von Angelica Kauffmann (1741–1807). Standort: Eremitage, Sankt Petersburg. [Quelle: Wikimedia Commons]
Hierauf sehen wir, wie Aphrodite ihr Versprechen, das sie Paris im Vorfeld zu seiner Schönheitswahl gegeben hatte, einlöst und die neben ihr sitzende Helena dazu bringt, sich in Paris zu verlieben. Ihr Söhnchen Eros hilft ihr dabei, indem er den noch etwas schüchternen Paris an seinem Tuchmantel zupft, so als wolle er ihn Helena vorstellen. Darüber hinaus hält der kleine Eros in seiner Rechten noch einen Bogen und zwei Liebespfeile, die er, sollte es nötig sein, bereitwillig auf Helena und Paris abschießen würde, um deren Liebe gewaltig zu entflammen.
In seinem klassizistischen marmornen Flachrelief „Venus [Aphrodite], Mars [Ares] und Vulcan [Hephaistos]“ von 1810 stellt der Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1770–1844) eine scheinbar harmonische Beziehung zwischen den Dreien dar, was die Vermutung nahe legt, dass Thorvaldsen hier eine Szenerie veranschaulicht, bei der es noch keinen eifersüchtigen Vulcan und keinen Ehebruch von Venus und Mars gibt. Vielmehr ist Vulcan eifrig im Begriff, die beauftragten Pfeile für Mars in Anwesenheit von Venus, Mars und Amor anzufertigen. Bemerkenswert ist jedoch, dass der nackte Mars dabei keinen Blick auf die Arbeit des Schmieds verwendet, sondern nur Augen für die halbnackte Venus hat, die ihrerseits wiederum auch nicht auf ihre „Arbeit“ konzentriert ist, sondern ebenfalls nur Augen für Mars hat. Ob der kleine Liebesgott Amor (Eros), der zwischen beiden mit einem langen Speer steht und mit seinem Ärmchen auf Mars weist, bereits ahnt, was sich da anbahnt? Die Blicke, die sich Mars und Venus zuwerfen, sind nämlich so auffällig verliebt und intensiv, dass man den Eindruck hat, Thorvaldsen habe hier ein erstes Aufeiandertreffen von Mars und Venus und so etwas wie „Liebe auf den ersten Blick“ festhalten wollen. Darauf deuten nicht zu letzt auch die beiden Turteltäubchen unter der sitzenden Venus hin. (Abb. 10)

Abb. 10: „Venus, Mars und Vulcan“ (um 1810). Klassizistisches Flachrelief von Bertel Thorvaldsen (1770–1844). Standort: Neue Pinakothek, München. [Quelle: Rufus46, Wikimedia Commons]
Michael Kurt Sonntag
Literatur
Peter Robert Franke, Max Hirmer: Die Griechische Münze. München 1964; Eva und Wolfgang Szaivert nach David R. Sear: Griechischer Münzkatalog. Bd. 1: Europa. München 1980. Bd. 2: Asien und Afrika. München 1983; Oliver D. Hoover: The Handbook of Greek Coinage Series, Vol. 1–12. Lancaster, London 2009–2018; Herbert A. Cahn et al. [Hrsg.]: Antikenmuseum Basel + Sammlung Ludwig. Griechische Münzen aus Grossgriechenland und Sizilien. Basel 1988; Otto Morkholm: Early Hellenistic coinage from the accession of Alexander to the peace of Apamea (336-186 B.C.). London 1991, Nachdruck 2001; Wolfgang Schadewaldt (Übers.): Homer: Die Ilias. Düsseldorf, Zürich 2002; Anton Weiher (Hrsg.): Homer: Homerische Hymnen. 6. Auflage. München, Zürich 1989; Albert von Schirnding (Hrsg. u. Übers.): Hesiod: Theogonie/Werke und Tage. 5. Auflage. Berlin 2012; Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Hrsg.): Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, 16 Bde. Stuttgart, Weimar 1996-2003; Wilhelm H. Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, 10 Bde., 3. Nachdruckauflage. Hildesheim, Zürich, New York 1992/93.
Den in den Bildunterschriften erwähnten Quellen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.




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