Die Rolle des Goldes in der griechischen Antike (Teil 2)
- Michael Kurt Sonntag

- 6. Nov. 2025
- 14 Min. Lesezeit
Gold als Zahlungsmittel im Hellenismus
Nun hatten all die bisher erwähnten Goldemissionen die Goldzahlungen in Griechenland und Kleinasien sicherlich populärer gemacht, doch blieb der gesamte antike griechische Raum in Ermangelung großer Goldmengen ein Silberwährungsraum.
Nachdem Alexander III. der Große, der Sohn Philipps II., innerhalb eines Jahrzehnts (334–324 v. Chr.) das Weltreich der Perser sowie den indischen Pandschab erobert hatte, begründete er dank der makedonisch-griechischen Macht und der griechischen Sprache und Kultur die fast drei Jahrhunderte andauernde Epoche des Hellenismus. Da ihm die Eroberung des Perserreichs zudem gewaltige Mengen an Gold und Silber beschert hatte, ließ er noch zu Lebzeiten Massen von Gold- und Silbermünzen attischen Fußes in zahlreichen Münzstätten im gesamten Reich prägen. Zu den Goldmünzen zählten: Distatere, Statere, Hemistatere, Viertelstatere und Achtelstatere. Distatere, Statere und Hemistatere zeigen vorderseitig den Kopf der Göttin Athena im Korintischen Helm und rückseitig die Siegesgöttin Nike mit Stylis (Zierde vom Schiffsheck) und Kranz. (Abb. 17)

Abb. 17: Alexander-Reich (Makedonien). Distater (um 336–323 v. Chr.),
Gold, 17,20 g, Ø (Höhe, Rs.) 21,5 mm, Münzstätte Aigai (?).
Quelle: Gerhard Hirsch Nachfolger, Auktion 313 (23. September 2015), Los 2023
Auf diese Weise gewann Gold im Zahlungsverkehr des neu erstandenen makedonisch-griechischen Alexanderreichs, vor allem im Fernhandel und in der Kriegswirtschaft, bereits zu Lebzeiten Alexanders eine Rolle, die es im festländischen Griechenland in dem Ausmaß zuvor noch nie besessen hatte. Gleichzeitig verdrängten die im attischen Standard massenhaft geprägten Goldstatere Alexanders, die bis dahin kursierenden Elektronmünzen von Kyzikos, Phokaia und Mytilene sowie die goldenen Emissionen der diversen griechischen oder kleinasiatischen Poleis, die im lampsakenischen oder persischen Standard ausgebracht worden waren und stiegen so innerhalb kürzester Zeit zur Weltwährung auf. Hieraus zu schließen, die Weltwährung Alexanders sei eine reine Goldwährung gewesen, wäre nicht zutreffend, zumal parallel zu den Goldemissionen auch Unmengen an silbernen Tetradrachmen, Didrachmen und Drachmen attischen Fußes ausgebracht wurden – doch das ist eine andere Geschichte.
Was das Gold angeht, so setzten die Diadochen (die Nachfolger Alexanders) die Prägung der Alexander-Statere auch nach seinem Tod (323 v. Chr.) fort und gingen erst nach und nach dazu über, Münzen im eigenen Namen und mit eigenen Porträts zu emittieren. Interessant und bemerkenswert ist, dass die Diadochen nach ihren eigenen Königsproklamationen (306–305/04 v. Chr.) zwar größtenteils im eigenen Namen prägten, aber längst nicht alle auch mit eigenen Porträts. So finden sich vor 281 v. Chr. goldene Porträtmünzen nur von Ptloemaios I. Soter und von Demetrios I. Poliorketes, (Abb. 18 u. 19)

Abb. 18: Ptolemaierreich. König Ptolemaios I. Soter (306/05–282 v. Chr.). Trichryson bzw. Pentadrachmon (um 294 v. Chr.), Gold, 17,84 g, Ø [Höhe, Rs.] 22 mm, Münzstätte Salamis oder Kitium (Zypern).
Quelle: Roma Numismatics Ltd, Auktion XX (29. Oktober 2020), Los 281

Abb. 19: Makedonien. König Demetrios I. Poliorketes (294–288 v. Chr.). Stater (um 290–289/88 v. Chr.), Gold, 8,57 g, Ø 19 mm, Münzstätte Amphipolis.
Foto: Sincona AG, Auction 10 (27. Mai 2013), Los 85
während die Diadochen-Könige Antigonos I. Monophthalmos (306–301 v. Chr.) [Vater von Demetrios I. Poliorketes], Seleukos I. Nikator (305–281 v. Chr.), Lysimachos (305–281 v. Chr.) und Kassandros (305–297 v. Chr.) ihre Goldstücke nie mit ihren Porträts versahen, sondern bei den Bildmotiven Alexanders (Abb. 17) blieben oder wie im Falle des Lysimachos mit dem Porträt des vergöttlichten Alexander und im Falle des Seleukos mit dem Porträt des Gottes Apollon, dem Schutzgott der Seleukidendynastie, prägten. (Abb. 20 u. 21)

Abb. 20: Königreich Thrakien. König Lysimachos (305–281 v. Chr.). Stater (um 297/96–282/81 v. Chr.), Gold, 8,56 g, Ø (Höhe, Vs.) 18 mm, Münzstätte Alexandreia Troas.
Quelle: Dimitri Markov Coins & Medals, M&M Numismatics Ltd, Ira & Larry Goldberg Coins & Collectables, Sovereign Rarities Ltd. The New York Sale 54 (11. Januar 2022), Los 24

Abb. 21: Seleukidenreich. König Seleukos I. Nikator (305/04–281 v. Chr.). Stater (um 290/286–281 v. Chr.), Gold, 8,52 g, Ø (Höhe, Vs.) 19 mm, Münzstätte Baktra oder Aï Khanoum.
Quelle: NAC, Auktion 117 (1. Oktober 2019), Los 222
Rückseitig sehen wir in Abb. 18 den Adler des Zeus auf Blitzbündel stehend, in Abb. 19 den König Demetrios Poliorketes mit makedonischer Kausia auf dem Haupt und eingelegter Lanze nach rechts gallopierend, in Abb. 20 die thronende Athena mit Nike auf der Hand und in Abb. 21 die bogenschießende Artemis in Elefantenbiga. Zudem lesen wir den Namen des jeweiligen Königs als Münzemittenten, also ([Münze] des Ptolemaios [oder] des Demetrios [oder] des Lysimachos [oder] des Seleukos).
Im Seleukidenreich, dem größten Teil des ehemaligen Alexanderreichs, prägte man zwischen 280 und 125 v. Chr. immer wieder goldene Statere bisweilen aber auch Distatere und deutlich schwerere goldene Oktodrachmen, die in der Regel den amtierenden Monarchen, bisweilen aber auch dessen Gemahlin oder ein gestaffeltes Porträt von König und Königin zeigen. (Abb. 22-24)

Abb. 22: Seleukidenreich. König Seleukos II. Kallinikos (246–225 v. Chr.). Stater (um 246–225 v. Chr.), Gold, 8,51 g, Ø (Höhe, Vs.) 18,5 mm, Münzstätte Antiocheia am Orontes.
Quelle: Classical Numismatic Group, Auktion Triton XIX (5. Jan. 2016), Teil 1, Los 284

Abb. 23: Seleukidenreich. König Antiochos III. der Große (222–187 v. Chr.). Oktodrachmon (um 204–197 bzw. um 197–192/190 v. Chr.), Gold, 34,16 g, Ø (Höhe Vs.) 30 mm, Münzstätte Antiocheia am Orontes. Quelle: Numismatica Ars Classica, Zürich, Auktion 114 (6.–7. Mai 2019), Los 349
Während die diademierten Porträts von Seleukos II. und Antiochos III. die Vorderseiten des Staters (Abb. 22) und des Oktodrachmons (Abb. 23) schmücken, ziert der nackte einen Pfeil begutachtende Apollon die Rückseiten der Münzen – zunächst stehend und dann auf dem Omphalos sitzend. Anläßlich der Hochzeit von Kleopatra Thea mit Alexander I. Balas (150 v. Chr.) wurden goldene Statere emittiert. Auf der Vorderseite dieser erscheint die nach rechts gewandte Büste der ptolemaiischen Prinzessin Kleopatra mit Stephane, Diadem und Schleier und auf der Rückseite das mit einer Königsbinde geschmückte doppelte Füllhorn und dazu die Legende ΒΑΣΙΛΙΣΣΗΣ ΚΛΕΟΠΑΤΡΑΣ ([Münze] der Königin Kleopatra). (Abb. 24)

Abb. 24: Seleukidenreich. Königin Kleopatra Thea, Gemahlin von Alexander Ballas (150–146/45 v. Chr.). Stater (150 v. Chr.), Gold, 8,54 g, Ø (Höhe, Vs.) 18,5 mm, Münzstätte Ake-Ptolemaïs.
Quelle: Classical Numismatic Group, Auktion Triton XIX (5. Januar 2016), Los 2072
Diese Goldstatere weisen eine unübersehbare ptolemaiische Ikonografie auf. So zeigt nicht allein die Büste der Königin große Ähnlichkeit mit den Darstellungen ptolemaiischer Königinnen, sondern ist auch das doppelte Füllhorn der Rückseite ganz offensichtlich von den Goldmünzen ptolemaiischer Königinnen entlehnt. (vgl. Abb. 28) Und auch die Legende ist wie auf ptolemaiischen Münzen bogig und nicht senkrecht parallel angeordnet.
Nachdem der Satrap Bakriens, Diodotos I., diese östliche Satrapie aus dem Seleukidenreich um 256 v. Chr. gelöst und das Königreich Baktrien gegründet hatte, prägten auch er und seine Nachfolger goldene Statere mit ihren Porträts und ihren königlichen Titulaturen. So sehen wir beispielsweise auf einem Stater des baktrischen Königs Euthydemos´ I. (um 225–200 v. Chr.) vorderseitig dessen Porträt mit Diadem und rückseitig den ruhenden Herakles. (Abb. 25)

Abb. 25: Baktrien. König Euthydemos I. (um 225–200 v. Chr.). Stater (um 225–220/218 v. Chr.), Gold, 8,25 g, Ø (Höhe, Vs.) 19 mm, Münzstätte Baktra.
Quelle: Gorny & Mosch, Auktion 297 (9. Oktober 2023), Los 152
Das Bildmotiv des ruhenden Herakles dürfte von den Tetradrachmen des Seleukidenkönigs Antiochos´ I. entlehnt worden sein, welche jener in Magnesia am Sipylos, der Heimatstadt des Euthydemos, hatte prägen lassen. Übrigens, nachdem Euthydemos zwischen 208 und 206 v. Chr. einer dreijährigen Belagerung Baktras durch den Seleukidenkönig Antiochos III. stand gehalten hatte, hob Antiochos III. die Belagerung auf, schloss Frieden und erkannte das Königreich Baktrien endgültig an. In der Folge prägte Euthydemos zwischen 206 und 200 v. Chr. erstmals auch goldene Oktodrachmen mit den Bildmotiven des Goldstaters.
Ein Porträt, das unter denen der baktrischen Könige allerdings etwas aus dem Rahmen fällt, ist jenes des Königs Eukratides. Schließlich zeigt sich Eukratides I. der Große auf seinen goldenen Stateren in einer drapierten Panzerbüste mit Diadem und boiotischem Helm. Rückseitig erscheinen zudem die reitenden Dioskuren (die Zwillingssöhne des Zeus) mit eingelegten Lanzen und Palmwedeln. (Abb. 26)

Abb. 26: Baktrien. König Eukratides I. der Große (um 171–145 v. Chr.). Stater (um 171–145 v. Chr.), Gold, 8,47 g, Ø (Höhe, Rs.) 19 mm, Münzstätte Baktra.
Quelle: Gorny & Mosch, Auktion 297 (9. Oktober 2023), Los 229
Von Eukratides I. stammt im übrigen auch die größte und schwerste Goldmünze, die jemals in der griechischen Antike geprägt wurde. Das Gold dafür, so die Quellen, kam aus einer indischen Kriegsbeute und wurde in 20-fache Goldstatere (169,2 g, Ø 55 mm) umgemünzt. Das einzige Exemplar, das sich bis heute erhalten hat, liegt im Münzen- und Medaillenkabinett der französischen Nationalbibliothek in Paris und ist motivgleich mit dem Goldstater aus Abb. 26.
Die meisten Goldmünzen der hellenistischen Staatenwelt prägte jedoch das Ptolemaierreich, da dieses auf überaus reichhaltige Goldvorkommen aus eigenen Minen zurückgreifen konnte. Allerdings beschränkte sich die Münzprägung beim Gold viele Jahrzehnte lang auf das bereits von Ptolemaios I. eingeführte Pentadrachmon aus Abb. 18 und die Oktodrachmen vom Typ „Theoi/Adelphoi“ (Abb. 27)

Abb. 27: Ptolemaierreich. Ptolemaios II. Adelphos (283–246 v. Chr.). Mnaieion bzw. Oktodrachmon (um 282–272 v. Chr.), Gold, 27,75 g, Ø (Höhe, Vs.) 27 mm, Münzstätte Alexandreia.
Quelle: Morton & Eden, Auktion 124 (26. September 2023), Los 552
und vom Typ „Arsinoë Philadelphos“ (Abb. 28), die schon seit der Zeit Ptolemaios´ II. umliefen.

Abb. 28: Ptolemaierreich. Ptolemaios II. Adelphos (285–246 v. Chr.) für seine Gemahlin Arsinoë II. Mnaieion bzw. Oktodrachmon (253/52–246 v. Chr.), Gold, 27,75 g, Ø (H, Rs.) 28 mm, Mzst. Alexandreia.
Quelle: Classical Numismatic Group, Triton XIX (5. Januar 2016), Los 2090
Mit dem goldenen Oktodrachmon aus Abb. 27 ehrte Ptolemaios II. sich und seine Schwester-Gemahlin Arsionoë als „Götter Geschwister“ = Theoi Adelphoi und seine vergöttlichten Eltern als „Götter Retter“ = Theoi Soteres und bekräftigte damit propagandistisch die beiden Kulte, die er im Vorfeld begründet hatte. Im Gegenzug dazu preist das Oktodrachmon aus Abb. 28 allein seine Schwester Arsinoë, die 271 v. Chr., also noch zu Lebzeiten des Königs, verstorben war und anschließend in einem eigenen Kult vergöttlicht und verehrt wurde. Frischen Wind in die Bilderwelt der ptolemaiischen Goldmünzen brachten dann vor allem die Oktodrachmen, die unter Ptolemaios IV. Philopator I. und Ptolemaios V. Epiphanes geprägt wurden. Mit dem nachfolgenden Oktodrachmon feierte Ptolemaios IV. aber nicht sich selbst, sondern seinen verstorbenen Vater Ptolemaios III. Euergetes I., den Sieger des 3. Syrischen Krieges. Erscheint dieser doch vorderseitig mit dem Strahlenkranz des Helios, der Ägis des Zeus und dem geschulterten Dreizack des Poseidon. (Abb. 29)

Abb. 29: Ptolemaierreich. Ptolemaios IV. Philopator (222/21–204 v. Chr.). Mnaieion bzw. Oktodrachmon (laut Catharine C. Lorber: Von 219 bis kurz nach der Schlacht von Rhapia 22. Juni 217 v. Chr.), Gold, 27,80 g, Ø [Höhe, Vs.] 27 mm, Münzstätte Alexandreia.
Quelle: Gerhard Hirsch Nachfolger, Auktion 306 (12. Februar 2015), Los 306
Für die vielfältigen Interpretationen der Vorder- und Rückseite dieses Oktodrachmons, sei hier aus Platzgründen auf den Artikel von Michael Kurt Sonntag „Ptolemaios IV. die Schlacht von Raphia und die ptolemaiische Siegesprämie“, in Münzen & Sammeln, Juni 2019, S. 75, verwiesen.
Ein Oktodrachmon, das dann in der Tat Ptolemaios IV. Philopator I. darstellt und ihn sogar in der Titulatur erwähnt, ist eins, das ihn vorderseitig in makedonischer Militärchlamys mit Diadem zeigt und rückseitig den Adler des Zeus auf Blitzbündel abbildet. (Abb. 30)

Abb. 30: Ptolemaierreich. Ptolemaios IV. Philopator (222/21–204 v. Chr.). Mnaieion bzw. Oktodrachmon (nach 217 v. Chr.) Gold, 27,80 g, Ø [Höhe, Rs.] 27 mm, Münzstätte Sidon. [Quelle: Numismatica Ars Classica, Auktion 96 (6. Oktober 2016), Los 1146]
Doch auch Ptolemaios V. Epiphanes erschien 199/98 v. Chr. auf einem Gold-Oktodrachmon. (Abb. 31)

Abb. 31: Ptolemaierreich. Ptolemaios V. Epiphanes (204–180 v. Chr.). Mnaieion bzw. Oktodrachmon (199/98 v. Chr.), Gold, 27,80 g, Ø [Höhe, Rs.] 27,4 mm, Mzst. möglicherweise vor der levantinischen Küste. Quelle: Numismatica Ars Classica, Auktion 138 (18. Mai 2023), Los 308
Ikonographisch betrachtet, lehnt sich dieses Goldstück allerdings an das Gold-Oktodrachmon Ptolemaios´ IV. Philopator I. an, das jener für seinen Vater Ptolemaios III. Euergetes I., den Großvater Ptolemaios‘ V., schlagen ließ (Abb. 29). Eindeutig entlehnt sind der Strahlenkranz des Helios auf der Vorderseite, durch den Ptolemaios V. mit dem Sonnengott Amun-Ra identifiziert wurde, und das mit einem Strahlenkranz bekrönte Füllhorn der Rückseite. Neu sind der geschulterte Speer sowie die beiden Sterne, die das Füllhorn flankieren und laut Kyrieleis, Huß und Lorber die Dioskuren symbolisieren, die als göttliche Beschützer der Feldherren, Söldner und Seefahrer galten. Für Lorber feiert dies Gold-Oktodrachmon Ptolemaios´ V. die Rückgewinnung eines Teils von Koile-Syrien durch Skopas im Winter 201/200 v. Chr., jenes Gebiets, das der Seleukide Antiochos III. gleich zu Beginn des 5. Syrischen Krieges in seine Gewalt gebracht hatte. Höchst interessant ist, dass die beiden zuvor erwähnten Oktodrachmen ebenfalls mit den Syrischen Kriegen zwischen Ptolemaiiern und Seleukiden zu tun hatten. So war das Oktodrachmon aus Abb. 29 Bestandteil einer Siegesprämie, die Ptolemaios IV. und seine Gemahlin Arsinoë III. den für Ptolemaios kämpfenden Soldaten und Offizieren vor der Schlacht von Raphia 217 v. Chr. im 4. Syrischen Krieg versprochen hatten. Das Oktodrachmon aus Abb. 30 soll laut Lorber nach dem Sieg von Raphia in der Stadt Sidon zur Feier des Sieges von Raphia geprägt worden sein, als Ptolemaios IV. die syrisch-phoinikischen Städte besuchte. Nun waren die ptolemaiischen Gold-Oktodrachmen in ihrer Gesamtheit sicher auch geldliche Mittel, mit denen militärische Offensiven finanziert, Soldaten und Rüstungsgüter bezahlt, Verteidigungsanlagen erbaut oder Schenkungen an verdiente Personen geleistet wurden, doch erfüllten sie eben auch propagandistische Zwecke, zumal sie Könige und Königinnen kultisch zelebrierten, oder die militärischen Erfolge der eigenen Vorfahren ins Rampenlicht rückten, um das Vertrauen der Armee und der Bevölkerung in den umkämpften Gebieten in den sie befehligenden König zu festigen und zu stärken und deren Verteidigungsbereitschaft zu fördern.
Aber auch im festländischen Griechenland prägte man während des Hellenismus deutlich mehr Gold als zuvor. Allerdings verausgabte man hier sowohl zu Lebzeiten Alexanders des Großen als auch in der Diadochenzeit größtenteils die Statere vom Typ der Alexander-Statere. In Makedonien beispielsweise blieben so gut wie alle Könige nach Alexander bei den Goldmünzentypen Alexanders, wenn man einmal von Demetrios I. Poliorketes und Lysimachos absieht, die ihre Münzen mit eigenen Porträts ausstatteten. (Abb. 19 u. 20) Jedoch emittierten die Diadochenkönige Philipp III. Arrhidaios (323–317 v. Chr.), Antigonos II. Gonatas (277–239 v. Chr.) und Philipp V. (221–179 v. Chr.) die „Alexander-Statere“ im eigenen Namen. Von Philipp V. gibt es zudem einen extrem seltenen Goldstater, der vorderseitig den Kopf des Heros Perseus in einem geflügelten Phrygischen Helm mit Harpa vor dem Gesicht abbildet und rückseitig die Keule des Herakles zeigt und die Titulatur Philipps nennt. (vgl. O. D. Hoover: Handbook of Coins of Macedon …, Part I, S. 401, Nr. 1053)
Im sizilischen Syrakus dagegen ließen Agathokles (317–305–289 v. Chr.) und Hieron II. (275–215 v. Chr.) Goldmünzen mit eigenen Bildmotiven zunächst im Namen der Syrakusaner und dann im eigenen Namen schlagen. (Abb. 32–34)

Abb. 32: Syrakus (Sizilien). Tyrann Agathokles im Namen der Syrakusaner (317–305 v. Chr.). 50 Litren (317–311 v. Chr.), Gold, 4,29 g, Ø [Höhe, Vs.] 16 mm, Münzstätte Syrakus.
Quelle: The Coin Cabinet Kallista, Auktion 2 (27. März 2025), Los 28

Abb. 33: Syrakus (Sizilien). König Agathokles (305/04–289 v. Chr.). Stater (304–297/289 v. Chr.), Gold, 5,70 g, Ø [Höhe, Rs.] 17 mm, Münzstätte Syrakus.
Quelle: Roma Numismatics Ltd, Auktion 8 (28. September 2014), Los 123

Abb. 34: Syrakus (Sizilien). König Hieron II. (275–215 v. Chr.). 60 Litren (218/17–215 v. Chr.), Gold, 4,28 g, Ø [Höhe, Rs.] 17 mm, Münzstätte Syrakus.
Quelle: Leu Numismatik AG, Auktion 4 (25. Mai 2019), Los 190
Wie unschwer zu erkennen, ließ sich Agathokles bei dem ersten Goldstück (Abb. 32) von den Stateren Philipps II. von Makedonien und bei dem zweiten Goldstück (Abb. 33) von den Stateren Alexanders des Großen inspirieren. Hieron II. hingegen entlehnte seine Bildmotive mit dem ährenbekränzten Kopf der Persephone und der Nike lenkenden Biga (Abb. 34) von syrkusanischen Vorbildern, ohne diese jedoch 1:1 zu übernehmen.
Während seines Feldzugs gegen die Karthager in Sizilien ließ der epeirotische König Pyrrhos, der sich 278 v. Chr. auch zum König von Sizilien hatte ausrufen lassen, in Syrakus sowohl Gold- und Silbermünzen als auch Bronzestücke prägen. Zu den Goldmünzen, die er im attischen Standard ausbringen ließ, zählen Statere und Hemistatere, die vermutlich aus dem von den Karthagern erbeuteten Gold geprägt wurden. Diese besitzen motivgleiche Rückseiten, auf denen die Siegesgöttin Nike mit einem Tropaion (Siegesmal) in der Linken und einem Eichenkranz in der Rechten zu sehen ist. Das lange hochgegürtete Gewand, welches sie trägt, ist so dünn und durchscheinend, dass es mehr offenbart, als es verhüllt. Anders als der ganze Stater, der vorderseitig vom Kopf der Athena mit korinthischem Helm geschmückt wird, findet sich auf der Vorderseite des Hemistaters der Kopf der Artemis mit Köcher über der Schulter. (Abb. 35 und 36)

Abb. 35: Syrakus (Sizilien), König Pyrrhos (278–275 v. Chr.). Stater (um 278–275 v. Chr.), Gold, 8,55 g, Ø (Höhe, Vs.) 18 mm, Münzstätte Syrakus
Quelle: Baldwin’s Auction Ltd, Dimitry Markov Coins & Medals, M&M Numismatics Ltd, The New York Sale XXVII, The Prospero Collection (4. Januar 2012), Los 342

Abb. 36: Syrakus (Sizilien), König Pyrrhos (278–275 v. Chr.). Hemi-Stater (um 278–275 v. Chr.), Gold, 4,27 g, Ø 15 mm, Münzstätte Syrakus
Quelle: Roma Numismatics Ltd, Auction 5 (23. März 2013), Los 162
Von 280–278 v. Chr. hatte Pyrrhos aber bereits in den süditalischen Poleis Taras (Kalabrien), Herakleia und Metapont (Lukanien) Feldzüge gegen die Römer geführt. Interessant und bemerkenswert ist jedoch, dass er hier keinerlei Münzen im eigenen Namen prägte, sondern kurzerhand auf die Münzen dieser Poleis zurückgriff, um seine Kriegsausgaben und seine Söldnerarmee zu bezahlen. Taras z. B. emittierte für Pyrrhos Goldstatere mit Zeus auf der Vorder- und seinem Adler auf Blitzbündel auf der Rückseite. (Abb. 37)

Abb. 37: Taras (Kalabrien), Stater (um 280 v.u.Z.) Gold, 8,56 g, Ø [Höhe Vs.] 18 mm, Münzstätte Taras Quelle: Numismatik Lanz, Auktion 160 (15. Juni 2015), Los 21
Metapont wiederum prägte goldene Drittelstatere, die vorderseitig den behelmten Kopf des Leukippos und rückseitig zwei Gerstenähren offenbaren. (Abb. 38)

Abb. 38: Metapont (Lukanien), 1⁄3 Stater (um 280–278 v.u.Z.) Gold, 2,83 g, Ø [Höhe Vs.] 15 mm, Münzstätte Metapont
Quelle: Gerhard Hirsch, Nachfolger, Auktion 328 (10. Mai 2017), Los 27
Während des 2. Punischen Krieges emittierten die süditalischen Brettier u. a. goldene Halbstatere mit Poseidon auf der Vorder- und der auf einem Hippokamp reitenden Thetis mit Eros auf der Rückseite. (Abb. 39)

Abb. 39: Brettier (Bruttium). Hemistater mit der auf einem Seepferd reitenden Thetis oder Amphitrite, um 216-214 v.Chr., Gold, 3,86 g, Ø [Höhe Vs.] 15 mm, Münzstätte Lokroi Epizephyrioi.
Quelle: Numismatik Lanz, Auktion 160 (15. Juni 2015), Los 27
Zur Zeit des ersten Mithradatischen Krieges 89–85 v. Chr. emittierte der pontische König Mithradates VI. (120–63 v. Chr.) goldene Statere in Pergamon, der von ihm besetzten Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Diese zeigen vorderseitig das Porträt Mithradates´ VI. Eupator mit Diadem und rückseitig einen äsenden Hirsch innerhalb eines dionysischen Kranzes aus Efeublättern und Fruchtdolden. (Abb. 40)

Abb. 40: Mithradates VI. Eupator, König von Pontos (120–63 v. Chr.). Stater ([B = Jahr 2 neuer Ära] 88/87 v. Chr.), Gold, 8,68 g, Ø [Höhe Vs.] 20 mm. Münzstätte Pergamon. [Quelle: Gorny & Mosch, Auktion 284 (7. März 2022), Los 290]
Fazit
Aus den hier von Abb. 17 bis Abb. 40 gezeigten und beschriebenen Münzen den Schluss zu ziehen, damit die Gesamtheit der im Hellenismus – immerhin einer 300 Jahre umfassenden Periode – geprägten Goldmünzen aufgelistet und veranschaulicht zu haben, wäre irrig, zumal die Zahl aller hellenistischen Goldmünzentypen und ihrer Varianten so gewaltig ist, dass es dafür mehrere Katalogbände braucht.
Vergegenwärtigt man sich darüber hinaus, dass alle hier vorgestellten Goldprägungen Großgeldemissionen waren, die vor allem der Finanzierung zahlreicher Kriege dienten, der politisch-religiösen Propaganda nutzten, den Fernhandel der großen Handelsmächte erleichterten und Donativzwecken und Jubiläumsfeierlichkeiten förderlich waren, dann wird zweierlei klar:
1. Die gesamten Zahlungsströme im Hellenismus konnten nicht allein durch Goldmünzen bewältigt werden, zumal Gold längst nich überall im Überfluss vorhanden war und auch nicht nur zur Münzprägung genutzt wurde, sondern mussten und wurden durch riesige Mengen von Silbermünzen ergänzt und gestützt;
2. Trotz beachtlicher Goldmünzenmengen gab es in der antiken griechischen Staatenwelt nie reine Goldwährungen, sondern fast überall bimetallische Gold-Silberwährungen oder auch reine Silberwährungen, die dann durch lokale Bronzeprägungen zusätzlich ergänzt wurden.
Michael Kurt Sonntag
Literatur: Peter Robert Franke, Max Hirmer: Die Griechische Münze. München 1964; G. K. Jenkins / Harald Küthmann: Münzen der Griechen. München 1972; Eva und Wolfgang Szaivert nach David R. Sear: Griechischer Münzkatalog. Bd. 1: Europa, Bd. 2: Asien und Afrika. München 1981, 1983; Arthur L. Friedberg, Ira S. Friedberg: Gold Coins of the World. From Ancient Times to the Present. 8. Aufl., Clifton, New Jersey 2009; Martin Jessop Price: The Coinage in the Name of Alexander the Great and Philip Arrhidaeus, 2 Bde. Zürich / London 1991; Oliver D. Hoover: The Handbook of Greek Coinage Series. Bd. 1–12. Lancaster / London 2009–2018; Sylloge Nummorum Graecorum: France 5, Mysie. Bibliothèque Nationale de France, Numismatica Ars Classica. Paris 2001; Evangéline Markou: L´or des rois de Chypre. Numismatique et histoire à l´époque classique. Athènes 2011; Catharine C. Lorber: Coins of the Ptolemaic Empire, Part I and II. New York 2018, 2025; Margaret Thompson: “The Mints of Lysimachus”, in: Essays in Greek Coinage Presented to Stanley Robinson. Oxford 1968; Agnes Baldwin: Lampsakos: The Gold Staters, Silver and Bronze Coinages, in: American Journal of Numismatics, Vol. III. Third (Final) Part. New York 1924; Christoph Boehringer: „Zu Finanzpolitik und Münzprägung des Dionysios von Syrakus“, in: Otto Morkholm & Nancy M. Waggoner (Hrsg.): Essays in Honor of Margaret Thompson. Wetteren 1979; Dietrich O. A. Klose: Von Alexander zu Kleopatra. Herrscherporträts der Griechen und Barbaren. München 1992; Werner Huß: Ägypten in helleni stischer Zeit. 332–30 v. Chr. München 2001; Karl Schefold: Der Alexander-Sarkophag. Berlin 1968; Michael Pfrommer: Alexandria. Im Schatten der Pyramiden. Mainz am Rhein 1999; Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Hrsg.): Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, 16 Bde. Stuttgart / Weimar 1996–2003.
Den in den Bildunterschriften erwähnten Quellen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.




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