Deutsche Sammlermünzen: Vortrag über das Programm im Berliner Münzkabinett
- Dietmar Kreutzer

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Im April 2026 stand eine Veranstaltung zur Gestaltung der deutschen Sammlermünzen auf dem Programm der Numismatischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg. Olaf S. Gehrke, zuständig für politische Angelegenheiten beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, informierte und beantwortete Fragen zum Thema. Einleitend erklärte Gehrke, dass das Ministerium der Finanzen mit der Ausgabe von Sondermünzen zusätzliche Einnahmen für den Bundeshaushalt erwirtschafte. Deutschland sei eines der wenigen Länder, das Wettbewerbe zur Gestaltung dieser Münzen ausrichte. Die Wettbewerbe seien beschränkt, jeweils zehn Künstler werden eingeladen. Vor einigen Jahren wurde der Beauftragte für Kultur und Medien an der Entscheidungsfindung für die Motive zusätzlich beteiligt. Olaf S. Gehrke nehme daher regelmäßig an den Sitzungen der Preisgerichte teil. Außer ihm seien ein Vertreter des Bundesministeriums der Finanzen sowie des Bundesverwaltungsamts beteiligt, außerdem ein Historiker, der als sogenannter Ereignisvertreter bezeichnet wird, weiterhin ein Numismatiker, ein Münztechniker, ein bildender Künstler und ein Designer. Die offizielle Freigabe zur Herstellung der Münzen ergehe durch einen Kabinettsbeschluss, den das Bundesministerium der Finanzen im Einvernehmen mit dem Beauftragten für Kultur und Medien vorbereite.

Olaf S. Gehrke (links) mit Lutz Farohn
von der Numismatischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg
Foto: Caspar
Olaf S. Gehrke zeigt die Wettbewerbsunterlagen
zur Steinhummel (5 Euro, 2024) mit den zugehörigen Gipsmodellen
Foto: Kreutzer

Jeder Bürger kann Vorschläge zur Gestaltung der Münzen einreichen. So habe sich unlängst auch Gehrke selbst mit einem Vorschlag eingebracht. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, seien seit der Gründung der Bundesrepublik nur verdiente Männer auf den deutschen Sondermünzen gewürdigt worden. Gehrke sei es zu verdanken, dass nun über längere Zeit hinweg jährlich an eine verdiente Frau erinnert wird. Das erste Motiv der neuen Reihe würdigte unlängst das Internationale Jahr der Frau. Als zweite Münze erschien im zurückliegenden Jahr ein Stück, das an Elly Heuss-Knapp erinnert, die Gattin des früheren Bundespräsidenten, die das Müttergenesungswerk gründete. Bei der Umsetzung des prämierten Motivs trat der seltene Fall ein, dass der Bundesminister der Finanzen intervenierte. So ging der zweitplatzierte Entwurf in die Produktion. Die Entscheidung für eine Sondermünze zu Ehren der jüngst verstorbenen Margot Friedländer fiel kurzfristig. Anstelle eines Porträts wurde die von Erinnerungen aufgeladene Halskette dieser namhaften Überlebenden des Holocausts ausgewählt. Es gebe im Entscheidungsprozess immer wieder Überraschungen. Die deutsche Zwei-Euro-Münze zum 1.275. Geburtstag von Karl dem Großen hatte eine solche Überraschung parat. Anstelle eines fiktiven Porträts von Karl dem Großen ist ein Motiv ausgewählt worden, das aus zwei zeitgenössische Bildelementen besteht. Das Monogramm des Kaisers und das Oktogon des Aachener Doms sind so gekonnt kombiniert, dass beide Motive zu einem Kunstwerk verschmelzen. Diese Münze bezeichnete Gehrke auf eine Nachfrage hin als sein persönliches Lieblingsstück.

Olaf S. Gehrcke (rechts) im Gespräch
mit Ulrike Peter (links, Akademie der Wissenschaften, Griechisches Münzwerk)
und Dietmar Kreutzer (Mitte, Münzen-Online)
Foto: Caspar
Die Qualität der Münzentwürfe sei nicht immer zufriedenstellend. Die Hälfte der zu den Wettbewerben eingereichten Entwürfe seien rein grafische Arbeiten, die keine plastischen Qualitäten hätten, also gar nicht in der dritten Dimension arbeiteten. Das sei bedauerlich. Über die jüngsten Schwierigkeiten mit dem Nennwert und der Legierung der Silbermünzen mit Gedenkcharakter konnte sich Gehrke als Vertreter des Beauftragten für Kultur und Medien nicht dezidiert äußern. Laut Münzgesetz handelte es sich bei diesen Stücken um Zahlungsmittel, die zum aufgeprägten Preis ausgegeben würden. Das Anliegen, das hinter solchen Münzen stehe, leuchte ihm überdies ein. Es bestehe darin, silberne Sondermünzen in der Prägequalität Stempelglanz als preiswertes „Einstiegsprodukt“ für Jedermann anzubieten. Sie sollen auch künftig jederzeit zum Nennwert zurückgetauscht werden können. Lediglich der Verkaufspreis für die höherklassigen und damit wesentlich teureren Produkte aus Gold oder Silber in einer besonderen Prägequalität sei an den Materialwert gekoppelt. Die Nachfrage, ob dies bei einer Wertbezeichnung von 35 Euro und einem Silbergehalt von lediglich 50 Prozent noch zeitgemäß sei, könne er nicht beantworten. Darüber werde im Bundesministerium für Finanzen entschieden. Im kommenden Jahr darf offenbar mit einer Sondermünze zum 100. Jahrestag des Filmklassiker Metropolis gerechnet werden. Hier soll ein Entwurf realisiert werden, der aus einem der Wettbewerbe des Bundesverwaltungsamtes für den Nachwuchs als Sieger hervorging.
Dietmar Kreutzer








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