top of page

Das Bild der „Moneta“ auf römischen Münzen

„Moneta“ kennen wir gemeinhin als die römische Personifikation des Münzwesens. Die Herleitung des Begriffs „Moneta“ ist allerdings nicht ganz so einfach. Fest steht zumindest, dass im Jahr 344 v. Chr. ein von Lucius Furius Camillus gelobter Tempel für Iuno Moneta auf der Arx des kapitolinischen Hügels in Rom eingeweiht worden sein soll. Umstritten ist dagegen die Etymologie des Beinamens Moneta. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich dieser Beiname vom lateinischen „monere“ (mahnen, warnen, erinnern) herleitet. Der römische Historiker Livius bezieht dieses „Warnen“ z. B. auf die Heiligen Gänse auf dem Kapitol, die 390 v. Chr. die Römer durch ihr Geschnatter vor dem nächtlichen Angriff der Gallier warnten. Wahrscheinlicher ist jedoch die Theorie, dass es sich bei dem Begriff „Moneta“ ursprünglich um eine außerrömische Gottheit gehandelt hat, die dann nach römischen Usus mit Iuno gleichgesetzt wurde. Im zweiten Viertel des dritten vorchristlichen Jahrhunderts wurde in unmittelbarer Nähe des Tempels der Iuno Moneta die römische Münzstätte errichtet. Im Lauf der Zeit hat sich dann der Name der Göttin zunächst auf die Münzstätte, dann aber auch auf das von dieser Werkstatt gepräg-

te Geld übertragen. Weder vom Iuno-Tempel noch von der Münzstätte hat man bisher überzeugende Spuren gefunden. Vermutet werden beide Gebäude im Bereich der heutigen Kirche Santa Maria in Aracoeli.

Abb. 1 D, 46 v. Chr., Rom, RRC Nr. 464,2


Auf römischen Prägungen findet sich das Bild der Moneta erstmals im Jahr 74 v. Chr. (RRC 396/1). Unser Beispiel, ein Denar des Münzmeisters Titus Carisius (Abb. 1), stammt aus dem Jahr 46 v. Chr. Auf dem Avers ist eine ideale Frauenbüste mit Ohrring und Halskette im „klassischen“ Profil abgebildet, wobei die Frisur sich auch bei klassischen Apollo-Statuen wiederfindet. Durch die Beischrift „MONETA“ wird die Büste benannt, allerdings nicht eindeutig: handelt es sich hierbei schon um die Personifikation Moneta oder um Iuno Moneta? Beide Gottheiten scheinen möglich zu sein, die communis opinio interpretiert die Büste als die der Iuno Moneta. Auf der Rückseite sehen wir innerhalb eines Lorbeerkranzes mehrere Werkzeuge dargestellt, die für die Münzprägung notwendig waren. Im Zentrum ist ein rechteckiger Amboss abgebildet, über dem die mit einem Kranz verzierte Kappe des Schmiedegottes Vulcanus schwebt. Die Vulcanus-Kappe nimmt dadurch direkten Bezug zum Amboss, einem „Hauptwerkzeug“ des Schmiedegottes. Links vom Mittelbild ist eine Zange, rechts ein Hammer dargestellt. Amboss, Zange und Hammer als Werkzeuge zur Münzprägung finden sich in der gesamten stadtrömischen Münzprägung

nur auf diesem Denar. Über dem Münzbild ist noch der Name des Münzmeisters „T CARISIVS“ zu lesen.


Nach diesen ersten Darstellungen der „Moneta“ dauert es ein gutes Jahrhundert, bis diese Personifikation wieder auf römischen Münzen erscheint. Dann allerdings wieder in einer gewissen Doppeldeutigkeit. Dies sei an zwei Beispielen der flavischen Epoche gezeigt.


Abb. 2 S, 71, Rom, RIC II-12 Vesp. Nr. 227


So erscheint beispielsweise auf einem unter Vespasian geprägten Sesterz (Abb. 2) aus dem Jahr 71 auf dem Revers eine nach links hin stehende, langgewandete Frauenfigur, die in ihrer weit vorgestreckten rechten Hand eine Waage hält, und die im linken Arm ein großes Füllhorn trägt. Diese Frau wird durch die Umschrift „AEQVITAS AVGVSTI“ als Aequitas, die Personifikation der ausgleichenden Gerechtigkeit, der Rechtschaffenheit und der Integrität, benannt. Die Waage symbolisiert wie bei Iustitia das Abwägen von Recht und Unrecht, und das Füllhorn steht allgemein für Wohlstand, in unserem Fall der durch gerechtes Handeln erworbene Wohlstand. Aequitas hat auf anderen Münzen anstelle des Füllhorns ein langes Zepter als Attribut.


Abb. 3 As, 85, Rom, RIC II-12 Dom. Nr. 303


Dasselbe Münzbild wie auf dem vespasianischen Sesterz finden wir auf dem wunderschönen domitianischen As (Abb. 3). Dieses wurde im Jahr 85 von der stadtrömischen Münzstätte geprägt. Nunmehr lautet die Reverslegende aber „MONETA AVGVST“ (Moneta Augusti oder Moneta Augusta), d. h. aus Aequitas wird durch eine anderslautende Umschrift Moneta. Mit der Legende „MONETA AVGVSTI“ und deren Bild auf den Münzen zeigt sich der Kaiser als Garant dafür, dass der Wert und dadurch die Kaufkraft der unter seiner Herrschaft geprägten Münzen stabil bleiben, und dass das Münzsystem verlässlich funktioniert in all seinen Schattierungen.


Sowohl für Aequitas als auch für Moneta sind Waage und Füllhorn richtungsweisend, beide brauchen die Waage zum „Abwägen“ - bei Aequitas ist es das Abwägen zwischen Recht und Unrecht, bei Moneta bestimmt die Waage das richtige Münzgewicht und dadurch den Wert des Geldes - und das Füllhorn als Zeichen des durch das richtige „Abwägen“ erzielten Wohlstandes. Ein Bildschema steht somit für zwei Personifikationen. Dies wird dann noch interessanter, wenn auf eine Legende bzw. auf eine konkrete Bezeichnung verzichtet wird. Dann bleibt es letztendlich dem Betrachter überlassen, ob er in dem Münzbild Aequitas, Moneta oder beide zusammen sehen möchte. Ein schönes Beispiel hierfür ist der hadrianische Aureus aus dem Jahr 121 (Abb. 4). Die Reverslegende nennt einige Titel bzw. Ämter Hadrians, benennt jedoch nicht die dargestellte Figur. Sicherlich war diese „Unsicherheit“ - ob Aequitas oder Moneta - auch von den Verantwortlichen gewollt, beide Personifikationen betonen die gerechte Verwaltung, insbesondere der Finanzen durch den Kaiser. Daneben zeigt unser Aureus noch eine weitere Besonderheit. Sehr schön ist auf dem Avers die feine, kreisrunde Führungslinie zu sehen, die von den Stempelschneidern zur exakten Iustierung von Münzporträt und Münzlegende verwendet wurden.

Abb. 4 AV, 121, Rom, RIC II-32 Nr. 383


Abb. 5 AV, 198 - 200, Rom, RIC IV-1 Sept. Sev. Nr. 135 A


Unter Septimius Severus wird, wie auf dem Aureus (Abb. 5) zu sehen, ein neuer Bildtyp der Moneta eingeführt: die thronende Moneta. Moneta sitzt auf einem reich verzierten Hocker nach links gerichtet. Wie in ihrer stehenden Version ist sie langgewandet und besitzt als Attribute die Waage in der Rechten und im Arm das Füllhorn. Die Darstellung wird durch die Legende „MONETA AVGG“ (Moneta Augustorum - Moneta der Kaiser) benannt, d. h. die Umschrift bezieht sich auf die beiden Augusti Septimius Severus und dessen ältesten Sohn Caracalla, der Anfang 198 im zarten Alter von nur neun Jahren von seinem Vater zum Augustus erhoben wurde.


Bereits unter Commodus wird ein Moneta-Bildtyp etabliert, der sehr schön auf dem Revers des gallienischen Medaillons (Abb. 6) dargestellt ist. Jetzt werden nicht nur eine Moneta, sondern deren drei abgebildet. Alle drei stehen auf einer Standlinie nebeneinander. Alle drei Monetae besitzen zudem das gleiche Standmotiv und sind gleich bekleidet mit einem langen, fein drapierten Gewand und einem Diadem auf dem nach links gerichteten Kopf. In ihrer vorgestreckten Rechten halten sie die Waage, im linken Arm tragen sie das große, gefüllte Füllhorn. Jeweils links von jeder Moneta liegt am Boden ein Münzhaufen. Dieser Münzhaufen ist ausschlaggebend für die Benennung der drei Figuren. Denn die

Reverslegende „AEQVITAS PVBLICA“ (die öffentliche Gerechtigkeit) bezieht sich auf Aequitas. Auch hier ist also wieder eine gewisse Zweideutigkeit der Darstellung gegeben.

Abb. 6 AV Med. (27, 58 g), 262, Rom, RIC V-1 Gallienus Nr. 1


Die drei Monetae mit den davor befindlichen Münzhaufen beziehen sich sicherlich auf die drei Metalle, in denen römische Münzen geprägt wurden: Gold, Silber und die Aes. Zudem finden wir die „Dreizahl“ auch bei den tres viri monetales, also dem „Drei-Männer-Kollegium“, das für die Münzprägung zuständig war, in deren ausführlichen Bezeichnung „Tresviri aere argento auro feriundo“ (Drei Männer zum Prägen von Bronze, Silber und Gold) wir auch wieder die Nennung der drei Münzmetalle finden. Das Münzbild der „Tres Monetae“ wird unter Septimius Severus relativ oft und dann im dritten und vierten Jahrhundert häufig verwendet.


Unsere Beispiele belegen eindrucksvoll, dass die Darstellung einer Personifikation für mehrere Identitäten verwendet werden konnte, wobei diese bei unserer Auswahl relativ artverwandt sind. Ob es sich um Moneta oder Aequitas handelt, bleibt oft dem Betrachter des Münzbildes überlassen. Diese Ein- bzw. Zweideutigkeit war sicherlich beabsichtigt, beziehen sich doch beide Personifikationen auf das gerechte, für Wohlstand sorgende Handeln des Kaisers.


Horst Herzog

Kommentare


www.muenzen-online.com | Regenstauf

© 2025 Battenberg Bayerland Verlag GmbH

bottom of page