Das Traiansforum auf Münzen Traians
- Horst Herzog

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Von den Kaiserforen in Rom war das des Traian (Abb. 1) mit einer Länge von rund 310 m und einer Breite von rund 188 m bei weitem das Größte. Mit dem Bau dieses Forums wurde im Jahr 107 begonnen, vollendet wurde es 112, die Säule als das noch am besten erhaltene Bauteil des Forums wurde 113 eingeweiht. Verantwortlich für Planung und Ausführung war Apollodoros von Damaskus. Finanziert wurden die Bauten aus der Kriegsbeute der beiden Dakerkriege.

Abb. 1 Das Traiansforum, schematischer Grundriss
Urheber: Foros_imperiales-plano_base.png
Zum Forum gehörten eine monumentale Toranlage im Südosten, dann eine große Platzanlage mit Portiken und zwei seitlichen Exedren. Inmitten dieses Platzes stand ein ebenfalls monumentales Reiterstandbild des Traian, der „equus Traiani“. Den nordwestlichen Abschluss der Platzanlage bildete eine fünfschiffige Basilika, die „Basilica Ulpia“. Daran anschließend folgten wohl zwei Bibliotheksgebäude, die die Traianssäule einschlossen. Wie bei vielen berühmten Bauwerken Roms ist auch vom Traiansforum relativ wenig erhalten. Ein Großteil des Forums wird von der Prachtstraße „Via dei Fori Imperiali“ überdeckt. Vom Rest sind nur Fundamente, Marmorböden und einige Säulen mehr oder wenig gut erhalten. Einen Eindruck von der ursprünglichen Pracht des Traiansforums vermittelt
uns der spätantike römische Historiker Ammianus Marcellinus anlässlich des Rombesuchs des Kaisers Constantius II. im Jahr 356 (Amm. Marc. Rerum Gestarum 16.10.15; übers. von W. Seyfarth):
„Dann kam der Kaiser [Constantius II.] zum Trajansforum. Nach unserer Meinung läßt es sich mit keinem anderen Bauwerk unter dem Himmel vergleichen und verdient sogar nach der Meinung der Gottheiten Bewunderung. Da blieb er wie vom Donner gerührt stehen, und seine Gedanken schweiften um die gigantischen Konstruktionen, die Worte nicht schildern können und die von Menschen nicht noch einmal erreicht werden. Ihm schwand die Hoffnung, einen ähnlichen Versuch zu wagen.“
Abb. 2 AV, 112 - 114, Rom, RIC II Traian Nr. 257
Bildquelle: https://ikmk.smb.museum/object?id=18273038
Wie bereits erwähnt, betrat der Besucher das Forum durch eine prachtvolle Toranlage, deren Aufbau wir nur durch das Münzbild (Abb. 2) kennen. Dieses wird dementsprechend stets zur Rekonstruktion des Eingangsbereiches herangezogen. Auf dem Avers des Aureus ist die nach rechts gerichtete drapierte Panzerbüste Traians abgebildet, die Legende nennt Titel und Ämter des Kaisers. Auf dem Revers ist die Inschrift „FORVM TRAIAN“ zu lesen. Damit ist das darüber befindliche Bauwerk eindeutig identifiziert, es handelt sich hierbei um den Zugang zum Forum, der in Art eines monumentalen Triumphbogens aufgebaut ist. Wir sehen zunächst sechs verkröpfte Säulen mit vier Nischen und in der Mitte den Tordurchgang. In den Nischen befanden sich Aedikula, in denen Statuen standen. Oberhalb der Aedikula und des Torbogens sind runde Elemente zu sehen, bei denen es sich um Porträtbüsten handeln dürfte, die uns als sogenannte „imagines clipeatae“ bekannt sind. Darüber folgt eine hohe Attikazone, in deren Mitte sich ein rechteckiges Feld befindet, das sicherlich für eine Inschrift verwendet wurde. Bekrönt wird die Anlage von einem zentralen Sechsgespann, das von Traian gelenkt wird. Neben Traian steht Victoria,
die den Kaiser bekränzt. Beiderseits des Sechsgespanns sind Statuengruppen angeordnet, deren Mitte jeweils von einem Tropaion, einem Siegesmal, gebildet wird. Schon die wenigen erkennbaren Details zeigen, dass bereits der Zugang zum Traiansforum die Sieghaftigkeit des Kaisers in den Mittelpunkt stellt.
Abb. 3 D, 112 - 113, Rom, RIC II Traian Nr. 291
Bildquelle: https://ikmk-win.ch/object?id=ID3359
Nachdem der Besucher das Forum betreten hatte, stand er auf einem weiten Platz, der von einem regelrechten „Säulenwald“ umgeben war. Direkt im Blickfeld des Besuchers stand nahezu in der Mitte des Platzes ein monumentales Reiterstandbild. Bei neueren Ausgrabungen wurden nicht ganz in der Mitte des Forums, sondern leicht nach Süden hin versetzt, Fundamente von rund 8 auf 12 m aus „opus caementitium“, dem römischen Gussmauerwerk, gefunden. Aufgrund dieser Basis wird ein Reiterstandbild rekonstruiert, das ungefähr doppelt so groß gewesen sein muss wie das des Marcus Aurelius auf dem Kapitol in Rom. Dazu passt auch der an das oben erwähnte Zitat anschließende Text des Ammian (Amm. Marc. 16.10.15; übers. W. Seyfarth):
„…. nur das Pferd Trajans im Mittelpunkt des Atriums, das den Kaiser selbst trägt, wolle und könne er nachbilden, sagte er [Constantius II.]. Nahe bei ihm stand der [persische] Königssohn Hormisdas. [….] Mit angeborener Gewandtheit antwortete der: Vorher, mein Kaiser, laß einen solchen Stall bauen, wenn du dazu imstande bist; dann soll das Pferd, das du herstellen lassen willst, ebenso breit darin ausschreiten wie das, das wir hier sehen.“
Es ist in der Forschung nahezu unbestritten, dass der Denar in Abb. 3 auf seiner Rückseite dieses monumentale Reiterstandbild wiedergibt. Das Pferd trabt leicht nach links, lediglich sein rechter Vorderhuf ist angehoben, die restlichen drei Beine stehen fest auf dem Boden. Dieses Standmotiv passt zu einem so großen Standbild, dessen Statik sicherlich nicht so einfach zu gewährleisten war. Auf dem Pferd sitzt in majestätischer Pose der Kaiser. Dieser tragt militärische Rüstung mit Stiefeln, Helm, Panzer und darüber das Paludamentum, den Feldherrenmantel. Mit seiner rechten Hand hält Traian eine Lanze, dessen Spitze am Boden aufsteht, und in der Linken befindet sich bei genauerem Hinsehen eine kleine Victoriastatuette. Das Reiterstandbild bezieht sich auch wieder auf die Sieghaftigkeit des Kaisers.
Abb. 4 AV, 112 - 114, Rom, RIC II Traian Nr. 247
Bildquelle: https://ikmk.smb.museum/object?id=18273028
Die Platzanlage wird von der Basilika Ulpia abgeschlossen. Diese fünfschiffige Halle war mit 59 auf 176 m von gigantischen Ausmaßen. Schon allein das Mittelschiff mit einer Breite und einer Höhe von 25 m und einer Länge von 88 m muss auf den Besucher wie ein Weltwunder gewirkt haben. Zudem wurden zur Ausschmückung der Halle verschiedenfarbige Marmorsorten verwendet. Die Basilika verläuft quer zum Forumseingang und war mit einer prachtvollen Fassade ausgestattet, von der wir auf dem Aureus in Abb. 4 eine Reminiszenz finden. Denn auf dem Revers dieser Münze können wir die Inschrift „BASILICA VLPIA“ lesen. Auf einem dreistufigem Podium befinden sich die drei Eingänge, die auch durch die Ausgrabungen nachgewiesen sind. Gerahmt werden die Eingänge von vorspringenden Säulenpaaren. Links und rechts sind jeweils eine zurückversetzte Säule angebracht. Die Säulen tragen eine hohe Attikazone, die für zahlreiche Statuen als Basis dient. Im Zentrum steht eine Quadriga, wohl ebenfalls wieder mit dem Kaiser als Wagenlenker. Flankiert wird das Viergespann von jeweils einem Zweigespann. Zwischen der Quadriga und den Zweigespannen steht jeweils eine Figur mit Lanze. An den beiden äußeren Seiten sind jeweils zwei Feldzeichen angebracht. Über dem Statuenschmuck ist der
Dachabschluss der Basilika zu sehen, auf dem sich zahlreiche palmettenförmige Antefixe befinden.
Abb. 5 Dp, 112 - 114, Rom, RIC II Traian Nr. 603
Bildquelle: https://numid.uni-rostock.de/object?id=ID132
Das am besten erhaltene Monument des Traiansforums ist die Traianssäule (Abb. 6). Diese wurde offiziell am 12. Mai 113 vom Senat gestiftet. Die Säule beeindruckt durch ihre Höhe von rund 35 m und dem Fries, der in einem Spiralband von 200 m Länge den Säulenschaft umzieht. Dargestellt sind die beiden Dakischen Kriege Traians. Der Säulenschaft besteht aus Carrara-Marmor. Im Inneren der Säule wurde eine Wendeltreppe angelegt, die bis zur Spitze führt. Bekrönt wurde die Säule ursprünglich von einer Statue des Kaisers. Der Unterbau der Säule beherbergt nicht nur den Zugang zur Wendeltreppe im Inneren der Säule und die Dedikationsinschrift, sondern er diente auch in einem seperaten Raum
als Begräbnisstätte Traians und seiner Frau Plotina. Dies ist sehr ungewöhnlich, weil durch das römische Zwölftafelgesetz Bestattungen innerhalb des Pomeriums, der Stadtgrenze Roms, verboten waren. Die Säule wird auf dem Dupondius in Abb. 5 sehr schön dargestellt. Zu sehen ist der reliefverzierte, fast quadratische Unterbau. Auf diesem sitzen links und rechts der Säule jeweils ein Adler. Es sind dies die Adler, die an den Ecken der Basis in Relief dargestellt sind. Deutlich erscheint auch das Spiralband des Frieses. Bekrönt wird die Säule von einem hohen Architrav und der Ehrenstatue des Kaisers. Die jetzige Petrus-Statue wurde 1587 von Papst Sixtus V. aufgestellt, nachdem im Mittelalter die ursprüngliche Traianstatue eingeschmolzen worden war. Laut der Dedikationsinschrift zeigt die Höhe der Säule auch an, „wie hoch der Hügel und das Gelände war, das für diese umfangreichen Baumaßnahmen entfernt wurde“. Diese massive Erdabtragung bestätigt auch der römische Historiker Cassius Dio (Röm. Gesch. 68.16.3; übers. O. Veh):
„Er schuf auch Bibliotheken. Und auf dem Forum errichtete er eine Riesensäule, die zugleich als Grabmal für ihn wie auch zum Gedenken an seine Leistung auf diesem Platz dienen sollte. Jener ganze Raum war nämlich hügelig gewesen, und er hatte ihn entsprechend der Säulenhöhe abtragen lassen, wodurch er das Forum zu einer ebenen Fläche machte.“
Die beiden letzten Zitate zeigen deutlich, mit welchem Riesenaufwand das Forum in Szene gesetzt wurde, und das in relativ kurzer Zeit! Die Kriegsbeute aus den beiden Dakerkriegen, die zur Finanzierung des Forums diente, scheint immens gewesen zu sein. Das Traiansforum ist die bauliche Manifestation der Sieghaftigkeit des Optimus Princeps Traian.

Abb. 6 Traianssäule, davor Reste der Basilika Ulpia
Bildquelle: Wikimedia Commons
Der nordwestliche Abschluss des Forums bleibt unklar. In älteren Rekonstruktionen bzw. Grundrissen schließt hier ein von Hadrian errichteter Tempel für den Divus Traianus an; dieser ist allerdings nicht nachgewiesen und fehlt auch bei unserem Grundriss.
Horst Herzog




















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