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Bei Erhaltungsgraden von Münzen gibt es einigen Ermessensspielraum

Sammler und Händler bedienen sich eines fein abgestimmten Systems von Beschreibungen der Erhaltungsgrade von Münzen und Medaillen. Es versteht sich, dass unsere Einstufung recht subjektiv ist und manchen Ermessensspielraum und auch einiges Streitpotenzial enthält, denn der eine beurteilt das Stück so und ein anderer so. Gut müsste eigentlich schlecht heißen, denn die so eingestuften Stücke sind derart abgegriffen und abgeschliffen, dass man auf ihnen kaum etwas erkennen kann. Sehr gut ist auch eine Übertreibung, denn Münzen mit diesem Erhaltungsgrad eigen sich allenfalls als historische Belege und zur Ergänzung einer auf Vollständigkeit ausgerichteten Sammlung.

Das Fünf-Mark-Stück von 1951 war lange im Umlauf und daher ziemlich abgegriffen. Man könnte es als „schön“ einstufen. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Schön klingt schon besser, aber die so beurteilten Münzen und natürlich auch Medaillen, die wir hier nicht außer Acht lassen wollen, weisen erhebliche Abnutzungsspuren auf. Man kann auf ihnen die meisten Details gut erkennen. Neuzeitliche Münzen dieses Erhaltungsgrades eignen sich wenig als Sammelstücke und schon gar nicht zur Geldanlage. Da sie aber häufig recht preiswert zu haben sind, findet man sie in vielen Sammlungen. Wenn es sich ergibt, sollte man sie durch besser erhaltene Ausgaben ersetzen. Münzen, die sehr lange im Umlauf waren, kommen in der Regel mit dem Erhaltungsgrad schön. Doch wenn sie in besserem Zustand angeboten werden, sind ihnen gute Preise sicher.

Stempelglanz oder vorzüglich kann man den Münzen zu Ehren von Gottfried Wilhelm Leibniz aus den Jahren 1966 und 2009 durchaus zubilligen. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Sehr schön sind viele Münzen, die lange im Umlauf waren. Die Reliefs sind zwar abgenutzt, doch ist der Allgemeineindruck akzeptabel. Historische Münzen, ob antike Griechen, Römer oder Kelten, ob alte Pfennige, Gulden oder Taler kommen häufig in dieser Erhaltung vor, weisen aber auch Rückstände auf, die auf langes Liegen in der Erde oder an anderen Orten deuten. Angesichts des langen Umlaufs von Hand zu Hand, von Beutel zu Beutel sollte man sich mit dem Gedanken anfreunden, sie nur in diesem durchaus annehmbaren Zustand zu bekommen. Vorzüglich eingestufte Stücke weisen keinerlei grobe Beschädigungen auf, und auch der Rand ist einwandfrei erhalten. Winzige Kratzer, die nur unter der Lupe zu erkennen sind, können vorkommen.

In einem blitzenden Strom fallen in der Staatlichen Münze Berlin frisch geprägte Zweieuromünzen in die Kiste. Das Metall weist herstellungsbedingt kleine Verletzungen auf, man kann die Münzen als stempelfrisch einstufen. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Stempelfrisch sind Stücke ohne Fehl und Tadel. Die so eingestuften Münzen waren nie oder nur wenig im Umlauf und weisen deshalb die dafür charakteristischen Merkmale nicht auf. Viele stempelfrische Münzen sind im Laufe ihres „Sammlerlebens“ angelaufen und entbehren des charakteristischen hellen Metallglanzes. Stempelglanz beschreibt den Zustand einer Münze, wie sie aus der Presse in einen Korb fällt. So möchte man seine Münzen haben, doch wenn man sie mit der Lupe oder unterm Mikroskop betrachtet, wird man auf ihnen winzige, mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbare Verletzungen sehen, die sich aus dem Herstellungsprozess ergeben, aber auch nicht schlimm und preismindernd sind.

Polierte Platten sind Ergebnis einer besonders sorgfältigen Herstellungsweise, hier zu sehen bei einem in Berlin geprägten 20-Euro-Stück von 2014 mit dem Porträt des Berliner Bildhauers und Grafikers Johann Gottfried Schadow. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Bereits im 19. Jahrhundert hat man in wenigen Exemplaren so genannte Polierte Platten für Sammler und Münzkabinette geprägt, bei denen sich das Relief matt vom spiegelglatt glänzenden Untergrund abhebt. Solche Münzen oder auch Medaillen werden einzeln mit Hilfe extra polierter Stempel angefertigt, wobei eine Berührung mit anderen Prägestücken nicht erfolgt. Bei diesem höchsten Erhaltungsgrad verbietet es sich, dass man sie betastet, denn Fingerabdrücke können die PP, wie die Polierten Platten abgekürzt genannt werden, nachhaltig beeinträchtigen und den handelswert der Stücke mindern. Da PP-Münzen im Unterschied zu anderen sehr teuer sind, fehlt es nicht an Versuchen, diesen Zustand künstlich zum Zweck der Wertsteigerung zu erzeugen. Wer das tut, vergreift sich an dem Stück und erreicht genau das Gegenteil, nämlich eine Wertminderung. Der Hinweis gilt natürlich auch für Stücke, deren Zustand durch „Bearbeitung“ geschönt und damit beeinträchtigt wird.

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