Aus öffentlichen Sammlungen: Barockes Talerfass im Schloss Königs Wusterhausen
- Helmut Caspar

- vor 3 Tagen
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In Berliner Museumsbesitz blieb eine stattliche Anzahl barocker Münzgefäße erhalten. Einige stammen aus dem Rittersaal des 1950 kommunistischem Bildersturm geopferten Schlosses, das vor einigen Jahren als Humboldt-Forum seine Wiedergeburt erlebte. Das bis zum Zweiten Weltkrieg im Rittersaal des Barockpalastes aufgestellte Silberbuffet ist ein interessantes Zeugnis für das Bestreben der Kurfürsten von Brandenburg und Könige von Preußen, in ihren Schlössern riesige Bestände an silbernen Geschirren, Tafelaufsätzen, Leuchtern und Spiegeln zu horten. Sie waren ein wichtiger Teil des Staatsschatzes und wurden auch, wenn Not war, eingeschmolzen, um das Metall zur Herstellung von neuen Münzen zu verwenden.

Das beim Tabakskollegium des preußischen Soldatenkönig verwendete Talerfass ist im Schloss Königs Wusterhausen bei Berlin ausgestellt.
Die Existenz des Berliner Silberbuffets ist der Intervention eines beherzten Beamten zu verdanken. Er konnte 1809 König Friedrich Wilhelm III. bewegen, das tonnenschwere Ensemble und die mit alten Talern geschmückten Bier- und Weinhumpen aus Respekt vor früheren Hohenzollern-Herrschern vor der Vernichtung zu bewahren.

Auf den Henkeln des Talerfasses kann man die Silbermünzen gut erkennen. Diese stammen aus der Zeit des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der von 1640 bis 1688 regierte.
Den „Vogel“ unter den Münzhumpen schießt ein riesiges Bierfass ab, das für den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. vom Berliner Silberschmied Johann Christian Lieberkühn d. Ä. angefertigt wurde. Die laut der Beschreibung der Kgl. Residenzstädte Berlin und Potsdam von Friedrich Nicolai (Berlin 1786) „ungemein schwere große silberne Kanne mit zwey Handgriffen und einem Hähnchen“ wurde beim Tabakskollegium zum Bierzapfen verwendet. „Sie ist ganz mit Münzen und Medaillen, vornehmlich alten Brandenburgischen Talern belegt, und 140 Pfund 4 Loth schwer“, schrieb Nicolai. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Münzfass ins Berliner Münzkabinett, später ins Schloss Köpenick und ist heute im Schloss Königs Wusterhausen zu bewundern. Das Fass war eine Art numismatische Ahnengalerie, und damit man weiß, wer auf den Talern dargestellt ist, hat man zwischen den Geprägen Erklärungen graviert. Das Schloss diente dem Soldatenkönig als eine Art Nebenresidenz. Hier lud er seine engsten Vertrauten zu „Tabakskollegium“ genannten Saufgelagen ein, bei denen das Talerfass als Bierbehälter eine Rolle spielte.

Im Kunstgewerbemuseum Schloss Köpenick hat man das barocke Silberbuffet einschließlich mehrerer Münzgefäße analog der alten Präsentation im Berliner Schloss aufgebaut.
Wer sich für Münzgefäße interessiert, wird in zahlreichen Museen und Privatsammlungen Becher, Pokale, Kannen und Schalen finden, in die man sowohl Gedenkmünzen als auch gewöhnliches Kurantgeld, gelegentlich auch Medaillen eingelassen hat. Wenn gelegentlich im Münz- und Antiquitätenhandel Münzgefäße angeboten werden, ist es nötig zu prüfen, ob es sich um wirklich alte Stücke oder um Nachbildungen mit alten Münzen handelt. Gefäße aus königlichem Besitz, über die hier berichtet wurde, sind für Privatsammler unerreichbar. aber sie können in öffentlichen Sammlungen betrachtet werden.
Text und Fotos: Caspar




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