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Aus privaten Sammlungen: Medaille auf den Regierungsantritt von Kaiser Wilhelm II. (1888)

Aktualisiert: 14. Apr.

Als Repräsentationsobjekten kam den Medaillen im Kaiserreich eine besondere Bedeutung zu. Medaillen erschienen zu Jubiläen, der Einweihung von Bauten und Denkmälern oder zu großen Ausstellungen. Während das Design der Münzen staatlichen Verordnungen unterlag, konnten sich die Schöpfer von Medaillen weitgehend frei entfalten. Was dabei herauskam, vermochte im Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhundert nur selten zu überzeugen. Ein zeitgenössischer Fachmann beklagte "oede Leere in der Composition, stetige Langeweile im Figürlichen und trockene, glatte Nüchternheit in der plastischen Behandlung." Von dieser Medaille lässt sich allerdings kaum sagen, dass sie leer, nüchtern und trocken sei. Sie wurde von Heinrich Schwabe für die Nürnberger Münzprägeanstalt L. Chr. Lauer entworfen. Die Herstellerangaben sind am Ärmelanschnitt auf der Vorderseite der Medaille erkennbar. Heinrich Schwabe (1847-1924) war ein renommierter Bildhauer und Medailleur. Seit 1875 wirkte er als Professor für Bildhauerei an der Nürnberger Kunstgewerbeschule. Nebenbei modellierte er Medaillen für die Münzprägeanstalt Lauer. Aus der traditionsreichen Firma kamen zu dieser Zeit tausende Jetons, Marken und Medaillen.

Regierungsantritt Wilhelm II. von Preußen als Deutscher Kaiser

(Versilberte Bronzemedaille, 131 Gramm, 70 mm)


Das vorliegende Stück erinnert mit seiner Vorderseite an eine Medaille des Berliner Bildhauers Waldemar Uhlmann (1840-1896), die ebenfalls 1888 erschien, zum Tod von Kaiser Wilhelm I. Auf ihr trägt der Kaiser eine Generalsuniform mit Ordenskreuz und Bruststern sowie einen drapierten Hermelinmantel. Die Darstellung des jungen Kaisers im Hermelin, mit Uniform, Brustkreuz und Stern, fällt ähnlich aus. Die reiche Darstellung mit dem hohen Relief des Hauptes vermögen noch heute zu beeindrucken! Dasselbe gilt für die Rückseite. Sie erinnert entfernt an Krönungsmedaille des alten Kaisers, auf deren Rückseite um die Krönungsinsignien acht Schilde mit den wichtigsten preußischen Territorialwappen angeordnet sind. Auf der vorliegenden Medaille steht stattdessen das Reichswappen mit Herzschild und Krone sowie der Devise Gott mit uns im Zentrum. Es wird gefasst von einem Eichenlaubkranz und den Wappen von 19 der insgesamt 25 Teilstaaten des Deutschen Reiches. Die reduzierte Zahl ergibt sich, weil z.B. Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz zu Mecklenburg zusammengefasst sind. Dasselbe trifft auf Reuß Ältere Linie und Reuß Jüngere Linie zu, die als "Reuß" wiedergegeben werden.


Thomas Rauch

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