Aus privaten Sammlungen: Ein Maulesel-Wagen nur für die Kaiserin!
- Helmut Caspar

- vor 14 Minuten
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Gestern hörte ich in der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin den Vortrag von Tessa Scheunert (Uni Hamburg) über Frauendarstellungen auf römischen Münzen des ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhunderts und wie die dargestellten Gemahlinnen und Mütter der Kaiser einzuordnen sind. Da erinnerte ich mich, dass ich eine als Brosche gearbeitete Nachbildung eines römischen Sesterzen aus Silber (oder versilbertem Kupfer) mit einem von zwei Maultieren gezogenen Wagen (Carpentum) besitze. Rückseitig trägt sie das Bildnis der Kaiserin Agrippina Maior, der Mutter des Kaisers Caligula. Die Wagen mit gewölbtem Dach und mit zwei, manchmal auch vier Rädern waren nur Damen der kaiserlichen Familie vorbehalten und wurden als Staatskarossen bei festlichen Gelegenheiten benutzt. Sie transportierten, von Mauleseln gezogen, bei Trauerzügen in einer Urne die Asche verstorbener Herrscherinnen. Erst im 3. Jahrhundert war die Fahrt mit dem Carpentum höchsten Beamten gestattet.
Als Brosche gearbeitet ist die versilberte Nachbildung eines Sesterzen mit dem Bildnis der 33 nach Christus verstorbenen Agrippina maior, der Gemahlin des Germanicus und Mutter von Kaiser Caligula. Er ließ ihre Urne und die seiner Brüder im Augustusmausoleum in Rom beisetzen, Münzen mit ihrem Porträt prägen und veranstaltete zu ihrem Gedächtnis Feiern und Zirkusspiele.
Wie Horst Herzog in einem Eintrag vom 20. März 2024 hier im Blog berichtete, kommen die festlich geschmückten Wagen auch auf Münzen aus der Zeit der Kaiser Traian und Antoninus Pius vor, allerdings nur noch als Prägungen zur Erinnerung an früher verstorbene Frauen. Ein solcher Sestern ehrt Faustina, die früh verstorbene Gemahlin des Antoninus Pius. Er ließ sie zu den Göttern erheben und erbaute ihr zu Ehren einen Tempel, bei mittellose Familien Unterstützung für ihre Töchter bekommen konnten.
Bei der Brosche wurde silbernes Kleingeld mit dem Zarenadler aus den 1880er Jahren verwendet.

Solche Anstecknadeln mit vier silbernen Kopekenstücken dürften in mancher Russlandsammlung liegen.
Ich zeigte Ihnen hier noch ein Beispiel aus meiner Sammlung für die Verwendung von silbernen Kopekenstücken zu Schmuckzwecken, diesmal aus der Zarenzeit . Es kommen auch Anhänger und Armketten mit aneinander gereihten Silberkopeken vor. Die Herstellung solcher Schmuckstücke muss ein einträgliches Geschäft gewesen sein. Sie gehören alle in das Gebiet „Münzen als Schmuck“, das Beispiele von der Antike bis zur Gegenwart umfasst. Mit Henkeln und Löchern versehen, stellen sie interessante Zeugnisse für die Beliebtheit von geprägtem Gold und Silber als Schmuck für Hals und Hand sowie zur Befestigung an Hüten und auf der Kleidung dar. Zwar ist diese Art des Gebrauchs, manche sagen auch Missbrauchs, von Münzen bei Sammlern wenig beliebt. Auf der anderen Seite aber blieben auf diese Weise viele Geldstücke bis heute erhalten, während andere in vergangenen Jahrhunderten im Schmelztiegel verflüssigt wurden.
Helmut Caspar




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