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Aus öffentlichen Sammlungen: 100 Perpera (1910) aus der National Numismatic Collection

Die besten Geschichten über den König von Montenegro erzählte der Börsenspekulant André Kostolany: "Ein bekannter amerikanischer Geschäftsmann und Multimillionär bereiste den Balkan und kam auch nach Montenegro. Er wurde von König Nikita zu einem großen Gastmahl eingeladen. Nach dem Festmahl gingen der König und sein Gast auf den Balkon des königlichen Palais, um sich der Bevölkerung zu zeigen, die sich auf dem kleinen Platz vor dem Palast angesammelt hatte. Beeindruckt von der Szene (mit einem König auf dem Balkon zu stehen und vom Volk gefeiert zu werden), griff der Amerikaner in die Tasche und streute Goldstücke unter das Volk. Er ergötzte sich an dem Schauspiel und wandte sich hierauf an den König, um ein anerkennendes Lächeln zu erhalten. Er drehte sich nach rechts, nach links, aber der König war vom Balkon verschwunden. Nach einigem Suchen entdeckte er Nikita inmitten der Menge und sah, wie auch er eifrig dabei war, die Goldstücke aufzulesen." (André Kostolany: Kostolanys großes Börsenseminar; München 2000, S. 56)


100 Perpera (Montenegro, 1910, 900er Gold, 33,9 Gramm, 34,5 mm)

Bildquelle; Wikimedia, National Numismatic Collection


Die Episode verdeutlicht nicht nur die Eigenheiten des Königs, sondern auch, unter welcher Armut der kleine Balkanstaat damals litt. Lange Zeit verfügte Montenegro über keine eigene Währung. Im Umlauf waren Zahlungsmittel der benachbarten Staaten. Der damals noch als Fürst Nikola titulierte Monarch änderte das. Das Land begann 1906 mit der Prägung der ersten eigenen Münzserien. Sie basierten auf dem Währungssystem der benachbarten Donaumonarchie. Um nicht hinter dem ebenfalls angrenzenden Königreich Serbien zurückzustehen, ließ sich Nikola im Jahr 1910 zum König von Montenegro ausrufen. Den Aufbau des eigenen Währungssystems konnte er in jenem Jahr mit einer Serie von Goldmünzen abschließen. Der Wert der Währungseinheit Perper entsprach dem einer österreichischen Krone. Der Entwurf für die Münzen stammte von dem Österreicher Stephan Schwartz. Geprägt wurden sie von der Münzstätte in Wien. Die Wertstufen in Gold erzielen heute hohe Preise, insbesondere die wenigen zu Repräsentationszwecken in zwei Varianten geprägten 100-Perpera-Stücke.


Das hier abgebildete Münze stammt aus der amerikanischen National Numismatic Collection, die zur Smithsonian Institution in Washington gehört. Vor etwas mehr als 100 Jahren übernahm diese größte öffentliche Münzsammlung der USA die Sammlung der Prägestätte der Vereinigten Staaten. Jene hatte lange von den Zuflüssen von Migranten profitiert. Elvira Clain-Stefanelli, die bei Smithsonian tätig war: "Einwanderer brachten Münzen, vor allem Goldmünzen aus der alten Welt mit, deren Goldwert sie gerne benutzen wollten. Sie brachten sie also in die staatliche Münzstätte zum Schmelzen. Und dort wurden sie auf die Waage gelegt. Da hat man sich nicht gefragt, woher eine Münze kam, ob sie teuer oder kostbar oder selten war, man hat auf die Waage geschaut und dann pro Gramm Gold bezahlt. Und das viele Jahre lang. Zum Glück gab es Leute in der Münzstätte, die erkannt haben, dass viele Münzen mehr wert waren als das Gold und dass es schade war, sie in den Schmelzofen hineinzuwerfen. Und die haben langsam eine Sammlung aus eigener Initiative begonnen." (Bürgerin aller Welten; in: MünzenRevue, Heft 10/1997, S. 112) Der Zustand vieler Münzen war daher nicht unbedingt prägefrisch. Es ist möglich, dass auch dieses Stück mit leichten Gebrauchspuren von einem Zuwanderer kam.


Dietmar Kreutzer

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