top of page

Antike chinesische Münzen (Teil 5): Von Banliang zu Wuzhu

Peter Leisering
vor 3 Stunden
5 Min. Lesezeit

In Teil 4 unserer Serie über antike chinesische Münzen ging es um alte Rundmünzen bis zu den Banliang. Der Letzte Satz in diesem Teil lautete: "Bedenkt man, dass die Münzen nicht nur im Handel, sondern auch zur Entrichtung von Steuern und Abgaben an den Staat dienten, wird der Leser schon ahnen, wohin die Entwicklung der Banliang gehen mußte." Hier nun die Fortsetzung.


Die Durchsetzung der Banliang als einheitliche Münzform brachte einen großen Vorteil für Verwaltung und Wirtschaft. Aber der Effekt wurde durch zwei Probleme beeinträchtigt: Die Münzen im Sollgewicht waren im alltäglichen Gebrauch zu schwer und zu groß und die Geldmenge war noch unzureichend.

Kempgen vermutet, daß die von den Provinzialmünzstätten zur Verfügung gestellten Banliang-Münzen nicht reichten, um die Märkte ausreichend zu versorgen und die Zahlung der Steuern sicherzustellen und daß deshalb der erste Han-Kaiser Gaozu 201 v. Chr. verfügte, "daß die Landadeligen selber die erforderliche Geldmenge bereitzustellen hatten. Mit dieser Anordnung wurde im ganzen Reiche die Eröffnung privater Münzstätten zugelassen und ermöglicht." (Kempgen, S. 155). Die Münzlegierung war vorgeschrieben, die Schriftzeichen "Ban Liang" wurden beibehalten, aber das Gewicht von 12 auf 3 Zhu (knapp 2 Gramm) erheblich reduziert. Damit wiesen die Münzen auch offiziell ein Gewicht aus, das sie gar nicht hatten.

Hinzu kam, daß eine Münzaufsicht fehlte und die Münzherren nicht verpflichtet wurden, Zeichen auf ihren Münzen anzubringen, die die Herkunft auswiesen, wie das bei den früheren Spaten- und Messer-Münzen zum Teil der Fall war.

Die an den Staat abzuführenden Steuern scheinen erheblich: Die Kopfsteuer für Erwachsene zwischen 15 und 56 Jahren betrug jährlich 120 Münzen, die für Kinder und Greise 20 Münzen. Kaufleute hatten das Doppelte zu entrichten und Grundbesitzer und Bauern zusätzlich eine Grundsteuer zu zahlen, die auf 1/15 ihres Ertrages bemessen wurde.

Da die Beträge in der entsprechenden Stückzahl entrichtet werden mußten und auch kleinere und untergewichtige Münzen akzeptiert wurden, dürften nicht zuletzt die Steuern die weitere Verkleinerung und Gewichtsreduzierung vorangetrieben haben, die letztlich kuriose Maße erreichte: Sogenannte "Ulmensamenmünzen" oder "Samenmünzen" liefen um (auch als "Elm leav" - also Ulmenblatt-banliang bezeichnet), auf denen die vorgeschriebenen Schriftzeichen kaum noch Platz fanden. Die kleinsten Exemplare werden mit einen Durchmesser von 0,9 cm und ein Gewicht von 0,4 Gramm angegeben, doch es finden sich auch kleinere Stücke.


Abb. 1: Banliang, Ulmensamenmünze unter Kaiser Han Gaozu, 201 - 195 v. Chr., Durchmesser: ca. 13 mm, Gewicht: 0,5485g

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Abb.2: Banliang, Ulmensamenmünze unter Kaiser Han Gaozu oder Nachfolger, 201 - 186 v. Chr., Durchmesser: ca. 9 mm, Gewicht: 0,450g

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Abb.3: Banliang, Ulmensamenmünze unter Kaiser Han Gaozu oder Nachfolger, 201 - 186 v. Chr., Durchmesser: ca. 7,5 mm, Gewicht: 0,189g

Bildquelle und Foto: P. Leisering













Abb.4: Banliang, Ulmensamenmünze aus Abb. 3 im Vergleich zu einer Banliang-Münze aus der Qin-Dynastie mit einem Durchmesser von ca. 35mm, und dem Gewicht von 7,441g.

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Daß auch solche "Krümel-Münzen" im Zahlungsverkehr nicht gerade praktisch waren, liegt auf der Hand.

Im Jahre 175 v.Chr. wurde das Gewicht der Münzen auf 4 Zhu neu festgesetz. Man richtete wieder Provinzialmünzstätten ein.


Abb. 5: Banliang-Münze zu 4 Zhu unter dem Han-Kaiser Wen Di (202 - 157 v. Chr., Kaiser ab 180 v.Chr.), Durchmesser ca. 23,5 mm, Gewicht: 2,987g, Legierung eisenhaltig, leicht magnetisch.

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Doch 136 v. Chr. senkte man unter dem Kaiser Han Wudi (156 - 87 v. Chr., Kaiser ab 141 v.Chr.) das Münzgewicht wieder auf 3 Zhu ab. Diese "San-Zhu-Banliang" erhielten eine schmale Randkante, um der Gewichtsminderung durch Beschneiden oder Befeilen entgegenzuwirken und wurden dadurch markiert, daß die Mitte des Zeichens Liang wie ein Kreuz dargestellt werden mußte.


Abb. 6: Banliang-Münze zu 3 Zhu unter dem Han-Kaiser Wudi, 136 v. Chr., mit schmalem Randstab vorderseitig, Durchmesser ca. 24 mm, Gewicht: 2,342g, eisenhaltig, leicht magnetisch

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Nun wurden zwar einheitliche Münzen neu hergestellt, aber auf Grund der Menge der bereits umlaufenden verfälschten und mindergewichtigen Stücke war das Geldsystem nicht mehr wirksam zu reformieren und es half nur noch ein grundsätzlicher Neuanfang:

Im Jahre 118 v. Chr. wurde die  Münzherstellung wieder als staatliches Monopol kontrolliert und Kaiser Wudi führte den neuen Münzwert "Wuzhu", d.h. "Fünf Zhu", als landesweite Währung ein. "Die Gewichtseinheit zhu entsprach 1/24 liang. Größe und Gewicht dieser neuen  Münze waren genau auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse abgestimmt und sicherten den Wuzhu-Münzen eine besonders lange Umlaufzeit bis in das 7. Jahrhundert n. Chr." (Geld aus China, S. 15).

Die beiden Zeichen auf den Münzen werden wieder von rechts nach links gelesen. Das alte Getreidemaß "Zhu", 30 Weizen- oder 64 Hirsekörner, wird mit durchschnittlich 0,66g angegeben. Abgesehen davon, daß sich auch dazu unterschiedliche Angaben finden, zeigen sich bei den  Wuzhu-Münzen erhebliche Gewichtsunterschiede in verschiedenen Epochen.

Die im Zeitraum 118 - 115 v. Chr. ausgegebenen Wuzhu-Münzen  entsprachen in ihrer Qualität noch den Münzen aus der späten Zeit der Streitenden Reiche: Die Rückseiten sind flach und die Ränder nicht abgegratet. Noch immer stellten die Lehnsfürsten ihre Münzen selbst her. Ab 115 v. Chr. wurden in den zentralen Werkstätten, die Münzen nach dem Guß abgegratet, also Gußnähte und Gußzapfen entfernt. Nur noch diese neuen, abgegrateten Münzen wurden in Transaktionen mit dem Staat akzeptiert und gegen fünf alte Münzen bzw. fünf Münzen der Lehnsfürsten eingetauscht.


Abb. 7: Wuzhu-Münze des Kaisers Han Wudi, ab 115 v. Chr., mit rückseitiger Lochumrandung und beiderseitigem Randstab, Durchmesser ca. 26 mm, Gewicht: 3,562g.

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Im Jahre 113 v. Chr. folgte dann ein staatliches Monopol, gemäß dem nur noch die zentrale Werkstatt Shanglin sanguan ("die drei Ämter von Shanglin") in der Hauptstadt Chang'an  das Recht hatte, Münzen zu gießen.

Die Autoren von "Geld aus China" heben noch einmal hervor: "Die wuzhu-Münze entsprach in Größe und Gewicht genau der Geldtradition und den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes, und das garantierte ihren Erfolg während fast acht Jahrhunderten. Alle Zahlungsmittel, die dieser Münze folgten, haben ... Größe und Gewicht der wuzhu-Münze beibehalten...." (S. 56)


Abb. 8: Wuzhu-Münze, spätere Ausgabe, mit rückseitiger Lochumrandung, beiderseitigem Randstab und kleinem Steg am Lochrand vorn unten (vielleicht Zeichen der Münzstätte oder des Beamten), Durchmesser ca. 24 mm, Gewicht: 3,240g

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Ganz so harmonisch verlief die Geschichte aber nicht. Schon kurz nach Christi Geburt riss der Usurpator Wang Mang die kaiserliche Macht an sich und sorgte mit mehreren Münzreformen für ein ziemliches Chaos. Dieser - vielleicht interessantesten - Episode der chinesischen Münzgeschichte wird sich der nächste Beitrag widmen.


Peter Leisering


Literatur/Quellennachweis:

Schlösser, Richard: Chinas Münzen, Werl 1935

Geld aus China. Ausstellungskatalog des Kunsthistorischen Museums Wien, Wien 2003

Kempgen, Heinz-Wilhelm: Frühe Chinesische Münzgeschichte: Zur Chronologie der Spatenmünzen (7. bis 3. Jahrhundert v. Chr.), Stuttgart 1993

Coole, Arthur Braddan; Erliest Round Coins of China, Lawrence, Mass. 1981 (Encyclopädia of Chinese Coins, Band 7)

Jen, David: Chinese Cash, Identification and Price Guide, Iola, Wi. 2000

Schjöth, Fredrik: Chinese Currency, reviced and edited by Virgil Hancock, Iola, Wisconsin, 1965

Kommentare


www.muenzen-online.com | Regenstauf

© 2025 Battenberg Bayerland Verlag GmbH

​

bottom of page