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Antike chinesische Münzen (Teil 3): Messer-Münzen

Der Herausbildung des Messergeldes liegen die gleichen Prozesse zugrunde, die bereits für die Spaten als Geldform beschrieben wurden. "Die Messer - unverzichtbare Werkzeuge zum Zerteilen von Wild, Vieh oder Fisch sowie zum Abschaben der Häute - nahmen alsbald auch einen besonderen Platz im Tauschhandel ein. (...) Im Norden und Osten des großen Bogens des Gelben Flusses (...) bis hin nach Shandong, über den Süden der Mongolei und der Mandschurei, wurden Messer als Zahlungsmittel verwendet." (Geld aus China, S. 35)

Mit den Spaten- und Messermünzen und der Kauri-Imitation der Ameisen-Nasen-Münzen des  Königreichs Chu existierten die verschiedenen Geldformen über Jahrhunderte nebeneinander, wobei sich ihre Verbreitungsgebiete zum Teil auch überlappten.

Die folgende Karte (Abb. 1) zeigt die Situation im 4. - 3. Jh. v. Chr.


Abb.1: Verbreitungsgebiete der Spaten-, Messer- und Ameisen-Nasen-Münzen

im Zeitraum 4.-3. Jh. v.Chr. in China.

Bildquelle: Geld aus China, S. 52, Repro und Bearbeitung: P. Leisering


Die älteste, nur noch als Geld dienenden Messer haben eine gebogene Form, die Klinge mündet in einer Spitze und der Griff in einem Ring, an dem die Messer-Münze aufgefädelt werden konnte. Im Griff verlaufen i.d.R. zwei Stege in Längsrichtung, die sich bei den späteren Münzen manchmal noch etwas in der Klinge fortsetzen. Die ältesten Stücke tragen noch keine Schriftzeichen und werden manchmal bereits der späten Shang-Dynastie (bis 1045 v. Chr.) zugeordnet, wurden aber wahrscheinlich erst in der frühen Zhou-Zeit, im 10. Jh. v. Chr. hergestellt.


Abb. 2: Spitze Messermünze, östliche Zhou-Dynastie (7./6. Jh. v.Chr.)

Bildquelle: Geld aus China, S. 35, Repro und Bearbeitung: P. Leisering


Ab dem 6./5. Jh. v. Chr. tragen diese spitzen Messermünzen dann einfache Schriftzeichen, z.B. Zahlen oder die Bezeichnung von Tauschobjekten wie "Hammel" oder "Fisch".

In Abb. 3 ist eine spitzköpfige Messer-Münze abgebildet, die den Staaten Zhao und/oder  Yan zugeordnet wird. Auch die zeitliche Einordnung schwankt zwischen dem 7. bis 5. (Kempgen, S. 109ff ) und dem 5. bis 3. Jh. v. Chr. (Köhler-Osbahr, S. 108ff). Auf der Vorderseite befindet sich beim abgebildeten Exemplar das Zeichen "Ting", d.h.: "Person" (Coole, Spade Coin Types, Nr. 5831, S. 380), das aber durch den verkrusteten Belag schlecht zu erkennen ist.


Abb.3: Spitzköpfige Messermünze der Staaten Zhao oder Yan, Schriftzeichen

auf der Vorderseite: "Ting"; 6.- 3. Jh. v. Chr., Länge: 15,6 cm, Gewicht: 17,639 g

Bildquelle und Foto: P. Leisering


In den nordöstlichen Königreichen entwickelten sich aus den spitzen Messermünzen dann neue Formen, die aber nicht so weit degenerierten, wie das bei den Spatenmünzen der Fall war, so dass auch in den späteren Stücken noch gut zu erkennen ist, was sie darstellen sollten.

Die Vorderseite zeigen alle Messer-Münzen, wenn sie, mit der Spitze nach oben, (vom Betrachter aus gesehen) rechts den gebogenen oder abgeknickten Messerrücken aufweisen und auf der linken Seite die Schneide. Die Zeichen werden - wie bei den Spaten - wieder von oben nach unten gelesen.


Das Königreich Yan gab dann sog. Ming-Messer (mingdao) heraus, die nach dem Zeichen auf ihrer Vorderseite benannt sind. "Ming" bedeutet "Licht" oder "hell", "strahlend" und steht auch für "Reichtum und Fülle". Das Zeichen stellt eine Verbindung von Sonne und Mond dar (jin und jang) und war das Symbol des Königreichs Yan. Es wird aber auch als Symbol des königlichen Münzamtes gedeutet (Kempgen, S. 111, Köhler-Osbahr, S. 112ff).

Die Ming-Messer haben eine Länge von etwa 13 bis 14 Zentimeter, die Gewichte schwanken zwischen 14 und 17 Gramm.

Diese Messer-Münzen waren von der Mongolei bis nach Korea und im Süden bis ins Königreich Zhao (heute Hebei) verbreitet und sind - wie die quadratfüßigen Spatenmünzen - für den Sammler am leichtesten zu ergattern.

Es gibt Ming-Messer mit gleichmäßig gebogenem Rücken (ältere Form) und solche, bei denen der Rücken an der Stelle zwischen Griff und Klinge geknickt ist.

Jüngere Messer, die dem 4./3. Jh. v. Chr. zugeordnet werden, tragen auf der Rückseite Zeichen wie "zuo"(links), "you" (rechts), "wai" (außen) oder "nei" (innen), die - wie bei den Spatenmünzen - die Lage der Werkstatt anzeigen, die das Messer hergestellt hatte.

Beim Ming-Messer in Abb. 4 kann der obere senkrechte Strich auf der Rückseite als Zeichen, "Yi", d.h. "1", gedeutet werden, darunter das Zeichen "Zuo", also "links", und unten das Zeichen "Hsia", d.h.: "unten".


Abb.4: Ming-Messer des Staates Yan, mit dem Zeichen "Ming" auf der Vorderseite

und auf der Rückseite "Yi" (?), "Zuo" und "Hsia", 4./3.Jh.v.Chr.; Länge 13,7 cm, Gewicht: 16,104 g

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Das Ming-Messer in Abb. 5 ist nach Kempgen (S. 114ff) in der Münzstätte Yi Xian unter der Besatzung des Staates Zhongshan im 4./3.Jh.v.Chr. hergestellt worden. Die Rückseite zeigt ein Zeichen das als "Xing", d.h.: "Amt, Markt" oder "Hsing", d.h.: "laufen, umlaufen", gedeutet wird.


Abb. 5: Ming-Messer unter Besatzung des Staates Zhonhshan mit dem Zeichen "Xing"

oder "Hsing" auf der Rückseite, 4./3.Jh.v.Chr.; Länge 13,6 cm, Gewicht: 16,974 g

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Für die kleinere und leichte Messermünze mit geradem Rücken, die in Abb. 6 dargestellt wird, gibt es wiederum verschiedene Zuordnungen und Interpretationen: Schlösser liest die Zeichen als "Bai Dao", wie bei Köhler-Osbahr, S. 134, angegeben wird. Diese Lesart würde  "Bai-Messer" oder "Messer (von/der) Bai" bedeuten. Bei Köhler-Osbahr und anderen  jüngeren Publikationen werden die Zeichen als "Bai Ren" gesehen und einem Ort "Bo Ren" zugeordnet. Übersetzt heißt "Bai Ren" "Weißer Mensch" und es gibt noch heute die Minderheit der Bai.


Abb.6: Messer-Münze mit geradem Rücken und den Schriftzeichen "Bai Ren"

auf der Vorderseite, etwa 5.-3. Jh. v.Chr.; Länge 13 cm, Gewicht: 7,471 g

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Einheitlich ist die Zuordnung der großen Messer-Münzen, die im Königreich Qi Hauptzahlungsmittel waren und die als "Qi dao", also "Qi-Messer", bezeichnet werden. Sie zeichnen sich u.a. durch eine besonders starke Umrandung auf der Vorderseite aus.

Hier kommen allerdings wieder fünf Haupttypen der Beschriftung vor, bei deren Interpretation teils noch keine Einigung erzielt werden konnte. Einig ist man sich aber, daß die beiden unteren Schriftzeichen "fa hua" (in der Literatur auch "da huo" geschrieben) "gesetzliches Geld" oder "gültige Währung" bedeuten, was als Bestätigung gesehen wird, daß der Staat eine Kontrolle über Herstellung und Ausgabe der Münzen ausübte. Schon im 7. Jh. v. Chr. wurde eine Steuer auf die Produktion von Münzen im Staat Qi eingeführt.

Abb. 7 zeigt eine Münze mit der Aufschrift "Qi fa hua", d.h.: "Gesetzliches Zahlungsmittel [von] Qi". Der Typ mit diesen Schriftzeichen kommt wiederum am häufigsten vor. Kempgen übersetzt die Zeichen "Qi da huo" mit "(Staat) Qi, großer Tauschwert" (S. 145).

Auf der Rückseite finden sich oben und in der Mitte die Zeichen "San" und "Shi", was "Drei" und "Zehn", also "30" (Kempgen, S. 143ff.) bedeutet und die Wertangabe darstellen dürfte. In anderen Quellen werden die drei waagerechten Striche oben ignoriert und nur das Zahlzeichen "10" gelesen. Das untere Zeichen kann als "Ji", d.h. "Glück" (Köhler-Osbahr, S. 147), gesehen werden und stellt nach Kempgen ein Serienzeichen dar.

Durch die abweichende Größe der Messermünzen des Staates Qi waren diese offenbar nur in diesem Staatsgebiet in Umlauf.

Die zeitliche Einordnung der Qi-Messer ins 4.Jh. v. Chr. richtet sich nach der Darstellung im Werk Geld aus China (sh. Literaturverzeichnis), anderen Quellen gehen vom 7.-5.Jh. v. Chr. aus, die älteste Zuordnung sieht das 11. Jh. v. Chr. als Beginn.


Abb. 7: Messer-Münze des Staates Qi mit den Schriftzeichen "Qi fa hua" auf der Vorderseite

und "San shi Ji" auf der Rückseite; 4. Jh. v. Chr.; Länge 18,3 cm, Gewicht: 43,695 g

Bildquelle und Foto: P. Leisering


Zur Herstellung des Gerätegeldes


Die Herstellung der Spaten und Messer-Münzen erfolgte - wie auch bereits die Kauri-Ersatzstücke aus Metall - durch Gußtechnik der verlorenen Form. Die gewünschte Münzform wurde in einem Block aus Lehm abgedrückt, dann die Ränder und gegebenenfalls die Schriftzeichen mit einem geeigneten Instrument eingearbeitet, für die Rückseite ein zweiter Lehmblock ebenso hergestellt, die Formen zusammengefügt und das flüssige Metall über einen ebenfalls eingearbeiteten Gußkanal eingefüllt. Nach dem Abkühlen wurde die Form zerschlagen und die Münze am Gußkanal abgebrochen.

Es kam vor, daß die beiden Formhälften nicht exakt aneinandergefügt wurden, so daß die Münzbilder von Vorder- und Rückseite etwas verschoben waren, wie das z.B. bei der Messer-Münze des Staates Qi in Abb. 7 zu erkennen ist.

In der Periode der Streitenden Reiche entwickelte man die Technik weiter: Stein- und Bronzeformen wurden eigesetzt und vor allem Tonformen hergestellt, mit denen man mehrere Münzen mit einem Guß herstellen konnte. Die Formen der Münzen  waren entlang einer Achse mit dem Gußkanal angeordnet oder diagonal, mit dem Gußkanal in der Mitte.

Ränder und Gußzapfen feilte man im betrachteten Zeitraum noch nicht ab. Die Zapfen erkennt man i.d.R. bei den Spaten oben am Schaft und bei den Messer-Münzen unten am Ring.

Damit sind Spaten und Messer eigentlich keine "Münzen", denn sie sind nicht gemünzt. Der Name sollte aber beibehalten werden, um das Metallgeld vom Papier- und anderen Geldformen zu unterscheiden und außerdem, weil auch alle später in China umlaufenden "Münzen", die dann - abgesehen von der quadratischen Aussparung in der Mitte - auch den westlichen Prägemünzen in den Form gleichen, fast bis zum Ende des 19. Jh. Gußstücke blieben.


Bestimmungsprobleme


Wie sich  immer wieder zeigte, findet man in der Literatur voneinander abweichende Angaben, was die zeitliche Zuordnung antiker chinesischer Münzen betrifft, ebenso zu welchem Herrschaftsgebiet die Münzstätte gerade gehörte. Hinzu kommt eine unterschiedliche Interpretation und Übersetzung der Schriftzeichen, die nicht nur aus den vielen individuellen "Handschriften" der jeweiligen Hersteller resultiert, sondern auch daraus, daß die Schriftzeichen oft mehrere Bedeutungen haben und sich ihre Schreibweise auch generell veränderte. Das untere Zeichen auf der in Abb. 6 gezeigten Münze wurde z.B. als "Mensch" oder "Messer" gelesen. Und selbst, wenn so ein Zeichen unstrittig ist, bleibt fraglich, was es wirklich bedeutet, weil sich diese Bedeutung oft nur aus einem textlichen Zusammenhang ergibt, der auf der Münze fehlt.

Ein weiteres Problem ergibt sich m.E. aus der Übertragung der chinesischen Schriftzeichen in die Buchstaben unseres Alphabets. Die Aussprache des Zeichens wird in Buchstaben "übersetzt", aber in den verschiedenen Muttersprachen, nehmen wir nur Deutsch und Englisch, werden viele Buchstaben unterschiedlich ausgesprochen, so daß der interessierte Leser in verschiedenen Publikationen zu einem chinesischen Schriftzeichen ganz unterschiedliche Übertragungen in Buchstabenform finden wird.

Der Sammler sollte aber nicht verzweifeln! Wer die Probleme kennt, wird sich auch zurechtfinden. Und im Zuge der weiteren historischen und archäologischen Forschung sind - gerade bei antiken chinesischen Münzen - ab und zu auch neue Erkenntnisse zu erwarten.

Zumindest die Probleme mit der zeitlichen und herrschaftlichen Zuordnung und der Übersetzung sowie Interpretation der Schriftzeichen werden außerdem mit der Vereinheitlichung des chinesischen Münzwesens bereits in vorchristlicher Zeit weitgehend verschwinden.

Darum und um die ersten Rundmünzen im alten China soll es im folgenden Teil der Reihe gehen.


Peter Leisering



Literatur/Quellennachweis:

Geld aus China. Ausstellungskatalog des Kunsthistorischen Museums Wien, Wien 2003

Heinz-Wilhelm Kempgen: Frühe Chinesische Münzgeschichte: Zur Chronologie der Spatenmünzen (7. bis 3. Jahrhundert v. Chr.), Stuttgart 1993

Sammlung Köhler-Osbahr. Band II/1, Vormünzliche Zahlungsmittel und Außergewöhnliche Geldformen aus China, Annam, Korea und Japan, Duisburg 1993

Schlösser, Richard: Chinas Münzen, erläutert an der Sammlung im Missionsmuseum des Franziskanerordens zu Drosten. Werl 1935

Coole, Arthur Braddan: Spade Coin Types of the Chou Dynasty. Encyclopedia, vol. 3, Boston 1972

Coole, Arthur Braddan: State Ming Knife Coins and Minor Knife Coins, (Enz.6); Lawerenz 1976

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