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Achsen des Wandels zwischen Kulturgeschichte, Wirtschaft und Politik: Festgabe für Helmut Rizzolli zum 85. Geburtstag

Helmut Rizzolli wurde 1940 in Bozen geboren. Er schloss sein Studium in Wirtschaftswissenschaften im Jahr 1963 in Florenz ab. Danach führte er mit seiner Frau den väterlichen Betrieb weiter und unterrichtete Betriebswirtschaft an der Bozner Handelsoberschule. Im Jahre 1979 schrieb er sich an der historischen Fakultät der Universität Innsbruck ein, wo er sein Doktorstudium mit der Dissertation „Münzgeschichte des alttirolischen Raumes vor 1363“ abschloss. Das Werk wurde 1991 veröffentlicht. Im Jahr 2000 habilitierte er sich an derselben Universität in Mittelalter- und Neuzeitarchäologie mit besonderer Berücksichtigung des Münz- und Geldwesens. Seine Habilitationsschrift ist 2006 als zweiter Band seiner „Münzgeschichte“ erschienen. Mit dem Goldenen Verdienstkreuz der Republik Österreich ausgezeichnet, wurde Rizzolli im Jahr 2012 aufgrund seiner langjährigen universitären Lehrtätigkeit als Dozent die Honorarprofessur verliehen. Als Präsident der Stiftung Bozner Schlösser hat er zahlreiche Ausstellungen kuratiert und eine eigene wissenschaftliche Publikationsreihe zur Tiroler Landeskunde begründet. Ab 1995 setzte er sich mit einem langen Atem erfolgreich für die Restaurierung und Aufwertung von Schloss Runkelstein sowie der Ruine Rafenstein ein ein. Neben Grundsatzwerken hat er viele wissenschaftliche Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte und zu den Trachten Tirols verfasst.


Achsen des Wandels ...

Verlag Dr. Kovacs, Hamburg 2025

492 Seiten

ISBN 978-3-339-14720-2

Preis: 139,80 Euro


Die Festschrift zu seinem 85. Geburtstag hat Andreas Raffeiner herausgegeben, der auch regelmäßig für Münzen-Online schreibt. Raffeiner verbindet mit Prof. Rizzolli sowohl eine langjährige intellektuelle Wertschätzung als auch ein freundschaftlicher Kontakt. Der Sammelband „Achsen des Wandels. Zwischen Kulturgeschichte, Wirtschaft und Politik“ vereint herausragende Beiträge namhafter Forscherinnen und Forscher und schlägt Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie Wissenschaft und Gesellschaft. In der Festgabe wird demonstriert, wie eng kulturelle, wirtschaftliche und politische Entwicklungen miteinander verbunden sind – angefangen bei der Münzprägung im Mittelalter über die Geschichte von Burgen und Städten bis hin zu den bedeutenden Fragen der europäischen Identität und Erinnerungskultur. Die Publikation beinhaltet interessante Einzeluntersuchungen, die den engeren Untersuchungsrahmen weit überschreiten: archäologische und kunsthistorische Entdeckungen, Analysen zur Entwicklung des Talers als europäischer Leitwährung, Überlegungen zum Ende des Heiligen Römischen Reiches und Auseinandersetzungen mit Begriffen wie „Abendland“.


Unter den münzkundlichen Beiträgen ist jener zur Entstehung des Talers ab 1486 von Andreas Raffeiner von besonderem Interesse. Über die ersten Taler ist viel geschrieben worden. Raffeiner hat nach eigenen Bekunden "in gewisser Weise neues Terrain betreten, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlichen, politischen und technologischen Entwicklungen aufzuzeigen". Tatsächlich beschäftigt sich Raffeiner nicht nur mit dem numismatisch wichtigen Wechsel vom Goldgulden zum Guldiner, der neuen, großformatigen Silbermünzen des Tiroler Erzherzogs Sigismund. Im Sinne einer "Geschichte von unten" geht er in seinem Beitrag auch auf die Lage der Bevölkerung ein, für die sich der umfangreiche Bergbau in der Region massiv auswirkte. Die Bergleute, die in den engen Minengängen unter extremen Bedingungen arbeiteten, erlagen oft Krankheiten und Unfällen: "Dennoch zog der Bergbau viele Menschen an, die von der Möglichkeit einer besseren Existenz durch die Silbergewinnung träumten. (...) Die wachsende Bedeutung der Silberproduktion führte dazu, dass immer mehr Menschen von der Landwirtschaft in den Bergbau wechselten." Für den Herzog bedeuteten die Münzen nicht nur zusätzliche finanzielle Mittel, sondern auch einen Machtzuwachs: "Die Vorstellung, dass der Erzherzog durch die Kontrolle über die Münzprägung auch die Kontrolle über das Land und die Gesellschaft hatte, spielte eine große Rolle. Münzen wurden als Zeichen der Herrschaft und des politischen Einflusses genutzt." Die später unter der Bezeichnung des Talers firmierenden Guldiner waren außergewöhnlich werthaltig. Sie waren daher vor allem für den Großhandel geeignet. Das Bild des Herrschers erfuhr auf diese Weise eine weite Verbreitung. Die technischen Anforderungen zur Prägung einer derart großen Münze wie dem Guldiner ermöglichten zudem technischen Fortschritt in der ganzen Region.


Der Sammelband ist damit nicht nur für Numismatiker von Interesse, sondern ein Kaleidoskop der europäischen Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, natürlich mit Schwerpunkt auf Tirol.


Dietmar Kreutzer

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