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Buchvorstellung: Religion in Vindonissa


Andrew Lawrence (mit Beiträgen von Örni Akeret, Sabine Deschler-Erb, Simon Kramis): Religion in Vindonissa. Kultorte und Kulte im und um das Legionslager. LIBRUM Publishers & Editors LLC, Basel – Frankfurt/M. 2019 (= Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa, Bd. 24). 240 S., farbig und s-w bebildert, 21,3 x 30,1 cm, Hardback, 55 Euro, ISBN: 978-3-906897-29-5

Die Dissertation des Verfassers sowie die Beiträge weiterer Autoren geben einen Überblick über Kulte und Religion in Vindonissa. Vindonissa befindet sich im heutigen östlichen schweizerischen Mittelland auf einem exponierten Geländesporn, der über dem Zusammenfluss von drei wichtigen Wasserwegen – Aare, Reuss und Limmat – liegt.

Seit 150 Jahren sind in Vindonissa und seiner Umgebung wiederholt Baustrukturen und unzählige Funde ausgegraben worden, die ein weites Spektrum der Religion in römischer Zeit dokumentieren. Sie reichen von Zeugnissen privater Frömmigkeit bis hin zu kollektiven Handlungen an öffentlichen Kultplätzen aus dem Zeitraum vom 1. bis 3. Jahrhundert.

Die Kultpraktiken werden einerseits über das in Heiligtümern geborgene Fundmaterial untersucht, andererseits liefert die Analyse von Kultinstrumenten und Kultobjekten (z. B. Gefäße und Statuetten) aus weiteren Komplexen in und um das Legionslager wichtige Informationen hierfür. Ausgehend von den im Befundkontext gesicherten rituellen Handlungen im und um das Legionslager sowie den damit vergesellschafteten Funden versucht der Autor, eine Kulttopografie des militärischen und zivilen Vindonissa zu entwerfen. Groß- und Kleinplastiken wie Altäre und Statuetten werden ebenso betrachtet wie Kultgefäße und Weihungen. Die Autoren untersuchen, wo und wie die Legion und die Zivilgesellschaft in Vindonissa ihre Götter verehrten. Die militärspezifischen Kultorte (das Fahnenheiligtum [aedes] sowie der Anten-Tempel an der Kreuzung der Hauptlagerstraßen) wurden nach dem Abzug der 11. Legion um das Jahr 101 aufgehoben. Die unterschiedlichen Kulthandlungen verbindet der Autor mit den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Vindonissa. So erhält man Einblicke in den religiösen Alltag vor 2000 Jahren.