• Michael Kurt Sonntag

Metapont: Ein seltener Drittelstater in Gold


Bei Metapont (altgriechisch Metapóntion) handelt es sich um eine unteritalische, am Golf von Taras/Tarent in Lukanien gelegene Stadt. Dem antiken Autor Strabon zufolge wurde sie erstmals von den Pylioi des Nestor bei deren Rückkehr aus Troia gegründet. Eine zweite Gründung, so Strabon, erfolgte dann zu Anfang des 7. Jahrhunderts v. Chr. durch die griechischen Achaier auf Initiative der Achaier aus Kroton und Sybaris. Anführer der achaischen Siedler soll ein gewisser Leukippos gewesen sein, der von Metapont später auch als Gründerheros verehrt wurde. Gut möglich, dass die Gründung der Stadt jedoch erst um 630 v. Chr. erfolgte, wie die neuere Forschung annimmt, da die Anwesenheit der Achaier in Metapont archäoligisch erst seit der Mitte des 7. Jh.s v. Chr. nachweisbar ist.

Nun, wie dem auch sei, das neugegründete Metapont hatte seinen Ort gut gewählt. Bescherte ihm doch sein überaus fruchtbares und ausgedehntes Hinterland, das vor allem für den Getreideanbau hervorragend geeignet war, bald reiche Ernten und beachtlichen Wohlstand. Dass die Getreideähre, genauer gesagt die Gerstenähre, unter diesen Umständen schon bald zum Stadtwappen erkoren wurde und auch alle Münzen der Polis schmückte – zunächst als Vorder- und dann als Rückseite – war nur logisch und konsequent. Ebenso logisch war es, dass das Götterporträt, welches die metapontischen Nomoi (die Hauptsilbereinheit) ab 430 v. Chr. zierte, das Porträt der Ackerbaugöttin Demeter war. Zwar erschienen auch die Porträts des Apollon, des Apollon Karneios (des Gehörnten Apollon), des Herakles, des Zeus Eleutherios (Zeus des Befreiers), der Nike und des Leukippos auf den Nomoi, doch nicht in der Häufigkeit wie das Bildnis der Demeter. Doch wenngleich die Prägung der silbernen Nomoi bereits um 540 v. Chr. begonnen hatte, so gab es in Metapontion bis in die 330er Jahre v. Chr. keine Goldprägung. Wieso eigentlich?

Nun, nach Ansicht der Numismatiker war das gesamte Gebiet „Großgriechenland“ (hierzu zählten auch alle Städte Unteritaliens) Silberwährungsgebiet, in dem Gold nur verausgabt wurde, wenn es plötzliche hohe militärische Ausgaben, allen voran Soldzahlungen an ausländische Söldner, erforderlich machten. Interessant ist, dass die süditalischen Feldzüge des syrakusanischen Tyrannen Dionysios I. während der Jahre 393–389 v. Chr. Metapont offensichtlich verschont hatten, die Stadt in den 330er Jahren jedoch unter zunehmende Bedrängnis durch Lukaner und Brettier (oskisch-italische Stämme) geriet. Da die Nachbarstadt Taras/Tarent – ebenfalls am Golf von Tarent gelegen – ebenso von diesen Stämmen bedroht wurde, hatte sie sich militärischen Beistand vom Molosserkönig Alexander I. von Epeiros geholt und als Alexander 334/332 v. Chr. in Unteritalien erschien, schlossen sich die Metapontier diesem Bündnis gleichsam an.

Die Goldmünzen, die Metapont zur anteilsmäßigen Kostendeckung dieser Feldzüge verausgabte, waren motivgleiche Drittel- und Sechstel-Statere. „The Hera series has been associated with the cost of Alexander I´s wars against the Lucaniens and Brettians ...“ (Oliver D. Hoover: Handbook of Coins of Italy and Magna Graecia, Sixth to First Centuries BC. Lancaster/London 2018, S. 346) Diese Goldstücke zeigen auf ihren Vorderseiten den nach rechts gewandten Kopf der Göttin Hera mit Stephane, Ohrgehänge und Halskette und tragen auf ihren Rückseiten eine Gerstenähre und das Ethnikon 𝛭𝛦𝛵𝛢𝛱𝛰𝛮.

Metapont (Lukanien). Drittelstater (um 340–330 v. Chr.), Gold, 2,60 g, Ø [Höhe, Vs.] 13 mm. Münzstätte Metapontion

Quelle: MA-Shops, Degussa (November 2018)

Nun wurde die Göttin Hera zwar auch in Metapontion verehrt und hatte sogar einen Tempel im heiligen Bezirk der Stadt, doch ist das Heraporträt keine eigenständige Schöpfung Metaponts, sondern wurde von den Goldstateren von Taras/Tarent entlehnt. Der winzig kleine Vogel auf dem Seitenblatt der Gerstenähre auf der Münzrückseite erscheint allerdings bloß auf den Drittelstateren. Will man dem Numismatiker Oliver D. Hoover Glauben schenken, dann sind von diesem Drittelstater nur maximal 60 Exemplare auf uns gekommen. Hoover stuft diese Münze deshalb mit R1 (25-60 Ex.) ein.

Ruine des Heratempels von Metapontion

Quelle: Spartakos, Wikipedia/Wikimedia Commons