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Buchvorstellung: Marc Aurel


Alexander Demandt: Marc Aurel. Der Kaiser und seine Welt. Verlag C. H. Beck, München 2018. 592 S., 44 Schwarzweißabbildungen und 18 farbige Abbildungen im Tafelteil, 3 Karten und 1 Stammbaum, 14,5 x 22 cm, Hardcover (in Leinen) mit Schutzumschlag, 32 Euro, ISBN 978-3-406-71874-8.

Alexander Demandt, ein Meister der althistorischen Geschichtsschreibung, der bis zu seiner Emeritierung an der Freien Universität Berlin lehrte, erzählt das Leben eines oft idealisierten Herrschers, des römischen Kaiser Marcs Aurel (121–180 n. Chr.). Weithin hat es sich eingebürgert, diesen Kaiser als den Philosophen auf dem Kaiserthron oder kurz gleich als Philosophenkaiser zu bezeichnen. Das lenkt etwas davon ab, dass Marc Aurel schier endlose Kriege gegen die Germanen führte (und zur Grenzsicherung wichtige Siedlungen wie z.B. Castra Regina, das heutige Regensburg, gründete) und das Adoptivkaisertum (bei dem regierungserprobte und militärerfahrene Männer eine Chance zum Kaisertum bekamen) beendete, weil er seinen missratenen Sohn Commodus als Nachfolger installierte.

Der Verlag schreibt zur Kaiserbiografie Demandts: Es „entsteht das Portrait eines Mannes, der sich wie kein anderer um Weisheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit mühte und mit stoischer Standhaftigkeit seine Herrscherpflichten erfüllte.“ Demandt, quellenkundig und forschungserfahren, rückt demgegenüber den Kaiser in den Vordergrund, der mit den Anfängen der Völkerwanderung konfrontiert wird und dabei keineswegs im hellsten Licht strahlt. Demandt, sicherlich einer der besten Mommsen-Kenner, bleibt im Fahrwasser des genialen Kollegen und zollt eben nicht nur die berechtigte Bewunderung für viele Entscheidungen Marc Aurels, sondern benennt auch seine Versäumnisse und Fehler, die z.B. zu den Erfolgen der Germanen beitrugen.

Wer sich für das 2. Jahrhundert n. Chr. interessiert, sollte sich den umfangreichen Band vornehmen. Gerade weil Demandt Marc Aurel nicht verklärt, sondern immer wieder auf die Realität mit ihren Schwierigkeiten und Grausamkeiten eingeht, ist dieses Buch z.B. für Römersammler so empfehlenswert. Die kaiserliche Münzprägung ist ja verständlicherweise kein Medium ausgewogener oder gar kritischer Geschichtsbetrachtung, hier liefert Demandt sozusagen das Korrektiv. Wo auf den Münzen (Germanen-)Siege gefeiert werden, da kann man bei Demandt nachlesen, welche militärischen und verwaltungsmäßigen Fehlentscheidungen dazu führten, dass in Wirklichkeit die Kriege von Marc Aurel eben nicht beendet werden konnten. Aber Demandt liefert keinen Marc Aurel-Verriss (die Nachfolger des Kaisers scheiterten an diesem Problem ja auch), sondern eine an der Lebenswirklichkeit orientierte Biografie, in der auch die philosophische Leistung des Kaisers ihre Würdigung findet.

Vielleicht kann man den Ton und sachlichen Gehalt des Buches am kürzesten durch den Hinweis verdeutlichen, dass es dem Andenken an den Marc Aurel-Bewunderer und Altbundeskanzler Helmut Schmidt gewidmet ist.