• Michael Kurt Sonntag

Antike


Der Heilgott Asklepios auf einem Obol aus Thessalien

Auf einem seltenen Obol aus Larissa in Thessalien aus dem späten 5. Jh. v. Chr. begegnet uns der bärtige Heilgott Asklepios im Tuchmantel (Himation) auf seinen Schlangestab gestützt bei der Fütterung einer eingerollten Schlange. Die Münze nennt das Kürzel LA/RI für Larissa. Dem Heilgott ist auf der Vorderseite ein nach rechts galoppierendes Pferd zugeordnet, da das Pferd in Thessalien auf Grund des Pferdereichtums schon früh zum Wappentier avancierte und nahezu alle Münzen in der einen oder anderen Form zierte. Über dem Pferd erscheint zudem ein pflanzliches Beizeichen.

Asklepios, lateinisch Aesculapius, deutsch Äskulap, war der Sohn Apollons und der Koronis, der Tochter des Thessalers Phlegyas. Nach Hesiod war seine Mutter jedoch nicht Koronis, sondern Arsinoë, die Tochter des Leukippos und Enkelin des messenischen Urkönigs Perieres. Weil Arsinoë aber noch während ihrer Schwangerschaft den sterblichen Ischys heiratete, erschoss sie Apollon, rettete jedoch das Kind Asklepios und ließ es vom guten Kentauren Cheiron großziehen. Da Cheiron der Heilkunde mächtig war, unterwies er auch Asklepios darin, so dass letzterer laut Homer zum „untadeligen Arzt“ wurde. (Homer: Die Ilias. 4, 194) Doch nachdem Asklepios es fertig gebracht hatte, sogar Tote wiederzubeleben, erschlug ihn Zeus mit einem Blitz, woraufhin Apollon die Kyklopen tötete, die den Blitz angefertigt hatten. Die antiken Griechen ebenso wie die alten Römer verehrten Asklepios als Heilgott. Sein bekanntestes und berühmtestes Heiligtum (das Asklepieion) stand in Epidauros. Das Attribut dieses Heilgottes war der schlangenumwundene Asklepios- bzw. Äskulapstab, der inzwischen weltweit das Zeichen des Ärztestandes ist.

Obol (um 420-400 v. Chr.), Silber, 0,9 g, Ø 11 mm, Münzstätte Larissa, Thessalien. Quelle: MA-Shops, Mike R. Vosper Coins, UK (Juni 2018)

Asklepios. Antike römische Marmorkopie nach einem griechischen Original aus dem 5. Jh. v. Chr. Standort: Museo Chiaramonti, Vatikanische Museen, Rom. Quelle: Marie-Lan Nguyen, Wikimedia