• Sincona AG

Nachbesprechung: SINCONA Auktionen 46 und 47 vom 14. bis 16. Mai 2018


Auktionszeit ist Stresszeit und macht Freude! Dies erleben die Mitarbeiter der SINCONA AG bereits beim Beschreiben der Münzen und Medaillen zur Erarbeitung der Kataloge, und es geht über die eigentliche Versteigerung bis zur Auslieferung der Stücke an die glücklichen neuen Besitzer. Das hat sich auch diesen Frühling mehr als bewahrheitet. Bereits am Tag danach rufen unzählige Kunden an und erkundigen sich, wann sie die ersteigerte Ware erhalten oder abholen können. Diese Ungeduld der Käufer ist bestes Beispiel für die schönen Emotionen, die Münzen und Medaillen immer noch auslösen.

Die SINCONA-Auktion 46 befasste sich nur mit Gold, und Gold fasziniert die Menschen seit je her. Bereits bei Australien zeigte sich, dass die Schätzpreise, vor allem bei seltenen und bei gut erhaltenen Stücken weit nach oben ausschlagen können. So überstiegen die Losnummern 11 bis 13 den Ausruf bereits um das drei- bis vierfache.

Los 13: Australien, Sovereign 1861. Schätzpreis: 800.- / Erzielter Preis 2500.- (exkl. Aufgeld).

Das spezielle Kapitel mit dem Gold Friedrichs des Grossen konnte sich natürlich sehen lassen. Ganze 110 Lose umfasste diese Spezialsammlung, und viele Raritäten fanden glückliche neue Besitzer. Als Beispiel erwähnen wir Los 72.

Los 72: Brandenburg-Preussen, Friedrich II. Goldmedaille zu 5 Dukaten 1742, zum Frieden von Breslau. Schätzpreis: 5‘000.- / Erzielter Preis 11‘000.- (exkl. Aufgeld).

Bei Frankreich bewies die Losnummer 442, dass die besondere Erhaltung einer Münze weiterhin die Aufmerksamkeit der Käufer findet. Der betreffende 100 Francs 1869 aus der Münzstätte Paris ist eines der besterhaltenden Stücke überhaupt.

Los 442: Frankreich, Napoleon III. 100 Francs 1869 A (Paris). NGC MS65. Schätzpreis: 7‘500.- / Erzielter Preis 16‘000.- (exkl. Aufgeld).

Mit Spannung wurde die Versteigerung des indischen Mohurs aus dem Mughal Empire von Herrscher Akbar I. erwartet. Gleich vier Telefone waren notwendig, um die Kunden optimal betreuen zu können, und das Ergebnis von 168‘000.- (inkl. Taxen) beweist die Bedeutung dieser Rarität.

Los 513: Indien, Mughal Empire. Akbar I. Mohur, 45 Ilahi-Jahr (1599 n. Chr.). Von grösster Seltenheit. Schätzpreis: 20‘000.- / Erzielter Preis 140‘000.- (exkl. Aufgeld).

Die japanischen Goldgepräge erscheinen dem westlichen Sammler schon der Form wegen aussergewöhnlich, dass aber bei den Oban der Wert und die Signaturen des jeweiligen Herrschers mit Tusche aufgetragen wurden, machen sie umso spezieller. Vom, unter Los 678 angebotenen, Oban o. J. wurden nur gerade 1887 Exemplare geprägt. Das Bietergefecht war auch dementsprechend spannend.

Los 678: Japan, Tempo era. Oban o. J. (1838-1860). 165.3 g. Sehr selten und vorzüglich-FDC. Schätzpreis: 35‘000.- / Erzielter Preis 46‘000.- (exkl. Aufgeld).

Wie üblich findet sich am Schluss des Goldkatalogs die unterdessen weit herum bekannte SINCONA-Gold-Auktion statt. Privatpersonen und Händler ersteigern Investitions- und Anlagegold zu attraktiven Konditionen, insbesondere ohne das übliche Aufgeld. Diese Tradition wird sicherlich weitergeführt.

In der SINCONA-Auktion 47, mit Geprägen aus aller Welt und aus der Schweiz, in Silber und anderen Legierungen, erlebten die Sammler und Händler interessante Einzelstücke aber auch spezielle Kapitel mit vielen aussergewöhnlichen Objekten.

An vorderster Stelle erwähnen wir die Sammlung „Erzgebirge“ mit mehr als 115 Losen. Schaumünzen, hauptsächlich aus dem 16. Jahrhundert, wurden von diversen talentierten Silberschmieden gegossen und teilweise auch vergoldet, seltener geprägt. Herrscherportraits, Medaillen zur Reformation mit Bildnissen von Jan Hus und Luther, andere religiöse Medaillen, oftmals zum Tragen mit Anhängern versehen, entstanden während dieser Zeit. Gleich mehrere Händler und Sammler aus dem Ausland waren angereist, um die bestmöglichen Chancen für erfolgreiches Mitbieten zu haben. Natürlich ist es ein Argument, mittels den verschiedenen Internetplattformen mitzubieten; man spart sicher Geld, da die Reise- und Aufenthaltskosten wegfallen. Aber man hat halt doch besseren Überblick und kann noch notfallmässig reagieren, wenn man im Auktionssaal anwesend ist und den Puls der Versteigerung direkt spüren kann.

Los 1336: Erzgebirge. Silbermedaille 1531 auf Erasmus von Rotterdam. Stempel von Hieronymus Magdeburger. Schätzpreis: 1‘500.- / Erzielter Preis 5‘000.- (exkl. Aufgeld).

Auch in dieser Auktion war der Teil Frankreich besonders gross, wobei das Kapitel Lothringen besondere Aufmerksamkeit auf sich zog. Aus dem grossen Angebot von Talern, aber auch umfangreichen Serien von mittelalterlichen Denaren, Gros und kleineren Silbernominalen, erwähnen wir an dieser Stelle den so seltenen Taler 1551 mit dem auffälligen Portrait von Robert de Lenoncourt.

Los 1755: Frankreich, Lothringen. Robert de Lenoncourt, Taler 1551. Schätzpreis: 6‘000.- / Erzielter Preis 13‘000.- (exkl. Aufgeld).

Die bedeutende Serie an Grosssilbermünzen und Medaillen des Römisch Deutschen Reichs war für die Liebhaber dieses Sammelgebietes nicht zu übersehen, wobei vor allem die attraktiven Stücke aus der Zeit Kaiser Rudolfs II. mit ihrer schönen, alten Patina auffielen. Stellvertretend dazu bilden wir den sehr seltenen Doppeltaler 1607 aus der Münzstätte Kuttenberg ab.

Los 2020: Römisch Deutsches Reich, Rudolf II. (1576-1612). Doppeltaler 1607, Münzstätte Kuttenberg. Schätzpreis: 4‘000.- / Erzielter Preis 18‘000.- (exkl. Aufgeld).

Die Abteilung Schweiz wird bekanntlich von SINCONA besonders gepflegt, und so verwundert es nicht, dass das Spitzenstück der Auktion, ein 10-Dukatenstück von 1681 aus Bern, mit hervorragendem Pedigree und bereits 100‘000.- Franken geschätzt, schlussendlich den Zuschlag beinahe verdoppelte.

Los 2624: Schweiz, Bern. 10 Dukaten 1681, Stsch. David Dick. Von grösster Seltenheit. Ex Sammlung Vogel (Auktion A. Hess Nachf. Fkft./Main, Okt. 1928, Los 5436). Schätzpreis: 100‘000.- / Erzielter Preis 190‘000.- (exkl. Aufgeld).

Die Gepräge der der drei Schweizer Urkantone Uri, Schwyz und Nidwalden geniessen immer besondere Aufmerksamkeit, so auch dieses Mal. Besonders erwähnenswert ist sicherlich der Halbbatzen (Grosso) o. J. aus der Münzstätte Bellinzona (1. Hälfte des 16. Jahrhunderts). Das einzige bekannte Exemplar dieses Nominals wurde bereits hoch geschätzt und erzielte schlussendlich einen Rekord für eine solche Scheidemünze, nämlich 30‘000.- Franken.

Los 2624: Schweiz, Uri, Schwyz u. Nidwalden. Halbbatzen o. J. Bellinzona. Von grösster Seltenheit. Schätzpreis: 17‘500.- / Erzielter Preis 30‘000.- (exkl. Aufgeld).

Auch eidgenössische Münzen faszinieren mit Schönheit und/oder Seltenheit die Sammlerwelt. Das berühmte „Vreneli“ mit Stirnlocke, die Probe von 1897, von der nur gerade 12 Exemplare geprägt wurden, zählt zu den klassischen Raritäten der Schweizer Numismatik. Der erzielte Preis spricht für die Bedeutung dieser Rarität.

Los 3322: Schweiz, Eidgenossenschaft. 20 Franken 1897 (mit Stirnlocke). Von grösster Seltenheit. Schätzpreis: 80‘000.- / Erzielter Preis 130‘000.- (exkl. Aufgeld).

Den Abschluss der Auktion machten die Schützenmedaillen der Schweiz, ebenfalls ein Sammelgebiet, das SINCONA sehr pflegt und das unterdessen sogar internationale Aufmerksamkeit geniesst. Wir erwähnen an dieser Stelle die so seltene Medaille 1827 der Schützengesellschaft von Zug. Es ist vermutlich die einzige Medaille mit der Stadtansicht dieser Stadt.

Los 3438: Schweiz, Zug. Schützengesellschaft der Stadt Zug, Medaille 1827. Nur ca. 150 Exemplare geprägt. Schätzpreis: 1‘500.- / Erzielter Preis 1‘700.- (exkl. Aufgeld).

Am Ende der beiden SINCONA-Auktionen gingen die Sammler und Saalbieter allerdings nicht nach Hause, denn es standen noch zwei Buchvernissagen von Mitarbeitern dieses Auktionshauses an. Unterdessen hatten sich auch Museumskuratoren und numismatisch interessierte Journalisten eingefunden. Mittels zwei Power Point Präsentationen wurden den Anwesenden die beiden Werke gezeigt und erklärt.

Ruedi Kunzmann und Karl Weisenstein haben in jahrelanger Arbeit das berühmte Zürcher Probierbuch aufgearbeitet, welches die Goldschmiede- und Münzmeisterfamilie Stampfer während mehr als 130 Jahren für Zürich geführt haben. Ein riesiger Fundus an geldgeschichtlichen Erkenntnissen macht sich in diesem Buch auf.

Im Anschluss daran präsentierte Jürg Richter die zweite und stark erweiterte Auflage des Buchs über die Schützenmedaillen der Schweiz, das Standardwerk zu diesem Sammelgebiet. Besonders konnte der Autor auf all die neuen speziellen Kapitel hinweisen, die dem Sammler und dem Münzenhändler vieles erleichtern wird.

Mit einem guten Schluck Wein und diversen Häppchen fanden die SINCONA-Frühjahrsauktionen auf diese spezielle Art einen würdigen Abschluss.

Die Autoren der zwei neuen Bücher, Ruedi Kunzmann, Karl Weisenstein und Jürg Richter (v.l.n.r.)

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