Vom Kellerfund zur Auktion: Seltenes Vreneli erzielt Spitzenpreis
- Andreas Raffeiner
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Das Zürcher Auktionshaus Sincona AG sorgte vor kurzer Zeit für Aufsehen in der internationalen Numismatik: Ein vergleichsweise extrem seltenes 20-Franken-Goldvreneli aus dem fernen Jahr 1897 wurde für sage und schreibe 170’000 Schweizer Franken (ca. 186.500 Euro) versteigert. Die Münze stammt aus Gondogold und gilt unter Sammlern von Raritäten unter den Goldprägungen als eine der bedeutendsten Seltenheiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

20 Franken (1897, 900er Gondogold, 21 mm, Sincona, Auktion 103, Los 1752, Zuschlag: 170’000 CHF
Besonders außergewöhnlich ist die Herkunft des Stücks. Das Vreneli wurde zusammen mit einer weiteren Rarität aus dem sogenannten Gondogold während Jahrzehnten unbeachtet in einer einfachen Aluminiumbox in einem Keller aufbewahrt. Erst bei einer Haushaltsauflösung entdeckte der Besitzer die Münzen zufällig und wandte sich an die Experten von Sincona. Dort erkannte man schnell die geschichtliche Tragweite des Fundes.
Das Goldvreneli gehört zu einer äußerst kleinen Sonderprägung aus Gold des ehemaligen Bergwerks Gondo im Wallis. Zwischen 1894 und 1897 wurde in der Gondoschlucht eine aufwändige Goldförderstätte eingerichtet. Abgebaut wurden allerdings nur 33 Kilogramm Gold. Dann waren die Lagerstätte erschöpft. Das Gondogold besitzt wegen der ungewöhnlichen Geschichte seiner Förderung in der Schweizer Numismatik einen legendären Ruf. Die Prägestätte Bern fertigte 1897 nur 29 Exemplare der hier angebotenen Ausgabe an. Entsprechend selten erscheinen solche Stücke auf dem Markt – oftmals vergehen Jahrzehnte, ohne dass ein Exemplar angeboten wird.
Die Vorderseite dieser Rarität zeigt die berühmte Büste der jungen Helvetia nach dem Entwurf des Medailleurs Fritz Ulysse Landry. Das nach links gewandte Frauenporträt mit Edelweißgirlande vor alpiner Bergkulisse zählt zu den bekanntesten Münzbildern der Schweiz. Über dem Motiv steht die lateinische Landesbezeichnung „HELVETIA“. Die Rückseite trägt das Schweizer Wappen, umgeben von einem Eichenzweig mit Eicheln und Schleifen-Ornamentik. In das Kreuz des Wappenschildes ist ein wesentlich kleineres Kreuz gestempelt - das Zeichen für Gondogold.
Technisch entspricht die Münze den klassischen Spezifikationen des 20-Franken-Vreneli: geprägt in 900er Gold mit einem Kupferanteil von zehn Prozent, bei einem Gewicht von 6,45 g und einem Durchmesser von 21 mm. Gerade die Verbindung dieser standardisierten Umlaufmünze mit dem äußerst seltenen Gondogold macht ihren besonderen Reiz aus.

20 Franken (1895, 900er Gondogold, 21 mm, Sincona, Auktion 103, Los 1751, Zuschlag: 110’000 CHF
Eine zweite Münze aus dem Kellerfund wurde für 110’000 Schweizer Franken versteigert. Es ist eine traditionelle „Helvetia“ aus dem Jahr 1895, ebenfalls aus Gondogold gefertigt. Der Fund zeigt auf eindrucksvolle Weise, welch wichtige kulturgeschichtliche Zeugnisse bis heute unerkannt in privaten Nachlässen verborgen liegen können. Für Sammler und Historiker stellen solche Gondogold-Prägungen keinesfalls nur seltene Münzen dar, sondern auch Zeugnisse der frühen Schweizer Goldwährung und der alpinen Bergbaugeschichte des Wallis.
Andreas Raffeiner




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