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Schweden führt Bargeld-Pflicht ein

Schweden gilt seit vielen Jahren als Vorreiter beim bargeldlosen Bezahlen. Ob im Café, im Supermarkt oder sogar auf Flohmärkten – an vielen Orten wird nur mit einer Plastikkarte oder mit dem Smartphone bezahlt. Für viele Verbraucher ist das Bargeld längst ein Relikt der Vergangenheit geworden. Doch nun schlägt das Land im Norden Europas einen neuen Kurs ein: Seit dem 1. Juli 2026 müssen Lebensmittelgeschäfte und Apotheken grundsätzlich wieder Bargeld als Zahlungsmittel akzeptieren. Mit der neuen Regel will die schwedische Regierung garantieren, dass das Bargeld trotz der fortschreitenden Digitalisierung weiterhin eine bedeutende Rolle im Alltag spielt. Vor allem in Krisensituationen, bei technischen Ausfällen oder für Menschen ohne Zugang zu digitalen Zahlungsmethoden soll die Barzahlung auch künftig möglich bleiben.

1 Krona (Schweden, 2016, Stahl, mit Kupfer platiniert, 3,6 Gramm, 19,5 mm)

Bildquelle: uCoin


Warum Schweden die Regel einführt


In den letzten Jahren hat sich Schweden zu einer der bargeldlosesten Gesellschaften der Welt entwickelt. Kartenzahlungen und mobile Bezahldienste bestimmen das alltägliche Leben. Viele Geschäfte haben Bargeld zur Gänze abgeschafft, weil die Abwicklung als teuer, aufwendig und mit einem vergleichsweise höheren Sicherheitsrisiko verbunden gilt. Doch genau diese Entwicklung sorgte zunehmend für Kritik. Die Regierung in Stockholm befürchtet, dass die starke Abhängigkeit von digitalen Zahlungssystemen im Ernstfall massive Probleme mit sich bringen könnte. Fällt das Stromnetz aus oder kommt es zu technischen Störungen, Cyberangriffen oder Ausfällen bei Banken und Zahlungsdienstleistern, könnten viele Menschen ihre Einkäufe nicht mehr bezahlen. Mit der neuen Bargeld-Regel soll garantiert werden, dass zumindest Waren des täglichen Bedarfs weiterhin gekauft werden können. Parallel dazu sollen ältere Menschen sowie Personen ohne Bankkonto, Kreditkarte oder Smartphone nicht vom sozialen Leben ausgeschlossen werden.


Diese Geschäfte müssen Bargeld annehmen


Die neue Vorschrift betrifft hauptsächlich Unternehmen, die für die Grundversorgung der Bevölkerung von Belang sind. Dazu zählen Lebensmittelgeschäfte, Supermärkte mit bedienten Kassen und Apotheken. Diese Betriebe sind grundsätzlich verpflichtet, Bargeld als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Kunden können ihre Einkäufe auf diese Weise wieder mit Geldscheinen und Münzen bezahlen, auch wenn Kartenzahlungen weiterhin die bevorzugte Zahlungsart vieler Verbraucher bleiben. Die Regierung verfolgt damit das Ziel, Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel langfristig funktionsfähig zu halten und dessen Akzeptanz nicht zur Gänze verschwinden zu lassen.


Es gibt mehrere Ausnahmen


Die Bargeldpflicht gilt allerdings nicht ohne Einschränkungen. Der Gesetzgeber hat verschiedene Ausnahmen vorgesehen. Keine Pflicht besteht dann, wenn die Annahme von Bargeld die Sicherheit der Beschäftigten gefährden würde. Das kann etwa in Geschäften der Fall sein, die bereits mehrere Male Opfer von Raubüberfällen geworden sind oder bei denen ein vergleichsweise erhöhtes Sicherheitsrisiko besteht. Auch Unternehmen, bei denen die Bargeldabwicklung unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde, können unter gewissen Voraussetzungen von der Pflicht ausgenommen werden. Hintergrund ist, dass Bargeld transportiert, gezählt, gesichert und bei Banken eingezahlt werden muss – ein erheblicher Aufwand insbesondere für kleinere Betriebe. Außerdem gilt die neue Regel keinesfalls für Supermärkte, die ausschließlich mit Selbstbedienungskassen arbeiten und keine bemannten Kassen anbieten. Eine weitere Besonderheit betrifft Münzen: Händler müssen nicht mehr als 25 Münzen pro Bezahlvorgang annehmen. Somit soll verhindert werden, dass Kunden größere Beträge ausschließlich mit Kleingeld bezahlen.


Nicht alle Händler wollen die Vorgabe umsetzen


Obwohl die Regel schon in Kraft getreten ist, stößt sie nicht überall auf Zustimmung. Einige Unternehmen haben angekündigt, weiterhin auf Bargeld verzichten zu wollen. Besonders diskutiert wird die Entscheidung einzelner Filialen der Supermarktkette Coop. Dort verweist das Unternehmen auf Sicherheitsgründe. Nach mehreren Raubüberfällen sei entschieden worden, bestimmte Filialen auch künftig bargeldlos zu betreiben. Nach Angaben des Unternehmens könne Bargeld zwar in Krisensituationen die einzige funktionierende Zahlungsart sein, dennoch überwiegen an einzelnen Standorten die Sicherheitsbedenken. Wie Verstöße gegen die neue Bargeldpflicht künftig kontrolliert oder sanktioniert werden sollen, ist bisher noch nicht abschließend geregelt. Es bleibt somit abzuwarten, wie konsequent die Vorschrift tatsächlich durchgesetzt wird.


Bargeld spielt trotz Digitalisierung weiter eine Rolle


Auch wenn Schweden weltweit als Musterbeispiel für digitales Bezahlen gilt, zeigt die neue Regel, dass Bargeld keineswegs ausgedient hat. Gerade in Krisenzeiten gewinnt es wieder an Bedeutung. Experten weisen seit Jahren darauf hin, dass digitale Zahlungssysteme anfällig für Stromausfälle, Cyberangriffe oder technische Störungen sein können. Ohne funktionierende Infrastruktur lassen sich weder Kartenzahlungen noch mobile Bezahldienste nutzen. Bargeld funktioniert dagegen unabhängig von Strom, Internet oder Servern und gilt deshalb als wichtiger Bestandteil der nationalen Krisenvorsorge.


Nur wenige Schweden zahlen noch bar


Die Nutzung von Bargeld ist in Schweden in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. Nach einer Umfrage der schwedischen Zentralbank gaben zuletzt nur noch fünf Prozent der Befragten an, ihren letzten Einkauf bar bezahlt zu haben. Der überwiegende Teil der Bevölkerung nutzt stattdessen Bankkarten oder mobile Bezahldienste. Viele jüngere Menschen tragen im Alltag überhaupt kein Bargeld mehr bei sich. Trotzdem spricht sich die schwedische Zentralbank ausdrücklich dafür aus, weiterhin eine gewisse Bargeldreserve zu Hause aufzubewahren.


Empfehlung für den Notfall


So empfiehlt man Erwachsenen, rund 1.000 schwedische Kronen, umgerechnet etwa 90 Euro, als Bargeldreserve bereitzuhalten. Dieses Geld soll ausschließlich für Notfälle gedacht sein – etwa bei Stromausfällen, technischen Problemen oder anderen Krisensituationen, in denen elektronische Zahlungsmittel nicht mehr funktionieren. Die neue Bargeld-Regel macht deutlich, dass selbst eines der digitalsten Länder der Welt auf Bargeld nicht vollständig verzichten möchte. Während moderne Bezahlmethoden den Alltag zwar deutlich erleichtern, bleibt Bargeld eine bedeutende Absicherung für außergewöhnliche Situationen. Mit der Verpflichtung für Lebensmittelgeschäfte und Apotheken möchte das Land im Norden Europas sicherstellen, dass die Grundversorgung der Bevölkerung auch dann funktioniert, wenn digitale Zahlungssysteme einmal ausfallen.


Andreas Raffeiner

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