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Modernes Antiquariat: Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland

Was macht ein angehender Sammler, der in die ziemlich unübersichtliche Geschichte deutscher Münzen einsteigen will? Er ruft Deutsche Münzen bei Wikipedia auf. Oder er befragt seine aktuell beste Freundin, die Künstliche Intelligenz. Ich kaufte mir einst Die Münze von Arthur Suhle in einem Leipziger Antiquariat. Über die letzten Jahrhunderte in Deutschland ghabes aber nur zwei Kapitel mit neun Seiten. Heute weiß ich, dass es als Standardwerk für Einsteiger das Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland gibt und für Fortgeschrittene Das Geld der Deutschen von Bernd Sprenger. Wer es ganz genau wissen will, versucht sich an dem Mammutwerk Deutsche Geldgeschichte 1484-1914 von Herbert Rittmann und seinem Folgeband Deutsche Geldgeschichte seit 1914.


Wolfgang Trapp, Torsten Fried:

Hadbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland

Verlag Philipp Reclam jun Stuttgart, 2. Auflage, 2006

ISBN 978-3150106174

1. Auflage antiquarisch ab 5 Euro erhältlich


Das Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland beschäftigt sich nach einem Einstieg zum Begriff des Geldes zunächst mit der Technik der Münzherstellung. Der Autor Wolfgang Trapp war einst in führender Position in der Eichverwaltung tätig. Damit erklärt sich die Ausführlichkeit dieses Teiles. Der anschließende Teil zur Münz- und Geldgeschichte ist zwar umfangreicher, ist mit über 100 Seiten zwar umfangreicher, aber erstaunlich kurz gehalten. Was sagt Trapp über die Zeit nach dem Dreißgjährigen Krieg, als immer neue Münzverordnungen die Stabilität des Geldes sichern sollten? Im Jahr 1667 gab es den Vertrag von Zinna mit einem neuen Münzfuß. Der setzte sich jedoch nicht durch: Die schlechten Münzsorten erzwangen eine Revision des 10,5-Taler-Fußes von Zinna. Kurbrandenburg, Kursachsen und das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg beschlossen deshalb 1690 in Leipzig einen 12-Taler-Fuß. Der 12-Taler-Fuß war ebenso wie der Taler in 10,5-Taler-Fuß eine Rechengröße, er wurde nicht geprägt. Seine Bezeichnung lautete Reichstaler (Rtlr., Rhtlr.) oder Taler courant. (...) Geprägt hat man dagegen den auch als Gulden geprägten 2/3-Taler zu 16 Groschen. Er wurde die Hauptmünze. 18 dieser Geldstücke ergaben eine feine Mark Silber (daher die Bezeichnung des Leipziger Münzfußes als 18-Gulden-Fuß).“ Die Zusammenhänge sind von jeher auch in dicken Büchern schwer vermittelbar. Mit dieser kurzen, aber schlüssigen Erläuterung hat Wolfgang Trapp seine Fähigkeit nachgewiesen, komplizierte Sachverhalte allgemeinverständlich zu erläutern!


Der vierte Teil des Handbuches, der sich der Geschichte von Preisen, Löhnen und Kaufkraft zuwendet, ist mit fast 100 Seiten überraschend umfangreich ausgefallen. Dem Handbuch ist ein auf zentrale Begriffe beschränktes Glossar, eine Zeittafel und praktische Hinweise zu Abkuerzungen und Zeichen im Münzwesen beigestellt. Der Text ist mit vielen Grafiken, Tabellen und Diagrammen versehen. Dagegen fehlen Abbildungen von Münzen völlig. Lediglich auf Seite 32 ist zur musterhaften Darstellung eines Gepräges ein Zwei-Euro-Stück abgebildet. Das ist bedauerlich. Insgesamt ist diese deutsche Geld- und Münzgeschichte aber ein Beitrag, der sich angesichts einer zusammenhängenden und gut lesbaren Darstellung wohltuend von der ausufernden Katalogliteratur abhebt.


Dietmar Kreutzer


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