top of page

„Der Geist der Münze“ von Ralph Tegtmeier

Mit Der Geist in der Münze legte Ralph Tegtmeier im Jahr 1988 einen Geldratgeber vor, der sich bewusst jenseits klassischer Finanzliteratur bewegt. Statt Tabellen, Börsentipps oder Sparstrategien steht hier die Beziehung des Menschen zum Geld im Mittelpunkt – verstanden als kulturelles, psychologisches und beinahe schon „lebendiges“ Phänomen. Im Frühjahr 2026 erschien nun eine weitere, aktualisierte Auflage des Werkes.


Ralph Tegtmeier:

Der Geist der Münze

Vom magischen Umfang mit Reichtum

208 Seiten

Silberstreif Verlag Allgäu

Kempten 2026

19,99 Euro

ISBN 978-3-00-085371-5

















Das Werk ist in zehn größere Abschnitte eingeteilt und führt den interessierten Leser durch einen Mix aus Geldgeschichte, Alltagsbeobachtungen, mentalen Mustern und spirituell geprägten Deutungen des Geldbegriffs. Der Verfasser skizziert einleitend zwar kurz die Geschichte des Geldes seit seinen Vorformen in Mesopotamien. Doch bereits früh wird deutlich, dass er vor allem ein Umdenken anstoßen möchte: weg von Schuldgefühlen, Leistungszwang und Mangeldenken, hin zu einem spielerischeren, möglicherweise bewussteren Umgang mit Geld als Teil unseres Lebensflusses. Charakteristisch ist der essayistische, teils erzählerische Stil. Der Autor verbindet Anekdoten, persönliche Gedankengänge und kleine „Übungen“ zu einem lockeren, gut lesbaren Gesamtbild.


Besonders die Kapitel über typische Denkfehler im Umgang mit Geld sowie über das „Geldbewusstsein“ zielen darauf ab, festgefahrene Gewissheiten zu hinterfragen und neue Perspektiven zu eröffnen. Das geschieht bereits im vierten Kapitel Die Entwicklung eines schönen Monstrums, in dem unter anderem der Wandel in der Form von Zahlungsmittel gezeigt wird: „So wird das Geld immer mehr zu einem abstrakten und gänzlich unsichtbaren Monstrum. Nur wenige Menschen nehmen sich noch die Zeit, es sinnlich, das heißt: mit allen Sinnen zu betrachten, ja es überhaupt noch wahrzunehmen. Je wichtiger es im täglichen Überlebenskampf zu werden scheint, um so mehr wird es offenbnar auch aus dem Bewusstsein des Einzelnen verdrängt, bis es schließlich nur noch zu einer völlig fiktiven mathematischen Größe wird.“ Der Übergang vom Metall zu einem rein digitalen Zahlungsmittel (Stichwort: Digitaler Euro) vollzieht sich ja gerade aktuell in einem atemberaubenden Tempo.


Die Stärken des Buches liegen in seiner zugänglichen Sprache und dem folgerichtigen Perspektivwechsel: So wird unser Geld nicht nur als wirtschaftliche Größe, sondern als Spiegel innerer Haltungen betrachtet. Auf diese Weise spricht das Werk weniger althergebrachte Leser mit finanziellem Interesse an, sondern eher Menschen, die Interesse für Psychologie, Lebensführung und alternative Denkmodelle bekunden. Parallel dazu ist dieser ungewöhnliche Blickwinkel, die Leserschaft betreffend, auch ein Punkt, an dem das Werk polarisieren kann. Wer eine objektiv-ökonomische Analyse oder konkrete finanzielle Handlungsempfehlungen erwartet, wird hier kaum fündig und ist auch mit dem vorliegenden Buch nicht gut beraten. Der Ansatz ist bewusst nicht technisch, sondern weltanschaulich und zum Teil esoterisch geprägt – was nicht jedem Leser zusagen dürfte.


Insgesamt bietet Der Geist in der Münze eine ungewöhnliche und etwas provokante, aber durchgängig logisch gedachte Beschäftigung mit dem Thema Geld. Es ist weniger ein altbewährter Ratgeber als vielmehr ein Denkanstoß über die gefühlsbetonte und kulturelle Wichtigkeit von Reichtum. Denn die Bedeutung des Geldes in unserer Gesellschaft kann gar nicht überschätzt werden: „Für Geld wird gemordet, gehasst und geliebt, geheilt und verwundet, gelogen, gearbeitet - vor allem aber gestresst. Keine materielle Sache in der Geschichte hat das menschliche Leben so sehr geprägt wie das Geld. Seit es schon vor Jahrtausenden seinen Siegeszug antrat, hat es nicht mehr aufgehört unser Sein und unser Bewusstsein zu formen.“ Zusammengefasst kann man sagen, dass es sich bei Tegtmeiers Werk um ein unkonventionelles Buch über Geldbewusstsein handelt, das weniger erklären als verändern will; es ist interessant für offene Leser, die bereit sind, Geld auch als „inneres Thema“ zu betrachten. Als kleines Manko kann konstatiert werden, dass auf Abbildungen verzichtet wurde.


Andreas Raffeiner

Kommentare


www.muenzen-online.com | Regenstauf

© 2025 Battenberg Bayerland Verlag GmbH

bottom of page