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Literatur: Römische Münzen im Salzkammergut von Ursula Schachinger

Ursula Schachinger, Römische Münzen im Salzkammergut. Einzelfunde und Hortfunde als Zeugnisse von Handel, Verkehr und Krisenzeiten (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, Bd. 102), 300 Seiten, Graz 2026, 36 Euro


Die umfangreiche Publikation Römische Münzen im Salzkammergut. Einzelfunde und Hortfunde als Zeugnisse von Handel, Verkehr und Krisenzeiten von Ursula Schachinger, erschienen als mittlerweile 102. Band in der Reihe Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, bietet eine außergewöhnlich detaillierte und methodisch fundierte Studie zur römischen Numismatik im alpinen Raum. Auf 300 Seiten entfaltet sich ein eindrucksvolles Bild von Münzumlauf, Deponierungspraxis und den historischen Zusammenhängen zwischen Handel, Mobilität und Krisensituationen in der Antike.


Im Mittelpunkt des Buches stehen die beiden großen Schatzfunde vom Kampwald und der Pötschenwand, die nicht nur numismatisch genau ausgewertet, sondern auch archäologisch und taphonomisch tiefgehend interpretiert werden. Der akribisch genau arbeitenden Autorin gelingt es in vorbildlicher Weise, die Münzen nicht isoliert als Gegenstände zu betrachten, sondern sie folgerichtig in ihre landschaftlichen, siedlungshistorischen und sozialen Zusammenhänge einzubetten. Besonders zu betonen ist die interdisziplinäre Herangehensweise, die archäologische Befunde, Fundkontexte, naturwissenschaftliche Untersuchungen und geschichtliche Vergleichsdaten miteinander verbindet.


Die Stärke des Werkes liegt in der außergewöhnlichen Detailtiefe: Fragen zu Münztypen, Stempelidentitäten, Umlaufspuren, Gewichtssystemen und Depotstrukturen werden genau und nachvollziehbar behandelt. Gleichzeitig bleibt die übergeordnete Fragestellung stets präsent – nämlich, wie sich wirtschaftliche Netzwerke und Krisenphänomene im römischen Alpenraum im Spiegel der Münzfunde abzeichnen. Die umfangreichen Vergleichsanalysen mit anderen Hortfunden aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert erweitern den Blick über die Region hinaus und verorten die Ergebnisse plausibel im überregionalen Kontext. Auch die Beiträge zur anthropologischen Begutachtung oder zur Restaurierung der Münzen fügen sich sinnvoll in das Gesamtwerk ein und unterstreichen den wissenschaftlich breit angelegten Charakter der Publikation.


Trotz der hohen Informationsdichte bleibt der Band klar strukturiert und gut zugänglich, auch wenn er sich in erster Linie an ein fachkundiges Publikum aus Archäologie, Altertumswissenschaften und Numismatik richtet. Viele Abbildungen und Katalogteile unterstützen die wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit der Argumentation der Verfasserin. Alles in allem handelt es sich um eine herausragende und durchaus lohnende Studie, die nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur römischen Numismatik im alpinen Raum leistet, sondern auch neue Sichtweisen auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamiken in einem peripheren Gebiet des Imperium Romanum eröffnet.

Mehr noch: Es ist ein Referenzwerk für die zukünftige Forschung.


Andreas Raffeiner

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