• Dietmar Kreutzer

Lukrative Goldgeschäfte: Rumänien im Zweiten Weltkrieg

Im Herbst 1940 trat der rumänische Diktator Ion Antonescu (1882-1946) dem faschistischen Dreimächtepakt zwischen Deutschland, Italien und Japan bei. Daraufhin kamen deutsche „Berater“ unter der Leitung von Hermann Neubacher ins Land, eines Sonderbeauftragten des Auswärtigen Amtes. Die Deutschen äußerten über ihre Interessen: „Der Reichsmarschall (Göring) hat angedeutet, dass der Mineralölüberschuss von 3 Mio. t (300 Mio. RM) für das Deutsche Reich gesichert werden soll. Ausgleich durch Gegenlieferung ist vorläufig nicht möglich. Die Nationalbank muss vorschießen. Das kann inflationistische Erscheinungen zur Folge haben. Um diesen zu begegnen, soll die rumänische Regierung durch einen deutschen Beraterstab unterstützt werden.“ (Rumänien-Sitzung vom 12.10.1940, zitiert in Götz Aly: Hitlers Volksstaat, Frankfurt 2005, S. 263). Dem „Beraterstab“ folgte rasch ein deutsches Truppenkontingent. Die Kosten für den Unterhalt der „Gäste“ explodierten. Die Inflationsrate, die seit 1937 zu einer Verdreifachung der Preise geführt hatte, stieg weiter an. Diktator Antonescu: „Wie lange glaubt man, dass ich noch Staatschef bleiben kann, wenn alle zehn Tage eine Milliarde Lei für die deutschen Truppen gefordert werden.“ (Ebenda, S. 267). Außerdem wurden Erdöl und Lebensmittellieferungen von deutscher Seite bestellt.

König Michael I. von Rumänien (1921-2017). Bildquelle: Wikimedia, Istrocolor.

Um an die dringend benötigten Güter zu gelangen, zugleich einen Zusammenbruch der rumänischen Währung zu vermeiden, ging Hitler-Deutschland auf die Forderung der Rumänen ein, die Güter in Gold zu vergüten. Ersten Lieferungen zum Beginn der Zusammenarbeit folgte ein Geheimabkommen, das NS-Außenminister Ribbentrop und sein rumänischer Amtskollege am 11. Januar 1943 im Führerhauptquartier Wolfsschanze schlossen. Insgesamt 30 Tonnen Gold im Wert von 84 Millionen Reichsmark sollten an die rumänische Zentralbank geliefert werden. Ein erster Transport im Wert von 20 Mill. RM verließ am 15. Februar 1943 die Reichsbank in Richtung Bukarest. Drei weitere folgten im Frühjahr 1943. Goebbels notierte, Rumänien sei angesichts der sich abzeichnenden militärischen Niederlagen „… eifrigst bemüht, sich eine gewisse Goldreserve zu verschaffen“. (Goebbels-Tagebücher, 5. Februar 1943, II/12, S. 261f.).



500 Lei (1944, 700er Silber, 12 Gramm). Bildquelle: Numismatic Guaranty Corp.

Der rumänische Lei konnte mithilfe der Währungsreserve tatsächlich kurzzeitig stabilisiert werden. Die Lieferungen von Mineralöl und Getreide gegen Gold und Devisen wurden daher bis zum August 1944 fortgesetzt. Erst mit dem Staatsstreich unter Führung des konstitutionellen Monarchen Michael I. (1921-2017) am 23. August 1944 änderte sich die Situation. Die kurz darauf einrückende Rote Armee betrachtete Rumänien dennoch als Gegner.



100.000 Lei (1946, 700er Silber, 25 Gramm). Bildquelle: Comptoir des Monnaies.

Gedenkmedaille (1947, Wert: 100 Francs 1926-1936, 900er Gold, 6,55 Gramm). Bildquelle: Apmex.

Im September 1944 sind Reparationen fixiert worden, die Rumänien an die Sowjetunion zu entrichten hatte: 300 Millionen Dollar. Geliefert wurden Industrieprodukte, Mineralöl und Nahrungsmittel. Die staatlichen Goldreserven im Umfang von 245 Tonnen hatte der rumänische Diktator Antonescu zuvor größtenteils in der Nähe des Tismana-Klosters (Walachei) versteckt. Im Februar 1947 kamen sie jedoch zurück nach Bukarest. Dem Gold drohte nun ebenfalls der Abtransport in die Sowjetunion: „Es ist bekannt, dass Finanzminister Alexandrini von der Nationalen Liberalen Partei zu Beginn des Jahres 1947 in Voraussicht dieser Entwicklung die Ausgabe von Goldmedaillen im Gewicht eines Napoleon anordnete, welche an die Bevölkerung verkauft werden konnten. Er hoffte, dass auf diese Weise wenigstens ein Teil des Goldes im Land bleiben würde.“ (Gheorghe Boldur-Latescu, The Communist Genocide in Romania, New York 2004, S. 93). Eine Million dieser Stücke wurde ausgeprägt. Die Hoffnung erwies sich aber als trügerisch. Im August 1947 ist der Besitz von Goldmünzen für Rumänen verboten worden. Unter Androhung drakonischer Strafen waren die Staatsbürger verpflichtet, ihr Gold zu einem Hundertstel des realen Wertes an die Nationalbank zu verkaufen. Die wieder eingesammelte Goldreserve wurde dann als Teil der Reparationen nach Moskau verschickt.


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